
Erste SRG-Umfrage zeigt: Schweizer Stimmvolk lehnt Neutralitätsinitiative ab, bei der Ernährungsinitiative herrscht Gleichstand
Eine nationale Umfrage von gfs.bern vor der eidgenössischen Volksabstimmung vom 27. September 2026 zeigt, dass 54 Prozent die Neutralitätsinitiative ablehnen, während die Stimmberechtigten bei der Ernährungsinitiative gespalten sind.
Deutlicher Vorsprung der Gegner der Neutralitätsinitiative
Die erste nationale Trendumfrage des Forschungsinstituts gfs.bern für die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) zeigt, dass die Schweizer Stimmberechtigten die Neutralitätsinitiative vor der eidgenössischen Volksabstimmung vom 27. September 2026 derzeit ablehnen. Die zwischen dem 3. und 16. August 2026 unter über 15'000 Stimmberechtigten durchgeführte Umfrage ergab, dass 54 Prozent der Befragten die Verfassungsänderung ablehnen und 42 Prozent sie befürworten, bei 4 Prozent Unentschlossenen. Eine starke Ablehnung wurde mit 43 Prozent registriert, während 30 Prozent eine feste Unterstützung angaben. Die statistische Fehlermarge beträgt plus/minus 2,8 Prozentpunkte.
Die Meinungsbildung ist bereits recht weit fortgeschritten.
Tiefe politische und regionale Gräben in der Neutralitätsfrage
Die von der Organisation Pro Schweiz lancierte und von Persönlichkeiten wie Christoph Blocher unterstützte Initiative zielt darauf ab, die immerwährende bewaffnete Neutralität in der Schweizer Bundesverfassung zu verankern. Blocher investierte mehr als 2 Millionen Schweizer Franken aus seinem Privatvermögen in den Kampagnenaufwand für den Vorschlag. Sie will der Schweiz verbieten, Militärbündnisse beizutreten oder nicht von der UNO verhängte Wirtschaftssanktionen zu verhängen. Die Umfrage deutet darauf hin, dass der Vorschlag nur innerhalb der Schweizerischen Volkspartei (SVP) starke Unterstützung findet, wo 86 Prozent mit Ja stimmen wollen. Im Gegensatz dazu lehnen die Stimmberechtigten aller anderen grossen Parteien die Vorlage ab, darunter die Sozialdemokratische Partei (SP) mit 86 Prozent Nein, die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) mit 64 Prozent Nein sowie die Grünliberale Partei (GLP) und die Grünen mit grossen ablehnenden Mehrheiten.
- SVP
- 86 %
- FDP
- 31 %
- Die Mitte
- 22 %
- GLP
- 17 %
- Grüne
- 15 %
- SP
- 11 %
Auch die regionalen Stimmabsichten unterscheiden sich entlang der Sprachgrenzen deutlich. Die italienischsprachige Schweiz befürwortet die Initiative mit 55 Prozent Unterstützung, während die deutschsprachige Schweiz sie mit 57 Prozent Nein und 41 Prozent Ja ablehnt. In der französischsprachigen Romandie lehnen 49 Prozent den Text ab, während 43 Prozent ihn befürworten. Urbane Stimmberechtigte lehnen die Vorlage mit 59 Prozent ab, während ländliche Gemeinden mit 51 Prozent eher dafür sind. Stimmberechtigte mit Grundschulbildung unterstützen die Vorlage mit 59 Prozent, während jene mit höherer Bildung sie mit 58 Prozent ablehnen.
- Italienischsprachige Schweiz
- 55 %
- Romandie
- 43 %
- Deutschsprachige Schweiz
- 41 %
Patt bei der Ernährungsinitiative
Im Gegensatz zum klaren Abstand bei der Neutralität zeigt die Umfrage ein statistisches Patt bei der Ernährungsinitiative, die am gleichen 27. September zur Abstimmung kommt. Der Vorschlag würde die Schweiz verpflichten, innerhalb von zehn Jahren eine Netto-Selbstversorgungsrate bei Lebensmitteln von mindestens 70 Prozent zu erreichen, die inländische pflanzliche Produktion zu steigern und einen strengeren Schutz des Trinkwassers umzusetzen. Die Gegner liegen knapp vorn: 49 Prozent beabsichtigen, die Vorlage abzulehnen, und 47 Prozent planen, sie anzunehmen, bei 4 Prozent Unentschlossenen. Trotz des knappen Umfrageergebnisses erwarten 76 Prozent der Befragten, dass die Ernährungsinitiative an der Urne abgelehnt wird, wobei der durchschnittlich erwartete Ja-Stimmen-Anteil auf 42 Prozent geschätzt wird.
Parteipolitische Ausrichtung in der Ernährungspolitik
Die Unterstützung für die Ernährungsvorlage verläuft entlang anderer politischer Linien als die Neutralitätsabstimmung. Die stärkste Unterstützung kommt von den Anhängern der Grünen mit 84 Prozent, der SP mit 64 Prozent und der GLP mit 55 Prozent. Umgekehrt lehnen die bürgerlichen und rechten Wählerbasis die Vorlage ab, angeführt von der FDP mit 69 Prozent Nein, der SVP mit 62 Prozent Nein und der Mitte mit 58 Prozent Nein. Auch demografische Unterschiede sind sichtbar: 55 Prozent der weiblichen Befragten unterstützen die Vorlage, während männliche Befragte eher zur Ablehnung neigen. Sowohl der Bundesrat als auch die Bundesversammlung empfehlen die Ablehnung beider Initiativen.

