
Sechs Tote bei Schüssen auf Jugendzentrum in Stade – Sorgerechtsstreit eskaliert
Ein 45-jähriger Mann eröffnete am Montag in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade bei Hamburg das Feuer und tötete sechs Mitarbeiter. Die Polizei geht davon aus, dass die Tat im Zusammenhang mit einem Treffen zum Sorgerecht für seine kleine Tochter stand.
Die Schüsse
Gegen Mittag des 29. Juni gingen bei der Polizei in Stade, Niedersachsen, Notrufe über Schüsse in einem privaten Jugendhilfezentrum in der Dankersstraße ein. Die Einrichtung beherbergt schwangere Frauen und junge Mütter mit ihren Kindern. Bei Eintreffen der Beamten fanden sie vier Tote vor; ein fünftes Opfer starb während der Wiederbelebungsversuche, ein sechstes erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus. Augenzeugen schilderten Panik nach den ersten Schüssen. Ein Zeuge sagte dem Magazin Focus, eine Frau und ein junger Mann hätten versucht, mit einem Auto zu fliehen, bevor die Polizei das Feuer eröffnete und 10 bis 15 Schüsse abgab.
- Die Polizei erhält Notrufe über Schüsse im Jugendzentrum.
- Im Gebäude fallen Schüsse; Augenzeugen berichten von Panik.
- Der Tatverdächtige flieht in einem Auto, das von einer Bekannten gefahren wird; die Polizei schießt auf das Fahrzeug.
- Die Polizei bestätigt sechs Tote und mehrere Verletzte.
- Abendpressekonferenz: Polizei und Innenministerin erläutern das Sorgerechtsmotiv.
Die Opfer
Alle sechs Todesopfer waren Erwachsene – vier Frauen und zwei Männer – die im Zentrum arbeiteten. Keine Bewohner oder Kinder seien körperlich zu Schaden gekommen, so die Polizei. Mehrere weitere Personen wurden verletzt, einige schwer, die genaue Zahl wurde von den Behörden nicht bekannt gegeben. Das Zentrum, eine private Einrichtung in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Hannover, blieb stundenlang abgesperrt, während Spurensicherungsteams in weißen Schutzanzügen Beweise sicherten.
Der Tatverdächtige und das Motiv
Der Hauptverdächtige ist ein 45-jähriger deutscher Staatsangehöriger türkischer Abstammung, geboren in Deutschland, aus der Nähe von Hannover. Er war der Polizei aufgrund früherer Drohungen bekannt, galt aber nicht als aktuelle Gefahr. Er besaß keine Waffenbesitzkarte; die Tatwaffe wurde sichergestellt. Nach der Tat fuhr er in einem Auto davon, das von einer Frau gesteuert wurde, die als enge Vertraute der Familie beschrieben wird. Zwei weitere Personen wurden festgenommen – die Fahrerin und eine weitere Person, deren Rolle noch untersucht wird.
Das Motiv hängt wahrscheinlich mit dem Sorgerecht zusammen. Der Mann hatte einen Termin im Zentrum in Stade bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter.
Das Kind lebt mit seiner Mutter im Zentrum. Die Mutter wird von der Polizei befragt. Die Behörden erklärten, sie sehen keinen politischen, extremistischen oder clan-kriminellen Hintergrund.
Offizielle Reaktionen
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens nannte die Tötungen einen brutalen, kaltblütigen Gewaltakt ohne politischen oder wirtschaftlichen Hintergrund und führte sie auf familiäre Motive zurück. Stades Stadtrat Carsten Brokelmann dankte der Polizei für ihren Einsatz in einer chaotischen Situation und sprach den Familien der Opfer sein tiefstes Beileid aus. Polizeichefin Schuol bestätigte, dass nach der Festnahme der Verdächtigen keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit bestand und dass nahegelegene Kindergärten und Grundschulen nicht gefährdet waren.
Diese Tat hatte keine politische oder wirtschaftliche Dimension. Der Hintergrund liegt in familiären Motiven.


