
CDU-Fraktionschef Jens Spahn tritt nach Merz‘ Rücktrittsforderung wegen Leihmutterschaftsaffäre zurück
Bundeskanzler Friedrich Merz erzwang den Rücktritt seines Fraktionschefs, nachdem Jens Spahn und sein Ehemann in den USA ein Kind durch eine Leihmutter bekommen hatten – eine in Deutschland verbotene und von der CDU abgelehnte Praxis.
Rücktritt unter Druck
Am 18. Juli 2026 trat Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU zurück, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Eigenschaft als CDU-Parteivorsitzender seinen sofortigen Rücktritt gefordert hatte. Spahn informierte die Fraktionsmitglieder in einem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur dpa vorlag. Merz bezeichnete die Entscheidung als „richtig und unvermeidlich“ und dankte Spahn für die Zusammenarbeit.
Er hat maßgeblich dazu beigetragen, den Übergang der Fraktion von der Opposition zur Regierung zu gestalten und zu lenken. Jens Spahn war eine entscheidende Stütze der Koalition bei der Erarbeitung der großen Reformprojekte der letzten Wochen.
Merz fügte hinzu, er werde in Abstimmung mit dem CSU-Vorsitzenden einen Nachfolger vorschlagen; das Verfahren und der Zeitplan würden mit den Partei- und Fraktionsgremien abgestimmt.
Die Leihmutterschaftsaffäre
Der Rücktritt ist der Höhepunkt tagelangen wachsenden Drucks, nachdem bekannt geworden war, dass Spahn und sein Ehemann Daniel Funke durch eine Leihmutterschaft in den USA Eltern eines Sohnes namens Georg geworden waren. Leihmutterschaft ist nach deutschem Recht streng verboten, und die CDU hat sich seit jeher gegen jede Legalisierung ausgesprochen. Auf einem Parteitag im Februar 2026 stimmte die CDU für die Beibehaltung des Verbots. Spahn selbst hatte als Gesundheitsminister in Angela Merkels Regierung im Jahr 2020 einen Vorschlag der liberalen FDP zur teilweisen Legalisierung der Leihmutterschaft abgelehnt mit der Begründung, die „besonderen Schwierigkeiten auf dem Weg der Selbstfindung des Kindes“ ließen „Bedenken hinsichtlich möglicher negativer Auswirkungen auf seine Entwicklung“ aufkommen. Die Geburt war am Donnerstag, dem 16. Juli, erstmals in deutschen Medien gemeldet worden und hatte sofort parteiinterne Kritik ausgelöst; einige Mitglieder warfen Spahn Heuchelei vor.
Parteikritik und Forderung nach Konsequenz
Mehrere führende CDU-Politiker forderten öffentlich Spahns Rücktritt. Daniel Peters, CDU-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, warf Spahn vor, „bewusst deutsches Recht umgangen“ zu haben.
Es ist nicht hinnehmbar, dass man als Privatmann anders handelt, als man als CDU-Vertreter vertritt, der gerade in ethisch sensiblen Fragen für Glaubwürdigkeit und Klarheit steht. Jens Spahn ist als Fraktionsvorsitzender nicht mehr haltbar und muss zurücktreten.
Marion Rosin, Vorsitzende der CDU-Frauenvereinigung in Thüringen, nannte den Rücktritt „eine Frage der Konsequenz“. Die Affäre rief auch Kritik der oppositionellen Grünen hervor; der Abgeordnete Janosch Damen äußerte sich, seine vollständigen Ausführungen wurden in den Berichten jedoch nicht wiedergegeben.
Politische Folgen und nächste Schritte
Der Vorfall hat einen Riss im konservativen Lager offengelegt, das als Teil der Koalitionsregierung mit CSU und SPD ohnehin mit sinkenden Umfragewerten zu kämpfen hat. Merz handelte schnell, um den Schaden zu begrenzen, und erklärte, Glaubwürdigkeit sei in der Politik fundamental. Die rasche Entfernung Spahns, 46, eines ehemaligen Gesundheitsministers und einer der einflussreichsten Figuren der Partei, zeigt die Entschlossenheit, ideologische Disziplin durchzusetzen. Die Suche nach einem Nachfolger beginnt nun; Merz versprach eine enge Abstimmung mit der CSU. Die Affäre stellt die CDU vor Fragen nach ihrer Konsistenz in bioethischen Fragen zu einer Zeit, in der die Koalition an mehreren Reformfronten unter Druck steht.
- Als Gesundheitsminister lehnt Spahn den FDP-Vorschlag zur teilweisen Legalisierung der Leihmutterschaft ab und verweist auf Bedenken hinsichtlich der kindlichen Entwicklung.
- Der CDU-Parteitag stimmt für die Beibehaltung des deutschen Leihmutterschaftsverbots.
- Deutsche Medien berichten, dass Spahn und sein Ehemann in den USA ein Kind durch eine Leihmutter bekommen haben.
- Bundeskanzler Merz fordert Spahns Rücktritt; Spahn tritt als Fraktionsvorsitzender zurück.


