
Serena Williams‘ Comeback im Einzel endet mit Drei-Satz-Niederlage in Wimbledon gegen Maya Joint
Nach vier Jahren ohne Einzelspiel kehrte Serena Williams als Wildcard-Teilnehmerin nach Wimbledon zurück und lieferte sich auf dem Centre Court ein denkwürdiges Duell, bevor sie mit 6:3, 6:7(6), 6:3 gegen die 20-jährige Australierin Maya Joint verlor.
Die Bühne für das Comeback
Vier Jahre nach ihrem letzten Einzelmatch und fast zwei Jahre nachdem sie angekündigt hatte, sich vom Tennis zu ‚entwickeln‘, betrat Serena Williams als Wildcard-Teilnehmerin den Centre Court. Die 44-Jährige hatte ihre Rückkehr erst eine Woche zuvor bekannt gegeben und damit monatelange Spekulationen in einen Dienstagabend-Termin verwandelt, der der Tradition entsprechend ohne besondere Lichter oder Zeremonie stattfand – nur mit der stillen Last eines vollen Stadions gegen 19:30 Uhr.
Sie kam mit ihrer Familie: Die Töchter Olympia (8) und Adira (2) saßen mit ihrem Vater Alexis Ohanian auf der Tribüne. Williams hatte sich eine lange Anlaufzeit geschaffen, und die US Open später im Sommer wären der logische nächste Schritt, wenn das Comeback Bestand hätte.
Ein Kampf und ein Aufblitzen alter Klasse
Der erste Satz zeigte schnell die Herausforderung. Joint gewann ihn mit 6:3, während Williams‘ Grundlinienschläge Rost ansetzten – Schläge, die ihr einst mühelos gelangen, gingen über das Ziel hinaus oder landeten seitlich im Aus. Aber der Aufschlag blieb eine Waffe, und im zweiten Satz fand Williams zunehmend ihren Rhythmus, zertrümmerte Joints zweiten Aufschlag und erzwang einen Tiebreak.
Beim Matchball der Gegnerin bei 5:6 im Tiebreak gelang ihr die Sequenz, die die 15.000 Zuschauer daran erinnerte, warum diese Rückkehr so sehnlich erwartet wurde. Ein starker erster Aufschlag bereitete einen leichten Vorhand-Winner zur Rettung vor, dann ein 196 km/h starker Aufschlagwinner genau durch die Mitte brachte ihr den Satz mit 7:6(6). Der darauf folgende Jubel, so berichteten mehrere Medien, war so laut, als hätte sie einen achten Titel gewonnen.
Joints Gelassenheit unter Druck
Auf der anderen Seite des Netzes war Maya Joint mit elf verlorenen Tour-Matches in Folge nach Wimbledon gekommen, ihr Selbstvertrauen war gering, ihr Ranking auf Platz 53 gefallen. Doch die 20-jährige Australierin, die mit Williams als Idol aufgewachsen war, ließ sich nicht einschüchtern. Sie entschied sich, als Erste aufzuschlagen, und spielte von Beginn an mit aggressiver Absicht.
Ich habe letzte Nacht nicht viel geschlafen, ich war bis 2 Uhr nachts wach und habe darüber nachgedacht. Als ich rauskam, habe ich das Aufwärmen vergessen, ich weiß nicht, was passiert ist. Meine Beine bewegten sich nicht. Sie hat so eine Ausstrahlung, sie ist so eine Legende. Ich habe von diesem Moment geträumt, seit ich ein kleines Kind war, also ist das ziemlich verrückt.
Selbst nach dem Wackler im zweiten Satz fand Joint zurück. Sie breakte früh im Entscheidungssatz und als Williams‘ Bewegungen körperlich nachließen, brachte sie einen 6:3, 6:7(6), 6:3-Sieg nach zwei Stunden und 22 Minuten ins Ziel.
Das Publikum und der Moment
Die Traditionen von Wimbledon bedeuteten, dass es keine separate Nachtsession gab, keinen Conférencier, nur ein kurzes Video auf der Leinwand, während die Zuschauer noch ihre Plätze einnahmen. Eine Gruppe höflich interessierter Zaungäste hatte Williams‘ Nachmittagstraining wenig beachtet. Doch sobald das Match begann, erhob sich das Publikum bei ihrem Einzug gemeinsam und feuerten sie bei jeder Momentumverschiebung an.
Einige Fans außerhalb des Centre Court hatten gefragt, ob sie noch mit Gegnerinnen halb so alt konkurrieren könne, aber drinnen in der Arena fühlte sich der Abend weniger wie ein Erstrundenmatch, sondern eher wie ein Finale an. Williams‘ Kampfgeist selbst in der Niederlage hinterließ den Eindruck, dass sie immer noch auf höchstem Niveau mithalten kann.
Was als Nächstes kommt
Die Einzelniederlage ist nicht das Ende von Williams‘ zwei Wochen. Sie bleibt im Doppel mit ihrer älteren Schwester Venus gemeldet, und die Rasensaison gibt ihr nun die Gelegenheit, auf eine mögliche US-Open-Teilnahme später im Sommer hinzuarbeiten. Joint zieht in die zweite Runde ein, ihr eigener Traum erfüllt sich auf dem Platz, der einst Williams gehörte.


