
Vater erschießt sechs Menschen in Stader Jugendeinrichtung nach Sorgerechtsgespräch – sechs Angestellte getötet
Ein 45-jähriger Mann erschoss am Montag sechs Angestellte in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade, bevor er in einem von einer weiblichen Verwandten gesteuerten Auto floh, teilte die Polizei mit. Als mutmaßliches Motiv gilt ein Sorgerechtsstreit um seine drei Monate alte Tochter.
Der Angriff
Gegen Mittag des 29. Juni eröffnete ein 45-jähriger Mann in einer privaten Jugendhilfeeinrichtung in der Dankersstraße in Stade (Niedersachsen) das Feuer. Die Einrichtung bietet betreutes Wohnen für junge Mütter und ihre Kinder an und wurde vom Jugendamt Hannover genutzt, um die drei Monate alte Tochter des Verdächtigen und deren 34-jährige Mutter unterzubringen.
Die Schüsse fielen während einer geplanten Hilfeplankonferenz, an der Mitarbeiter der Einrichtung und des Jugendamtes teilnahmen. Die Polizei ging gegen 12:10 Uhr mehrere Notrufe ein. Beamte trafen schnell von einer nahegelegenen Wache ein und fanden vier Personen bereits tot am Tatort vor; ein fünftes Opfer starb trotz Wiederbelebungsversuchen, ein sechstes erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Bei allen sechs Opfern handelt es sich um Erwachsene: vier Frauen und zwei Männer, allesamt Angestellte der Einrichtung oder des Jugendamtes.
Mehrere weitere Personen wurden verletzt, einige schwer. Keine der Bewohnerinnen, einschließlich der Tochter des Verdächtigen und ihrer Mutter, erlitten körperliche Schäden.
- Geplantes Sorgerechtsgespräch beginnt in der Mutter-Kind-Einrichtung
- Polizei erhält mehrere Notrufe mit Schüssen gemeldet
- Verdächtiger flieht in Auto; Polizei stoppt Fahrzeug auf B73 und nimmt Verdächtigen und Fahrerin fest; sechs Todesfälle später bestätigt
Verdächtiger und Motiv
Das Motiv liegt vermutlich im familiären Umfeld, also in einem Sorgerechtsstreit.
Der Verdächtige ist ein in Deutschland geborener deutscher Staatsbürger mit türkischen Wurzeln, der im Raum Hannover lebt. Er war der Polizei bekannt, galt aber nach Angaben von Kathrin Schuol, Polizeipräsidentin Lüneburg, „bislang nicht als absolut gewalttätig“. Er besaß keine Waffenbesitzkarte. Die Ermittler lehnten es ab, den Waffentyp zu nennen, und verwiesen auf laufende kriminaltechnische Untersuchungen.
Das Kind war aus dem Elternhaus entfernt worden. Unter gerichtlich auferlegten Bedingungen durfte es zur Mutter zurückkehren, allerdings nur in der Stader Einrichtung, nicht an ihrer Hannoveraner Adresse. Da der Vater als „auffällig“ galt, wurde die Sorgerechtskonferenz mit einer großen Anzahl von Teilnehmern einberufen.
Flucht und Festnahme
Unmittelbar nach den Schüssen stieg der Verdächtige als Beifahrer in einen Mercedes-SUV, der von einer Frau gesteuert wurde, die entweder 55 oder 65 Jahre alt sein soll. Die Frau ist eine enge Familienangehörige, so die Polizei. Die Beamten stellten das Fahrzeug und schossen auf die Reifen, um es auf der Bundesstraße B73, mehrere Kilometer außerhalb von Stade, zum Stehen zu bringen. Sowohl der Verdächtige als auch die Fahrerin wurden festgenommen; eine Waffe wurde sichergestellt.
Die Mutter des Kindes wurde ebenfalls zur Befragung in Polizeigewahrsam genommen, die Polizei betonte jedoch, dass sie nicht als verdächtig gelte. Der Säugling wurde in die Obhut des Jugendamtes übergeben.
Reaktionen
Die Nachricht aus Stade erschüttert mich zutiefst. Meine Anteilnahme gilt den Opfern und ihren Familien.
Bundeskanzler Friedrich Merz postete auf X, dass viele Menschen, „die helfen und schützen wollten“, ihr Leben verloren hätten oder verletzt worden seien. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sagte, die gesamte Landesregierung sei tief betroffen und dankte den Einsatzkräften für ihr „schnelles und entschlossenes“ Handeln.
Innenministerin Daniela Behrens bezeichnete die Tat als „kaltblütige Tat“ ohne politischen oder wirtschaftlichen Hintergrund. Auf einer Pressekonferenz am Montagabend betonten sie und Polizeibeamte, dass es keine Verbindung zu anderen Kriminalfällen gebe, die Stade in den letzten Jahren in den Fokus gerückt hätten.


