
Strafverfahren gegen französische Haushaltskette Shiva wegen mutmaßlicher Schwarzarbeit
Drei Reinigungskräfte beschuldigen das Unternehmen mit 700 Franchise-Betrieben, als Arbeitgeber aufzutreten, während es sich lediglich als Vermittler bezeichnet – und so Sozialabgaben und Arbeitnehmerschutz umgeht.
Ermittlungen eingeleitet
Die Pariser Staatsanwaltschaft hat eine strafrechtliche Untersuchung gegen die Haushaltsreinigungsmarke Shiva eingeleitet, wie sie der AFP am 13. Juni 2026 mitteilte. Grundlage ist eine Klage von drei Reinigungskräften. Die Ermittlungen, die der regionalen Direktion für Wirtschaft, Beschäftigung, Arbeit und Solidarität (DRIEETS) übertragen wurden, prüfen den Vorwurf der Schwarzarbeit und illegalen Arbeitskräfteüberlassung. Die Klage wurde laut dem Rechercheportal Basta! bereits im Januar 2026 eingereicht und ist nun öffentlich bekannt geworden.
Shiva ist zu einem der größten Reinigungsunternehmen Frankreichs herangewachsen, ohne die Sozialabgaben und Verpflichtungen zu übernehmen, die normalerweise einem Arbeitgeber in der Reinigungsbranche obliegen.
Die Kernvorwürfe der Klage
Die drei Reinigungskräfte argumentieren, dass Shiva sich zwar als bloßer Vermittler (Mandatar) zwischen Haushalten und Reinigungskräften präsentiere, in Wirklichkeit aber ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis bestehe. Ihre Klage führt einen "véritable lien de subordination" (echtes Unterordnungsverhältnis) an: Die Reinigungskräfte müssen während der Arbeit geolokalisiert werden können, Shiva verwaltet deren Urlaub und Gehaltserhöhungen, und das Unternehmen setzt "häufig, wenn nicht systematisch" befristete Verträge ein, um Abfindungen zu vermeiden. Die Anwälte bezeichnen dieses Modell als institutionalisierte Prekarität.
Sein Modell beruht auf einer Form von institutionalisierter Prekarität, während Shiva ein angebliches Premium-Marketing-Positionierung und einen Diskurs pflegt, der vorgibt, den oft unterbewerteten Reinigungsfachkräften ihre Würde zurückzugeben.
Die Reaktion des Unternehmens
Auf Anfrage der AFP erklärte Shiva, man "begrüße vorbehaltlos jede Überprüfung seiner Tätigkeit", fügte jedoch hinzu, man sei bislang nicht über die Ermittlungen informiert worden. Ein Sprecher sagte, die Markt "lege größten Wert auf die Rechtmäßigkeit ihrer Aktivitäten, im Einklang mit ihren Franchisenehmern" und agiere streng im Rahmen des gesetzlich definierten Mandatsstatus. Das Unternehmen beharrt darauf, ein Mandatar und kein Arbeitgeber zu sein, und bestreitet jegliche Verstöße.
Rechtlicher Präzedenzfall und wirtschaftliche Dimension
Shiva gehört zur Domia-Gruppe und ist zu einem der führenden Haushaltsreinigungsnetzwerke Frankreichs mit 700 Franchise-Standorten und einem Umsatz von 63,8 Millionen Euro im Jahr 2025 angewachsen. Der Fall erinnert an die Urteile zur Plattformarbeit von Deliveroo, bei denen Gerichte freie Mitarbeiter als Arbeitnehmer einstuften. Sollte die Untersuchung ein echtes Beschäftigungsverhältnis feststellen, drohen dem Unternehmen erhebliche Nachzahlungen von Sozialversicherungs- und Steuerbeträgen sowie Sanktionen wegen Schwarzarbeit.

