
Schweiz bucht Flüge für Wiederaufnahme von Dublin-Asylüberstellungen nach Italien Ende August
Das Schweizer Staatssekretariat für Migration hat für Ende August 2026 erste Überstellungsflüge nach Italien geplant und beendet damit eine vierjährige Aussetzung der Dublin-Asylrückübernahmen.
Wiederaufnahme der Dublin-Überstellungen
Die Schweiz bereitet sich darauf vor, Ende August 2026 die Überstellungen von Asylsuchenden nach Italien wieder aufzunehmen und damit eine fast vierjährige Aussetzung zu beenden. Das Schweizer Staatssekretariat für Migration (SEM) bestätigte, dass erste Flugbuchungen für isolierte Testfälle abgeschlossen seien. Die Überstellungen erfolgen schrittweise nach Konsultationen zwischen Schweizer und italienischen Behörden, um eine administrative Überlastung zu vermeiden. SEM-Sprecherin Magdalena Baker erläuterte den bilateralen Ansatz in Kommentaren gegenüber dem Schweizer Rundfunk SRF.
Es liegt im Interesse der Schweiz, dass die Wiederaufnahme so gestaltet wird, dass sie für beide Seiten tragfähig ist, damit das System langfristig funktioniert und nicht überlastet wird.
EU-Migrationspakt und Rückübernahmeregeln
Die geplanten Überstellungen folgen auf das Inkrafttreten des EU-Pakts zu Migration und Asyl am 12. Juni 2026. Der Pakt sieht finanzielle Unterstützung und Solidaritätsmechanismen für Mittelmeeranrainerstaaten wie Italien vor, sofern die Mitgliedstaaten ihre Dublin-Verpflichtungen erfüllen. Rom setzte alle Dublin-Überstellungen im Dezember 2022 kurz nach Amtsantritt von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni aus, mit Verweis auf die starke Belastung seiner nationalen Aufnahmeeinrichtungen. Nach aktuellen Richtlinien wollen die italienischen Behörden nur Asylsuchende aufnehmen, die nach dem 12. Juni in andere Dublin-Staaten eingereist sind. Schweizer Migrationsbehörden bestätigten, dass sich die ersten Rückführungsflüge strikt auf Fälle nach Juni konzentrieren, obwohl Bern kein formelles Abkommen unterzeichnet hat, das frühere Ankünfte ausschließt.
Die neuen Verfahren müssen zunächst anhand aktueller Fälle getestet werden.
- Italien setzt Dublin-Asylrückübernahmen kurz nach Amtsantritt von Giorgia Meloni aus
- EU-Pakt zu Migration und Asyl tritt mit finanziellen Entlastungsbestimmungen in Kraft
- Schweizer Staatssekretariat für Migration bestätigt Buchung erster Überstellungsflüge
- Geplanter Abflug erster Schweizer Überstellungsflüge nach Italien
Regionale Streitigkeiten und Kirchenasyl in Deutschland
Die Schweizer Ankündigung fällt mit breiteren Auseinandersetzungen in Westeuropa über Dublin-Rückübernahmen an südliche Einstiegspunkte zusammen. In Deutschland versuchten Bundesbehörden, drei Asylsuchende nach Italien zu überstellen, doch italienische Beamte lehnten die Anträge ab, da die Personen vor dem 12. Juni nach Deutschland eingereist waren. In einem dieser Fälle handelte es sich um eine 22-jährige Somalierin, deren sofortige Abschiebung nach Italien vorgesehen war; ihr wurde von einem ökumenischen Verein in Nürnberg Kirchenasyl gewährt. Sie bleibt unter kirchlichem Schutz, während die Fachbehörden in Berlin und Rom ihren Status aushandeln. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat parallel die Koordination mit Griechenland, Zypern und Malta vorangetrieben, um sich Überstellungsforderungen nördlicher Regierungen, einschließlich der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz, zu widersetzen.
Italienischer Grenzdruck und Schweizer Erwartungen
Italienische Regierungsvertreter sind auf mehreren Außenfronten mit migrationsbedingten Spannungen konfrontiert. Italiens Innenminister Matteo Piantedosi und Außenminister Antonio Tajani führten während Melonis Sommerpause in Apulien Notfallkonsultationen mit ihr durch, um die Schweizer Buchungen, die deutschen Streitigkeiten und die spanischen Grenzmaßnahmen zu erörtern. Die spanischen Behörden haben mehr als 5.000 Flugpassagiere überprüft, die aus Italien ankamen, nach irregulären Migrantenbewegungen nahe Ceuta und Nordmarokko. In Bern halten die Schweizer Behörden daran fest, dass die Flüge trotz ungewisser Bestätigung aus Rom stattfinden werden. SEM-Sprecher Daniel Bach sagte gegenüber SRF, die Schweizer Behörden erwarteten die Zusammenarbeit Italiens bei den für Ende August geplanten Flügen, merkte jedoch an, dass die operative Bestätigung von den ersten Ankünften abhängen werde.


