Kurz gefasst
Das indonesische Gesundheitsministerium registrierte bis Mitte Oktober mehr als 277.000 Fälle von chronischem Husten und akuten Atemwegsinfektionen, darunter mehr als 62.000 Kinder unter fünf Jahren.
Hunderte Demonstranten, überwiegend Studierende, zogen in Jakarta sowie in Bandung, Yogyakarta, Pekanbaru und Makassar auf, während Prabowo Subianto sein zweijähriges Amtsjubiläum beging.
Ein Gericht in Pontianak begann mit der Prüfung einer Sammelklage, die Prabowo Subianto und 26 Amtsträger nennt und ihnen Fahrlässigkeit vorwirft, die in Westkalimantan eine schwere Krise der öffentlichen Gesundheit verursacht habe.
DBS, OCBC und UOB wollen die Finanzierung kürzen oder Geschäftsbeziehungen zu Kunden beenden, die gegen ihre Nachhaltigkeitsstandards verstoßen; Singapur hat zehn indonesischen Unternehmen rechtliche Mitteilungen zugestellt.
Rauch, Feuer und die gesundheitlichen Folgen
Seit Beginn des Jahres 2026 sind in Indonesien nach Angaben der Satellitenplattform Nusantara Atlas rund 1,9 Millionen Hektar Fläche verbrannt. Allein im September sollen etwa eine Million Hektar betroffen gewesen sein. Brände auf Torfböden sind besonders schwer zu bekämpfen, weil sie unterirdisch weiterschwelen und dabei Rauch, Feinstaub und andere Schadstoffe freisetzen. In Palangkaraya auf dem indonesischen Teil Borneos hat sich der Himmel gelb bis orange gefärbt, Häuser und Autos verschwinden im Dunst.
- Seit Beginn 2026
- 1900000 Hektar
- Allein im September
- 1000000 Hektar
Daten aus dem Artikeltext
Bis Mitte Oktober hatte das indonesische Gesundheitsministerium mehr als 277.000 Fälle von chronischem Husten und akuten Atemwegsinfektionen registriert, mehr als 62.000 davon betrafen Kinder unter fünf Jahren. Eine frühere offizielle Angabe eines hochrangigen Vertreters des Gesundheitsministeriums nannte mehr als 283.000 Fälle seit dem 18. August. Die beiden Zahlen lassen sich nicht miteinander in Einklang bringen. Die Behörden raten den Menschen in den am stärksten betroffenen Gebieten, zu Hause zu bleiben, doch Bauern, Händler und Tagelöhner können das oft nicht, und manche Schulen unterrichten online.
- Alle Fälle (mehr als)
- 277000 Fälle
- Kinder unter fünf Jahren (mehr als)
- 62000 Fälle
Daten aus dem Artikeltext
Proteste gegen die Regierung
Hunderte Demonstranten, überwiegend Studierende und junge Menschen, versammelten sich in Jakarta und in Städten wie Bandung, Yogyakarta, Pekanbaru und Makassar, während Präsident Prabowo Subianto sein zweijähriges Amtsjubiläum beging. Die Demonstranten verlangen, dass die Regierung die Brände zum nationalen Katastrophenfall erklärt; manche skandierten, die Krise sei politisch und nicht natürlichen Ursprungs. Studierende werfen der Regierung zudem Korruption und Unfähigkeit vor sowie das Versäumnis, die Brände unter Kontrolle zu bringen. Transparente forderten die Behörden auf, die Feuer sofort zu löschen.
Reaktion der Regierung und eine Klage
Prabowo Subianto sagte in einer Regierungssitzung, einige Länder beleidigten Indonesien gern, und das Land werde die beteiligten Unternehmen benennen, wenn die Zeit gekommen sei – weder Unternehmen noch Länder nannte er jedoch. Er sagte, viele Unternehmen trügen Verantwortung, und die Ursachen der Brände seien nicht ausschließlich natürlicher Art. Brandstiftung bezeichnete er als Umweltterrorismus und wies darauf hin, dass Anwohner mehrere Personen festgehalten hätten, die ihrer Aussage nach absichtlich Feuer gelegt hatten; er versprach eine gründliche Untersuchung. Unabhängig davon begann ein Gericht in Pontianak zu prüfen, ob eine Sammelklage von Anwohnern der Provinz Westkalimantan mit rund sechs Millionen Einwohnern zulässig ist. Die Klage wirft Prabowo Subianto und 26 Amtsträgern auf nationaler, provinzieller und lokaler Ebene sowie Polizei und Rettungsdiensten Fahrlässigkeit, Untätigkeit und Versäumnisse vor, die eine schwere Krise der öffentlichen Gesundheit verursacht hätten.
Die Nachbarländer und die Reaktion der Banken
Der Rauch hat in Malaysia, Singapur und Timor-Leste gefährliche Werte erreicht, und der Verband Südostasiatischer Nationen hat ein Treffen zu der Krise einberufen. Die Regierungschefs der Nachbarländer haben Hilfe angeboten und zugleich offene Kritik auf höchster diplomatischer Ebene vermieden. Der malaysische Abgeordnete Syed Saddiq Syed Abdul Rahman sagte Anfang Oktober, Indonesiens Brände müssten wie die Ausgestoßenen der Region behandelt werden. In Singapur verschärfen DBS, OCBC und UOB ihre Nachhaltigkeitsstandards für Kunden und verfolgen eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Brandrodung und Abholzung. Die Banken kündigten an, die Finanzierung zu reduzieren oder Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen zu beenden, die gegen die Regeln verstoßen.
Druck auf die Wirtschaft und der Tourismus
Senior Minister K Shanmugam hat die Banken aufgefordert, die ökologischen und rechtlichen Risiken einer Finanzierung von Unternehmen abzuwägen, die für die Brände verantwortlich sein könnten. Singapur hat zehn indonesischen Unternehmen rechtliche Mitteilungen wegen ihres Beitrags zum Smog zugestellt, und die Singapore Exchange hat sieben börsennotierte Unternehmen zu ihren Verbindungen zu dem Phänomen befragt. Der Rauch bedroht zudem Käfer, die Ölpalmen bestäuben – ein Problem für Palmöl, das meistverbrauchte Pflanzenöl. In Malaysia sagte eine australische Besucherin, sie habe durch den Dunst keine klaren Fotos der Petronas Twin Towers machen können, und das Land rechnet mit Auswirkungen auf den Tourismus.