
Ein Nachbeben der Stärke 5,1 unterbricht Rettung einer eingeschlossenen Familie, während die Zahl der Todesopfer durch das Erdbeben in Venezuela auf fast 1.500 steigt
Italienische Feuerwehrleute haben einen 20-stündigen Einsatz zur Rettung einer Frau und ihrer Kinder in Macuto unterbrochen, nachdem ein Nachbeben der Stärke 5,1 nahe La Guaira die Region erschütterte. Die offizielle Zahl der Todesopfer der beiden Erdbeben der vergangenen Woche stieg unterdessen auf 1.450.
Nachbeben stoppt Rettung einer eingeschlossenen Familie
Italienische Feuerwehrleute, die fast 20 Stunden lang in Macuto im Einsatz waren, haben ihre Rettungsaktion an einem eingestürzten Gebäude am Montag unterbrochen, nachdem ein Nachbeben der Stärke 5,1 die Region erschütterte. Das Beben, dessen Epizentrum nahe La Guaira lag, zwang das Team zum Rückzug aus Sicherheitsgründen, nachdem keine weiteren Lebenszeichen von der Frau und zwei ihrer Kinder, die sich vermutlich im Gebäude befanden, mehr festgestellt wurden. Die Familie hatte zuvor über WhatsApp Kontakt aufgenommen. Der Cousin der Mutter berichtete, dass sie und alle drei Kinder am Leben seien, sie jedoch die einzige Verletzte sei. Rettungsteams aus Italien und Ecuador lauschen nach Klopfgeräuschen an Metallrohren – ein Zeichen dafür, dass möglicherweise noch jemand unter den Trümmern am Leben ist.
Zahl der Todesopfer steigt auf über 1.450, Suche nach Vermissten geht weiter
Die offizielle Zahl der Todesopfer der beiden Erdbeben, die Venezuela am 24. Juni erschütterten, ist nach Angaben der Behörden auf 1.450 gestiegen. Die Zahl der Verletzten liegt bei 3.150, und über 12.700 Menschen wurden obdachlos. Die Vereinten Nationen schätzen, dass rund 50.000 Menschen weiterhin vermisst werden. In Caracas bargen Suchteams die Leiche des 58-jährigen Enzo Cuomo, eines italienisch-venezolanischen Staatsbürgers, aus dem Gebäude Petunia im Stadtteil Los Palos Grandes. Seine Frau Trini Adrian (53) und seine Tochter Isabella (22) werden noch immer vermisst.
Überlebende nach Tagen aus den Trümmern geborgen
In seltenen Momenten der Hoffnung gelang es den Rettungskräften, zwei Menschen lebend aus eingestürzten Gebäuden zu befreien. In Caraballeda wurde der 21-jährige Aaron Levi Cantillo Vargas nach 106 Stunden unter Trümmern gerettet – eine Bergungsaktion unter Beteiligung von Teams aus Venezuela, Mexiko und El Salvador, die 43 Stunden dauerte. Unabhängig davon wurde die 60-jährige Belkys Josefina Barreto García nach 86 Stunden aus einem anderen Gebäude in Caraballeda befreit. US-amerikanische Such- und Rettungsteams bargen in den Tagen nach dem Beben zudem ein Neugeborenes lebend aus den Trümmern.
Eine italienische Familientragödie mit historischen Parallelen
Das Schicksal der Familie Cuomo hat in Italien besondere Aufmerksamkeit erregt. Sie stammt aus Laviano, einer kleinen Gemeinde in der Provinz Salerno, deren Bürgermeister Piero Robertiello die Betroffenheit der Gemeinde schilderte:
Es sind Stunden der Angst für unsere Gemeinde, die auf Nachrichten über das Schicksal der Familie Cuomo wartet. Der ganze Ort verfolgt die Situation mit großer Sorge und hofft auf baldige positive Nachrichten.
Die Tragödie hat einen schmerzhaften historischen Unterton: Die Großeltern mütterlicherseits von Enzo Cuomo starben beim Erdbeben von Irpinia 1980, das Laviano verwüstete und 303 Bewohner tötete. Der Sohn des Paares, Carlos Francisco Cuomo, der sich wegen einer Knochenmarktransplantation in Italien aufhielt, ist nach Caracas gereist, um dem Suchort nahe zu sein.
Internationale Hilfe mobilisiert
Die Europäische Kommission hat 5 Millionen Euro an humanitärer Nothilfe angekündigt, zusätzlich zu den 52 Millionen Euro, die in diesem Jahr bereits für die sozioökonomische Krise Venezuelas bereitgestellt wurden. Die Hilfe soll sich auf Unterkünfte und Gesundheitsversorgung konzentrieren. Die Erdbeben, die vom US Geological Survey mit einer Stärke von 7,2 und 7,5 gemessen wurden, waren die stärksten, die das Land seit über einem Jahrhundert erschüttert haben.
- Zwei schwere Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 erschüttern Venezuela und verursachen weitreichende Zerstörung.
- Rettung von Belkys Barreto (60) nach 86 Stunden und Aaron Cantillo (21) nach 106 Stunden in Caraballeda.
- Leiche von Enzo Cuomo in Caracas geborgen; Nachbeben der Stärke 5,1 stoppt Rettung von Mutter und Kindern in Macuto.
- US-Teams bergen ein Neugeborenes lebend aus den Trümmern.

