
SPD-Politiker Schweitzer wirft Merz 'kasernenhofartigen' Ton bei Krankschreibungsdebatte vor und warnt vor pauschalem Misstrauen gegen Arbeitnehmer
Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer hat Bundeskanzler Friedrich Merz scharf für seine konfrontative Rhetorik bei den geplanten Krankschreibungsregeln kritisiert und die Regierung aufgefordert, die Ursachen anzugehen, anstatt Arbeitnehmer pauschal als 'Drückeberger' zu behandeln.
Die Kritik
Alexander Schweitzer, der geschäftsführende SPD-Landesvorsitzende und frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, hat Bundeskanzler Friedrich Merz wegen des Tons der Debatte um die Krankschreibungsreform angegriffen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte Schweitzer, er wünsche sich, dass Merz "die Menschen für die Reformen gewinnt und nicht mit scharfen, kasernenhofartigen Sätzen vor den Kopf stößt". Die Bemerkung folgte auf eine Rede von Merz beim CDU-Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen, in der der Kanzler Kritiker als "Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Meckerer, Nörgler, empörte Berufskritiker: Fallt raus!" abtat.
Ich wünsche mir, dass Friedrich Merz die Menschen für die Reformen gewinnt und nicht mit scharfen, kasernenhofartigen Sätzen vor den Kopf stößt.
Das Reformpaket
Der Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD auf Bundesebene hatte vereinbart, ein ärztliches Attest ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend zu machen, statt wie bisher ab dem vierten Tag. Arbeitgeber können bereits jetzt eine frühere Bescheinigung verlangen, aber die neue Regelung würde dies zur rechtlichen Norm machen. Die Koalition plant zudem, die Möglichkeit von telefonischen Krankschreibungen abzuschaffen. Schweitzer räumte ein, dass die Reduzierung von Krankheitstagen "grundsätzlich richtig" sei, bestand aber darauf, dass der Ansatz die Ursachen angehen müsse und Arbeitnehmer nicht unter Generalverdacht stellen dürfe.
Wir müssen die Ursachen angehen und nicht Arbeitnehmer pauschal als Drückeberger verdächtigen.
Arbeitsbelastung der Ärzte und praktische Zweifel
Schweitzer warnte davor, dass ohnehin überlastete Hausärzte nicht mit noch mehr Attesten belastet werden sollten. Er forderte eine "praktikable" Lösung und verwies auf Tarifrecht, Arbeitsverträge, Betriebsvereinbarungen und das Bundesgesetzgebungsverfahren als Hebel. Zweifel an der Umsetzbarkeit der strengeren Regelung sind Medienberichten zufolge auch in Merz' eigenem konservativen Lager aufgekommen.
Politischer Hintergrund
Schweitzers Angriff erfolgt aus einer geschwächten Position. Bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl am 22. März 2026 verlor seine SPD nach 35 Jahren an der Spitze die Macht. Die CDU unter Gordon Schnieder wurde mit 31,0 Prozent stärkste Kraft, während die SPD auf 25,9 Prozent einbrach – ihr schlechtestes Ergebnis im Land. Die AfD erreichte 19,5 Prozent. Schweitzer führt die Landespartei nun nur noch geschäftsführend, und die CDU regiert in Mainz zusammen mit der SPD als Juniorpartner.
- CDU
- 31 %
- SPD
- 25.9 %
- AfD
- 19.5 %
Breitere Botschaft
Schweitzer nutzte den Moment auch, um Erfolge der SPD hervorzuheben, und betonte, dass es ohne seine Partei keine geplante Steuerentlastung von fast zehn Milliarden Euro für kleine und mittlere Unternehmen gäbe. Er bezeichnete die Krankschreibungsdebatte als überschattend für andere Koalitionsbeschlüsse, von denen einige "gut und dringend notwendig" seien. Der Zeitplan für die Gesetzgebung bleibt offen.

