
Schweizer Umfragen zeigen wachsenden Widerstand gegen die 10-Millionen-Einwanderungsobergrenze, Reform des Zivildienstes steht auf der Kippe
Zwei neue Umfragen zeigen, dass 52 % der Schweizer Stimmberechtigten die SVP-Initiative «Nein zur 10-Millionen-Schweiz» ablehnen würden, was die frühere Unterstützung umkehrt. Die Reform des Zivildienstes bleibt weiterhin umkämpft.
Die Stimmung kippt gegen die Initiative
Zwei große Umfragen vom 3. Juni zeigen einen deutlichen Trend zur Ablehnung der SVP-Initiative «Nein zur 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)», über die am 14. Juni 2026 national abgestimmt wird. Die zweite SRG-Umfrage des Instituts GFS Bern ergab, dass 52 % der Stimmberechtigten den Text abgelehnt hätten, wenn die Abstimmung am 23. Mai stattgefunden hätte – ein Anstieg von 47 % einen Monat zuvor. Die Umfrage von Tamedia/20 Minuten des Instituts LeeWas zeigte mit 52 % Ablehnung ein identisches Bild, verglichen mit 46 % in der ersten Welle. Eine YouGov-Umfrage aus der Vorwoche hatte ebenfalls auf einen leichten Nein-Trend hingedeutet, mit 51 % Ablehnung und 43 % Zustimmung.
Die Verschiebung folgt einem klassischen Muster bei Volksinitiativen, bei denen die Unterstützung tendenziell nachlässt, je genauer sich die Wähler mit dem Text befassen. GFS Bern stellte fest, dass nur 3 % der Befragten unentschlossen waren. Die SVP-Initiative würde den Bundesrat verpflichten, zu handeln, sobald die ständige Wohnbevölkerung 9,5 Millionen erreicht hat, um sicherzustellen, dass sie bis 2050 nicht über 10 Millionen steigt.
Die Erfahrung zeigt auch, dass Umfragen danebenliegen können. Wir lassen uns nicht beirren!
Parteigrenzen und Wechselwähler
Die Unterstützung für die Initiative bleibt unter den SVP-Wählern fast einhellig (96 % in der SRG-Umfrage, 95 % in der Tamedia-Umfrage), während die SP (93 % und 88 % dagegen), die Grünen (89 % und 82 %) und die Grünliberalen (84 % und 81 %) klar ablehnend sind. Das entscheidende Schlachtfeld liegt bei der Wählerschaft der Mitte und der FDP. Die Mitte-Wähler haben sich von 50 % auf 61 % Ablehnung bewegt, und die FDP-Sympathisanten haben sich von 54 % Zustimmung im April auf jetzt 52 % Ablehnung gedreht. Die FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher sagte, die Parteiversammlungen kämen einhellig zu dem Schluss, dass die SVP-Initiative der falsche Weg sei, auch wenn die Mitglieder die Probleme anerkennen.
Man ist sich einig, dass es Probleme gibt, aber in der Diskussion wird schnell klar, dass die SVP-Initiative der falsche Weg ist.
Demografische und regionale Unterschiede
Der Geschlechterunterschied hat sich seit der ersten Umfragewelle umgekehrt. Frauen lehnen die Initiative jetzt stärker ab als Männer, mit 54 % bis 57 % Nein-Stimmen, während Männer etwa gleichmäßig gespalten sind (47 % bis 50 % dagegen). Bei den Altersgruppen haben sich die 18- bis 34-Jährigen von 52 % Zustimmung auf 53 % Ablehnung verlagert. Die Gruppe der 35- bis 49-Jährigen unterstützt die Initiative zwar immer noch, aber der Ja-Anteil ist um fünf Prozentpunkte geschrumpft. Geografisch gesehen ist die französischsprachige Schweiz deutlicher dagegen (61 % bis 56 % Nein), während die deutschsprachigen Stimmberechtigten sie nur knapp ablehnen. Im italienischsprachigen Tessin zeigt sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen (48 % Nein in der SRG, 50 % in der Tamedia-Umfrage). Urbane Wähler sind stark dagegen (55 % bis 60 %), während ländliche Regionen den Text annehmen würden (53 % in beiden Umfragen).
Reform des Zivildienstes in einer Pattsituation
Die zweite nationale Abstimmungsvorlage, eine Reform des Zivildienstgesetzes, ist zu knapp, um einen Ausgang vorherzusagen. Die SRG-Umfrage zeigt 48 % dafür und 46 % dagegen, ein Rückgang von 52 % Ja in der ersten Welle. Die Tamedia-Umfrage zeigt beide Lager bei 48 % gleichauf. Martina Mousson, Projektleiterin bei GFS Bern, beschrieb die Situation als untypisch für eine Regierungsvorlage, die normalerweise mehr Unterstützung findet. Die Reform zielt darauf ab, den Zivildienst als Ausnahmefall zu erhalten, indem sie verlangt, dass alle Dienstpflichtigen mindestens 150 Diensttage leisten, und richtet sich an diejenigen, die spät von ihrer Militärpflicht wechseln. Das Referendum gegen den Vorschlag hat an Zugkraft gewonnen, die Argumente der Gegner verfangen.
Dieser Vorschlag wurde von einem Nein-Trend erfasst. Wir begannen mit einer zustimmenden Mehrheit, und nun hat dieser Nein-Trend zu einer Pattsituation geführt.
Wie geht es weiter
Beide Kampagnen gehen mit der Abstimmung am 14. Juni in die letzte Phase. Die Mobilisierung wird entscheidend sein, insbesondere bei den traditionell Nichtwählenden und den Parteilosen, von denen 11 % noch unentschlossen sind. Die Umfragen wurden größtenteils vor einem Messerangriff in Winterthur durchgeführt, sodass die Frage offen bleibt, ob dieses Ereignis den endgültigen Ausgang beeinflussen wird. Der SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi gelobte, bis zum letzten Tag zu kämpfen, und beschuldigte den SP-Bundesrat Beat Jans, eine Kampagne mit vielen Falschaussagen zu führen.
- SVP
- 96 %
- SP
- 7 %
- Grüne
- 11 %
- GLP
- 16 %
- Mitte
- 36 %
- FDP
- 48 %
- Tamedia/LeeWas erste Welle: 52 % Ja, 46 % Nein
- SRG/GFS Bern erste Welle: 47 % Ja, 47 % Nein (tot tot)
- SRG/GFS Bern zweite Welle: 52 % Nein, 45 % Ja
- Tamedia/LeeWas zweite Welle: 52 % Nein, 47 % Ja
- Nationaler Abstimmungstag


