
Die Schweiz erschwert den Wechsel vom Militär- zum Zivildienst – Volksabstimmung verschärft Regeln für Kriegsdienstverweigerer
Ein Referendum am Sonntag hat sechs Maßnahmen gebilligt, die die Hürden für Schweizer Rekruten, die statt des Militärdienstes den Zivildienst wählen wollen, erhöhen. Befürworter sagen, dies werde die Armeestärke stabilisieren, Gegner warnen vor Belastungen für Gesundheitswesen und Landwirtschaft.
Die Abstimmung
Die Schweizer Stimmbevölkerung hat am 14. Juni 2026 einer Revision des Zivildienstgesetzes zugestimmt, wie eine SRG-Trendprognose von gfs.bern ergab. Mit Ausnahme des Kantons Zürich waren am frühen Nachmittag alle Kantone ausgezählt. Die Änderungen, die von einer bürgerlichen Mehrheit im Parlament durchgesetzt und von einem von den Jungen Grünen und dem Verein Civiva angeführten Referendum angefochten wurden, zielen darauf ab, den Wechsel von Rekruten von der Armee in den zivilen Ersatzdienst unattraktiver zu machen.
Es ist ein guter Tag für die Armee und den Zivilschutz. Mit dieser Revision werden sie gestärkt.
Sechs neue Hürden
Nach Inkrafttreten des Gesetzes werden ein halbes Dutzend neuer Beschränkungen eingeführt. Wer vom Militär- in den Zivildienst wechselt, muss künftig mindestens 150 Zivildiensttage absolvieren, unabhängig davon, wie viele Militärtage noch ausstehen – eine Maßnahme, die verhindern soll, dass Soldaten kurz vor Dienstende abspringen. Unteroffiziere und Offiziere müssen nun zudem einen 1,5-fachen Multiplikator ihrer verbleibenden Militärtage anrechnen lassen, womit eine Gesetzeslücke geschlossen wird, die zuvor nur einen Zuschlag von 10 Prozent vorsah.
Rekruten, die bereits alle ihre militärischen Ausbildungstage absolviert haben, dürfen künftig nicht mehr wechseln, es sei denn, sie werden zum Aktiv- oder Assistenzdienst aufgeboten. Medizinstudenten und Ärzte verlieren die Möglichkeit, spezialisierte medizinische Einsätze als Zivildiensterfahrung anrechnen zu lassen – eine Praxis, die viele in das System gezogen hatte. Neue Regeln verlangen zudem, dass Zivildienstleistende ab dem Jahr nach ihrem ersten Einsatz jährlich Dienst leisten müssen, analog zur jährlichen Schiesspflicht in der Armee. Wer während der Rekrutenschule einen Wechselantrag stellt, muss seinen langen Zivildienst (180 Tage) bis Ende des Folgejahres abschliessen.
Sicht der Gewinner
Befürworter argumentieren, die Reform stelle die Fairness wieder her und helfe, die Truppenstärke zu stabilisieren. Stefan Holenstein, Präsident des Verbandes der Militärgesellschaften, sagte, der Zivildienst sei nur für diejenigen gerechtfertigt, die echte Gewissenskonflikte hätten. Der Mitte-Parteipräsident Matthias Bregy räumte ein, dass die Arbeit noch nicht abgeschlossen sei: „Jetzt müssen wir die Zukunft der Dienstpflicht gestalten und sicherstellen, dass die Armee, der Zivilschutz und der Zivildienst langfristig auf genügend engagierte Leute zählen können.“
Dies ist der erste Schritt zu weiteren Massnahmen, die wir ergreifen müssen, um die Sicherheit unseres Landes mittel- und langfristig gewährleisten zu können.
Der Schweizerische Arbeitgeberverband fügte hinzu, eine starke Armee sei zentral für einen funktionierenden Wirtschaftsstandort, und weniger junge Menschen, die den in der Regel längeren Zivildienst leisteten, bedeuteten mehr verfügbare Arbeitskräfte für die Unternehmen.
Warnungen der Verlierer
Gegner – unterstützt von SP, Grünen, Grünliberalen und der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee – sagen, die Änderungen kämen einer Abschaffung des Zivildienstes in seiner jetzigen Form gleich. Sie befürchten Personalknappheit in der Pflege, der Landwirtschaft und anderen Sektoren, die stark auf Zivildienstleistende angewiesen sind. Der Zivilschutz sei bereits jetzt unterbesetzt, unter anderem wegen Abgängen zur zivilen Alternative der Armee, so ihre Anmerkung.
Wie es weitergeht
Die Abstimmung ist nicht das Ende der Debatte. Der Bundesrat hat zwei Optionen für die Zukunft der Dienstpflicht skizziert, und die parlamentarischen Beratungen werden voraussichtlich fortgesetzt. Im Jahr 2025 wurden mit 7.211 Personen so viele wie nie zuvor in den Zivildienst aufgenommen, während die Personalzahlen der Armee voraussichtlich sinken – ein Trend, den das neue Gesetz umkehren soll.


