
Spanischer Richter klagt SEPI-Präsidentin und 24 weitere im Leire-Vergabeskandal an
Ein Richter der Audiencia Nacional in Madrid hat 25 Personen, darunter die derzeitige Vorsitzende der staatlichen Industrieholding SEPI, in die Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulation öffentlicher Aufträge und Vorteilsnahme durch ein Netzwerk mit Verbindungen zur regierenden Sozialistischen Partei einbezogen.
Das mutmaßliche System
Die Staatsanwaltschaft beschreibt ein wiederholtes, koordiniertes und strukturiertes Muster illegaler Vermittlung bei öffentlichen Aufträgen. Nach Angaben der Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft fungierten die Hauptverdächtigen – der frühere SEPI-Präsident Vicente Fernández, der Geschäftsmann Antxon Alonso, die PSOE-Vertraute Leire Díez und der ehemalige Parteiorganisationssekretär Santos Cerdán – als Bindeglied zwischen privaten Interessen und öffentlichen Entscheidungsträgern. Sie sollen Verwaltungsentscheidungen beeinflusst, Vergabeverfahren gesteuert und Finanzhilfen zu ihrem eigenen Vorteil oder dem Dritter kanalisiert haben.
Die Beweise deuten auf eine fortgesetzte Dynamik illegaler Vermittlung bei öffentlichen Aufträgen hin, bei der die Hauptbeschuldigten … als Einflussverbindung zwischen privaten Interessen und öffentlichen Entscheidungsträgern fungiert hätten, die die Annahme von Verwaltungsbeschlüssen, den Ausgang von Vergabeverfahren oder die Kanalisierung von Finanzhilfen zu ihrem eigenen Vorteil oder dem Dritter beeinflusste.
Die Zentrale Operative Einheit der Guardia Civil vermutet, dass Díez, Fernández und Alonso Provisionen in Höhe von 700.000 Euro kassierten, an denen öffentliche Unternehmen und SEPI-abhängige Einrichtungen in fünf überprüften Geschäften beteiligt waren. Zu den von der Staatsanwaltschaft beanzeigten Vorgängen gehören die Staatsunternehmen Mercasa und Enusa, der Stahlhersteller Tubos Reunidos, die PEPA-Akte und die Forestalia-Gruppe.
Die Gruppe ‚Hirurok‘
Die Ermittler bezeichnen das Kerntrio Díez, Fernández und Alonso als ‚Hirurok‘. Auch Cerdán soll Teil der Gruppe gewesen sein, auf einer höheren hierarchischen Ebene agiert und am Gewinn beteiligt gewesen sein. Die drei wurden im Dezember 2025 festgenommen, woraufhin Richter Santiago Pedraz von der Audiencia Nacional den Fall übernahm.
Neue Anklagen
Am Montag lud der Richter auf Antrag der Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft 25 weitere Personen als formelle Verdächtige vor, nachdem er „Anhaltspunkte für Straftaten“ festgestellt hatte. Darunter sind die derzeitige SEPI-Präsidentin Belén Gualda, der frühere Enusa-Präsident José Vicente Berlanga und Rosario Arévalo, eine ehemalige regionale Umweltministerin von Kastilien-La Mancha. Die Neuzugänge kommen sowohl aus dem öffentlichen als auch aus dem privaten Sektor und werden beschuldigt der Vorteilsnahme, Untreue, Verwaltungsrechtsbeugung, des Missbrauchs vertraulicher Informationen und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.
- Festnahme von Leire Díez, Vicente Fernández und Antxon Alonso; Richter Pedraz übernimmt die Ermittlungen.
- Richter Pedraz klagt auf Antrag der Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft 25 weitere Personen an, darunter SEPI-Präsidentin Belén Gualda.
Was als Nächstes kommt
Die Analyse der Staatsanwaltschaft identifiziert ein gemeinsames Schema bei allen verdächtigen Geschäften: Erkennung von Gelegenheiten in wirtschaftlich bedeutenden Verwaltungs- oder Unternehmensverfahren, Nutzung persönlicher Beziehungen und vertraulicher Informationen zur Beeinflussung ihrer Behandlung, Manipulation oder Beeinflussung öffentlicher Entscheidungen oder Vergabeprozesse sowie die Erlangung wirtschaftlicher Gegenleistungen entweder direkt oder durch scheinbar legale Unternehmensstrukturen. Die Ermittlungen treten nun in eine breitere Phase ein, in der in den kommenden Wochen Vernehmungen der neu Angeklagten erwartet werden.


