Sturm beschädigt 100 Häuser in Bohlingen, während Unwetter über Südwestdeutschland und die Schweiz ziehen
Orkanartige Böen, großer Hagel und starker Regen beschädigten am Freitag rund 100 Dächer in Singen-Bohlingen, was Straßensperrungen, Zugausfälle und Dutzende Verletzte in der Grenzregion zur Folge hatte.
Zerstörung in Singen-Bohlingen
Schwere Gewitter trafen am Freitagmorgen den Landkreis Konstanz und konzentrierten die schweren Schäden auf den Singener Ortsteil Bohlingen. Windböen rissen etwa 100 Dächer ab, ließen Gebäude ungeschützt zurück und warfen Bäume auf örtliche Straßen. Die Polizei sperrte daraufhin das gesamte Dorf für den Außenverkehr ab und gewährte nur Anwohnern und Einsatzkräften Zutritt. Die Behörden gaben über mobile Warn-Apps Hinweise, sich von Bäumen, Hochspannungsleitungen und Türmen fernzuhalten. Eine Person wurde in Bohlingen verletzt und vom Rettungsdienst in eine örtliche Klinik gebracht. Einsatzleiter Mario Dutzi beschrieb die Auswirkungen, während die Einsatzkräfte vor dem einsetzenden Regen priorisiert Dächer abdeckten.
Der Bezirk wurde von einer sehr starken Gewitterzelle getroffen.
Regionale Verkehrs- und Kommunalunterbrechungen
Die Gewitterfront führte zu weitreichenden Unterbrechungen des Schienen- und Straßenverkehrs in Süddeutschland und der Nordschweiz. Zwischen Singen und Schaffhausen kollidierte ein Regionalzug mit einem umgestürzten Baum auf den Gleisen, woraufhin die Bahnbetreiber Ersatzbusse einrichteten. Ein weiterer Regionalzug bei Oppenweiler wurde durch herabgefallene Äste auf offener Strecke gestoppt, sodass Einsatzkräfte sechs Fahrgäste evakuieren mussten, ohne dass Verletzte gemeldet wurden. Im selben Gebiet trafen umgestürzte Bäume das Dach eines leeren Geschäftsgebäudes und blockierten die Bundesstraße 14 in Richtung Sulzbach an der Murr. Der Zugverkehr wurde auch zwischen Überlingen-Therme und Uhldingen-Mühlhofen wegen umgestürzter Bäume eingestellt, während der Schweizer Bahnverkehr zwischen Biel und Olten sowie der Flugbetrieb am Flughafen Zürich vorübergehend beeinträchtigt waren. In Stuttgart bewältigte die Feuerwehr rund 40 Einsätze, da starker Regen Kanaldeckel anhob und Straßen überschwemmte.
- Schwere Gewitter treffen den Landkreis Konstanz und beschädigen rund 100 Dächer in Bohlingen.
- Die Polizei sperrt Bohlingen für Nichtanwohner ab, während die Organisatoren die Eröffnung des Sichelhenke-Festes absagen.
- Einsatzkräfte arbeiten fast 200 Einsatzstellen in Bohlingen ab, um freiliegende Gebäude zu sichern.
Landwirtschaftliche und Sachschäden
Das Unwetter verursachte erhebliche finanzielle Schäden an regionalen landwirtschaftlichen Betrieben und der Gemeindeeinrichtung in der Schwäbischen Alb und der Bodenseeregion. In Friedrichshafen zerstörte eine Gewitterzelle innerhalb weniger Minuten Birnen-, Pflaumen- und Apfelkulturen auf einer Obstplantage, was nach Schätzung der Familie Knoblauch einen fünfstelligen Schaden verursachte. In der Nähe, in Singen Südstadt und Überlingen am Ried, konnten die Einsatzkräfte die lokalen Auswirkungen eindämmen. Im Landkreis Reutlingen rückten die Einsatzkräfte zu überfluteten Kellern und überschwemmten Straßen in Lichtenstein, Unterhausen und St. Johann aus. In Sonnenbühl setzten Gemeindearbeiter Schneepflüge ein, um tiefe Hagelverwehungen von den öffentlichen Straßen zu räumen, während herabfallender Hagel in Bad Urach Fensterscheiben zertrümmerte. In Bohlingen mussten die Organisatoren die für Freitagabend geplante Eröffnung des jährlichen Sichelhenke-Volksfestes absagen.
Die Birnen stehen kurz vor der Ernte, und jetzt sind sie alle ruiniert.
Schweizer grenzüberschreitende Auswirkungen und Wetterausblick
Das Wettersystem erzeugte extreme Bedingungen, als es von der Region Basel in Richtung Bodensee zog. Der Schweizer Wetterdienst SRF Meteo verzeichnete während des Sturmdurchzugs rund 46.000 Blitzeinschläge sowie zwei konzentrierte Hagelbänder mit Steinen von bis zu sechs Zentimetern Durchmesser. Im Kanton Schaffhausen erreichten die gemessenen Windböen 142 Kilometer pro Stunde, während Hagel in der Schweiz 40 Menschen verletzte. Die Einsatzkräfte im Polizeidistrikt Konstanz verzeichneten rund 120 sturmbedingte Vorfälle, während allein in Bohlingen bis Freitagabend fast 200 Einsatzstellen zusammenkamen. Der Deutsche Wetterdienst gab rote Unwetterwarnungen für mehrere Landkreise in Baden-Württemberg und Bayern heraus und warnte vor Böen von über 120 Kilometern pro Stunde im Südosten Bayerns, bevor er für das Wochenende ruhigere Bedingungen mit Sonnenschein und Temperaturen bis zu 27 Grad Celsius im Süden vorhersagte.
- Einsatzorte Singen-Bohlingen
- 200 Einsätze
- Polizeidistrikt Konstanz
- 120 Einsätze
- Feuerwehr Stuttgart
- 40 Einsätze


