
Wespennest-Meldungen in Schweiz binnen fünf Jahren verfünffacht – Experten streiten über tatsächlichen Anstieg
Daten der Mobiliar zeigen, dass die gemeldeten Nester pro 1000 Haushalte zwischen 2021 und 2025 von 0,27 auf 1,34 stiegen, wobei die Romandie am stärksten betroffen ist. Biologen führen milde Winter und den Insektenrückgang an, doch einige bezweifeln, dass die Zahlen einen echten Populationsboom widerspiegeln.
Gemeldete Nester steigen
Daten der Mobiliar zeigen einen fünffachen Anstieg der gemeldeten Wespennester im Juli und August innerhalb von fünf Jahren. Die Häufigkeit stieg von 0,27 Fällen pro 1000 Haushalte im Jahr 2021 auf 1,34 im Jahr 2025. Landesweit meldeten Versicherungsnehmer im vergangenen Jahr rund 5800 Nester. Mobiliar-Sprecher Robin Locher sagte, dass der Versicherer Ende Juli 2026 bereits mehr Schadenskosten verzeichnet habe als im gesamten Jahr 2025, wobei noch ein bis zwei heiße Monate bevorstünden.
Stand heute haben wir bereits mehr Schadenskosten als im gesamten letzten Jahr.
- 2021
- 0.27 Nester/1000 Haushalte
- 2025
- 1.34 Nester/1000 Haushalte
Regionale Hotspots
Die französischsprachige Romandie verzeichnete 2025 die höchste Dichte mit 2,5 Nestern pro 1000 Haushalte, gefolgt von der Deutschschweiz (1,08) und dem Tessin (1,04). Der Kanton Jura stach mit einem achtfachen Anstieg der Meldungen im Fünfjahreszeitraum hervor. Der Versicherer merkte an, dass die regionalen Unterschiede groß sein können, wobei die wenigsten Meldungen im letzten Jahr aus Nidwalden, Glarus, Basel-Stadt und Graubünden kamen.
- Romandie
- 2.5 Nester/1000 Haushalte
- Deutschschweiz
- 1.08 Nester/1000 Haushalte
- Tessin
- 1.04 Nester/1000 Haushalte
Klima und Insektenrückgang fördern Sichtbarkeit
Der Biologe Fabian Klimmek vom Tierpark Bern Dählhölzli führt den Anstieg auf milde Winter und trockene Frühlinge zurück, die Königinnen helfen zu überwintern und früh Kolonien zu gründen. Der Insektenrückgang treibt auch Gemeine und Deutsche Wespen zu menschlicher Nahrung. Der Schädlingsbekämpfer Thomas Iseli erklärte, dass Dürre Pfützen und Mücken beseitigt und den Wespen so ihre natürliche Beute entzieht.
Wenn wir grillieren und ein Steak essen, müssen wir es entweder mit der Wespe teilen oder man hat die ganze Zeit Wespen um den Tisch.
Hitzewellen erhöhen den Stress: Wespen können nicht schwitzen, brauchen daher mehr Energie und werden bei der Nahrungssuche aggressiver, so Klimmek.
Anders als der Mensch hat die Wespe keine natürliche Klimaanlage – sie schwitzt nicht. Bei Hitze braucht sie mehr Energie. Deshalb sind Wespen bei hohen Temperaturen aggressiver bei der Nahrungssuche und stechen eher zu.
Experten bezweifeln den Trend
Nicht alle Wissenschaftler sehen einen echten Populationsboom. Hannes Baur, Insektenexperte am Naturhistorischen Museum Bern, sagte, es gebe keine systematische Überwachung der Populationen von Gemeinen und Deutschen Wespen. Er glaubt, dass der Anstieg der Meldungen eher auf verändertes menschliches Verhalten und die Erfassung von Versicherungsansprüchen zurückzuführen sei als auf mehr Wespen. Das Basisjahr 2021 war ein ungewöhnlich nasses Jahr mit wenigen Wespen, was den Vergleich irreführend mache.
Ich habe den Eindruck, dass es immer ungefähr gleich viele Wespen gibt.
Seraina Kopfstein, Biologin am Naturhistorischen Museum Basel, warnte ebenfalls, dass die Fünffachzahl übertrieben sein könnte, räumte jedoch ein, dass der Klimawandel ein früheres Koloniewachstum ermöglicht. Sie fügte hinzu, dass extreme Hitze und starker Regen ganze Nester zerstören können.
Wir werden uns damit abfinden müssen, dass wir mehr Wespen sehen.
Ökologischer Nutzen und Sicherheitstipps
Trotz ihrer Belästigung spielen Wespen eine wichtige ökologische Rolle. Klimmek betonte, dass sie Pflanzen bestäuben, Vögeln als Nahrung dienen und Insektenschädlinge auf natürliche Weise regulieren. Andere Wespenarten interessieren sich nicht für menschliche Nahrung und sind meist friedlich. Die Mobiliar rät, Speisen und Getränke im Freien abzudecken, Reste schnell zu beseitigen und das Trinken aus unbeaufsichtigten Dosen oder dunklen Flaschen zu vermeiden. Der wirksamste Tipp, so die Experten, ist, ruhig zu bleiben und nicht zu schlagen.


