
Siemens Energy benennt sich in Omterra um und streicht 300-Millionen-Euro-Lizenzgebühr
Der deutsche Energietechnikkonzern gab am Dienstag bekannt, dass er Siemens Energy und Siemens Gamesa Renewable Energy unter der einheitlichen Marke Omterra zusammenführen wird. Der schrittweise Übergang beginnt noch in diesem Jahr.
Die Entscheidung zur Umbenennung
Siemens Energy wird den Namen Siemens ablegen und künftig als Omterra firmieren, gab das Unternehmen am Dienstagnachmittag bekannt. Der Schritt vereint die bisherigen Einheiten Siemens Energy und Siemens Gamesa Renewable Energy unter einer einheitlichen Markenidentität und wird durch die zeitlich befristete Lizenzvereinbarung zur Nutzung der Marke Siemens nach dem Spin-off von der Siemens AG im Jahr 2020 vorangetrieben. Die Lizenz läuft bis zum Ende des Jahrzehnts, doch das Unternehmen leitet den Wechsel früher ein.
Seit unserer Börsennotierung war klar, dass die lizenzierte Marke Siemens Energy uns nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stehen würde.
Der Umbenennungsprozess soll noch in diesem Kalenderjahr beginnen und stufenweise umgesetzt werden. Laut N-tv wird die Übergangsphase voraussichtlich etwa eineinhalb Jahre dauern. Das Unternehmen betont, dass es für Kunden, Geschäftspartner oder Mitarbeiter keine Änderungen an seiner strategischen Ausrichtung geben wird.
Der Preis des Siemens-Namens
Die Marke Siemens brachte im Ausland, insbesondere in arabischen Ländern, Vorteile, hatte aber einen hohen Preis. Im letzten Geschäftsjahr 2024/25 (endend am 30. September) zahlte Siemens Energy Lizenzgebühren in Höhe von rund 300 Millionen Euro an den früheren Mutterkonzern. Die Gebühr ist umsatzabhängig. Der Anteil der Siemens AG an Siemens Energy ist inzwischen von 35 Prozent zum Zeitpunkt des Spin-offs auf rund fünf Prozent gesunken.
- Zum Spin-off (2020)
- 35 %
- Aktuell (2026)
- 5 %
Von der Handelsblatt zitierten Branchenquellen zufolge werden die Gesamtkosten des Markenwechsels, verteilt auf mehrere Jahre, niedriger sein als eine einjährige Lizenzzahlung, d.h. die Umbenennung wird weniger als 300 Millionen Euro kosten. Verhandlungen mit der Siemens AG über eine vorzeitige Beendigung des Markenvertrags sind nun erforderlich, und in Industriekreisen wird eine vorzeitige Lösung für möglich gehalten.
Omterra: Ein neuer Name mit alten Wurzeln
Der neue Name ist ein Kunstwort, das bewusst als eigenständige, international tragfähige Marke gewählt wurde. Solche Phantasienamen sind bei Umbenennungen aus Gründen des Markenschutzes üblich, und Omterra gehörte bereits zum Zeitpunkt des Spin-offs 2020 zu den drei Hauptkandidaten, bevor sich das Unternehmen zunächst für Siemens Energy entschied. In den letzten Jahren haben mehrere deutsche Industriegiganten ähnlich konstruierte Namen angenommen, darunter Traton (VW-Nutzfahrzeugsparte), Ceonomy (Mutter von Saturn und MediaMarkt) und Vitesco (aus Continental ausgegliedert).
Intern bezeichnen sich die Mitarbeiter seit langem als „Team Purple“, in Anspielung auf die Logofarbe, die zur schrittweisen Loslösung von der Siemens-Identität beitragen soll. Auch im neuen Omterra-Logo soll Lila eine zentrale Rolle spielen. Etwa ein Drittel der Belegschaft ist dem Unternehmen erst nach der Börsennotierung beigetreten, wie ein Insider berichtet.
Vom Beinahe-Kollaps zu Rekordgewinnen
Die Entwicklung des Unternehmens seit seinem Börsengang im September 2020 zu 23 Euro pro Aktie war volatil. Die Windkrafttochter Siemens Gamesa verursachte Milliardenverluste, drückte die Aktie im Herbst 2023 auf unter 7 Euro (laut Berichterstattung von Handelsblatt für denselben Zeitraum auf unter 10 Euro) und zwang das Unternehmen, staatlich gestützte Garantien zu beantragen, damit die Banken weiterhin die für die Abwicklung des großen Auftragsbestands erforderlichen Garantien ausstellten.
Die Siemens Energy von heute ist strategisch, operativ und finanziell gut aufgestellt.
Diese Krise ist weitgehend überwunden. Der Konzern profitiert von mehreren Rückenwinden: Modernisierung der Stromnetze, Ausbau der Windkraft, hohe Nachfrage nach Gaskraftwerken und der Energiebedarf von KI-Rechenzentren. Für das laufende Geschäftsjahr strebt das Unternehmen einen Gewinn von rund 4 Milliarden Euro an, was mit Abstand der höchste Wert in seiner kurzen Geschichte wäre. Die Aktie notiert nun bei rund 150 Euro, was dem Konzern eine Marktkapitalisierung von rund 130 Milliarden Euro beschert und ihn zu einem der wertvollsten Unternehmen im deutschen DAX-Index macht.
- IPO zu 23 Euro pro Aktie
- Aktie fällt unter 7 Euro aufgrund der Gamesa-Windkraftkrise
- Erste Dividende an Aktionäre gezahlt
- Aktie notiert um 150 Euro; Marktkapitalisierung nahe 130 Milliarden Euro
Wie es weitergeht
Die Vorbereitungen für die Namensänderung laufen nun unter CEO Christian Bruch. Das Unternehmen informierte die Mitarbeiter am Dienstagmittag über die Pläne. Für Kunden, Geschäftspartner oder Mitarbeiter sind strategisch keine Änderungen geplant. Das Kerngeschäft des Konzerns bleibt die ehemalige Siemens-Energietechniksparte: Gaskraftwerke, Stromübertragungstechnik, Windkraftanlagen und Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion.
- Omterra unter den drei Hauptkandidaten; Siemens Energy-Marke stattdessen gewählt
- Umbenennung in Omterra angekündigt; Mitarbeiterbriefing am Mittag
- Schrittweise Umstellung soll beginnen
- Ca. 1,5 Jahre für vollständige Umsetzung

