
Die Schweiz stimmt über eine Begrenzung ihrer Bevölkerung auf 10 Millionen ab – riskiert ein «Swiss Brexit» aus der EU-Personenfreizügigkeit
Am Sonntag, den 14. Juni, entscheiden die Schweizer Bürger, ob die Verfassung geändert und die Zahl der ständigen Einwohner bis 2050 auf 10 Millionen begrenzt werden soll – ein Schritt, der den Austritt aus dem EU-Freizügigkeitsabkommen erzwingen könnte.
Der Vorschlag
Die Wähler entscheiden über die Initiative «Nein zur 10-Millionen-Schweiz», die von der rechtsgerichteten Schweizerischen Volkspartei (SVP) unterstützt wird. Der Text würde die ständige Wohnbevölkerung bis 2050 auf 10 Millionen begrenzen. Die Schweiz hat derzeit 9,01 Millionen Einwohner, gegenüber 7,2 Millionen im Jahr 2001. Sollte die Bevölkerung vor der Frist 2050 die Marke von 9,5 Millionen überschreiten, wären Bundesrat und Parlament gezwungen, Notmassnahmen bei Asyl, Familienzusammenführung und Aufenthaltsbewilligungen zu ergreifen sowie Ausnahmeklauseln in internationalen Abkommen zu aktivieren, die das Bevölkerungswachstum fördern.
Argumente für die Begrenzung
Befürworter argumentieren, dass das rasche Bevölkerungswachstum, das grösstenteils auf die Personenfreizügigkeit mit der EU zurückzuführen sei, die Lebensqualität beeinträchtigt habe. Sie verweisen auf Wohnungsknappheit, steigende Mieten, überfüllte Züge, Staus sowie überlastete Schulen und Spitäler. Fast jeder dritte Einwohner (32 %) hat einen Migrationshintergrund, vor zwei Jahrzehnten war es jeder Fünfte. Der Slogan «Nein zur 10-Millionen-Schweiz» stellt die Abstimmung als Verteidigung gegen die «negativen Auswirkungen der Masseneinwanderung» dar.
Opposition und wirtschaftliche Warnungen
Eine breite Koalition – Bundesrat, Parlamentsmehrheit, Mitte-Links-Parteien, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften – ruft zur Ablehnung auf. Sie argumentieren, die Initiative würde zu schweren Arbeitskräftemangel führen. Fast die Hälfte der in der Schweiz praktizierenden Ärzte sind Ausländer, und Branchen vom Gesundheitswesen über die Pharmaindustrie bis zum Finanzsektor sind auf EU-Arbeitskräfte angewiesen. Gegner bezeichnen die Initiative als «Chaos-Initiative» und warnen vor einer wirtschaftlichen Isolation des Landes.
Ist das wirklich der richtige Moment, um mit Europa zu brechen?
Ein Wahlplakat zeigt Donald Trump, Wladimir Putin und Xi Jinping neben dieser Frage.
Beziehungen zur EU auf dem Spiel
Eine Annahme würde die Schweiz wahrscheinlich dazu zwingen, das bilaterale Abkommen von 2002 über die Personenfreizügigkeit aufzukündigen. Justizminister Beat Jans hat das Szenario als «Swiss Brexit» bezeichnet. Ein Austritt würde auch die Schweizer Beteiligung an den Schengen- und Dublin-Abkommen gefährden und die Zusammenarbeit mit Brüssel in den Bereichen Sicherheit und Asyl untergraben.
Umfragebild
Frühere Umfragen deuteten auf einen Vorsprung des «Ja»-Lagers hin, doch die neuesten Erhebungen zeigen ein Patt, mit einem leichten Vorteil für «Nein» und vielen unentschlossenen Wählern. Das Ergebnis wird am Sonntagabend erwartet.
- 2001
- 7.2 Millionen
- 2026
- 9.01 Millionen
- 2050 (vorgeschlagene Grenze)
- 10 Millionen

