Schweizer Polizei stuft Schüsse bei Techno-Rave in Aarau als wahllose Amoktat ein
Ein 43-jähriger Schütze, der bei einem Musikfestival in Aarau eine Frau tötete und sechs weitere verletzte, stellte sich mit drei legalen Waffen. Die Polizei fand kein ideologisches Motiv.
Angriff auf der Rennbahn Schachen
In den frühen Morgenstunden des Sonntags näherte sich ein Schütze der Rennbahn Schachen in Aarau, wo ein jährliches Techno-Festival zu Ende ging. Er parkte sein Auto an der Schachenstrasse und bewegte sich zu Fuss auf das Veranstaltungsgelände zu. Auf dem Festivalgelände waren noch mehr als 100 Personen anwesend, als der Schütze mit einem AK-74-Sturmgewehr in die Menge feuerte und dabei mehrfach seine Schussposition und -richtung wechselte. Der Schütze gab mehr als 40 Schüsse ab, tötete eine 22-jährige Italienerin und verletzte sechs weitere Personen. Fünf Opfer – vier Schweizer Männer und eine Deutsche im Alter zwischen 24 und 31 – erlitten Verletzungen von leicht bis schwer, während ein sechstes Opfer am Montag eine Querschlägerverletzung bei den Behörden meldete. Nach dem Kugelhagel kehrte der Schütze zu seinem Fahrzeug zurück, feuerte mehrere Pistolenschüsse auf ein abfahrendes Auto ab und floh.
- Schütze feuert über 40 Schüsse in die Menge beim Rave auf der Rennbahn Aarau
- Verdächtiger stellt sich der Polizei in Delémont, während ein sechstes verletztes Opfer sich meldet
- Kantonsbehörden Aargau halten Pressekonferenz ab und bestätigen Amoktat eines Einzeltäters
Kapitulation und Waffensicherstellung
Die Schweizer Strafverfolgungsbehörden leiteten eine umfangreiche Suchaktion ein, die auch die Zusammenarbeit mit deutschen Behörden in Baden-Württemberg, rund 25 Kilometer nördlich von Aarau, umfasste. Zeugenaussagen identifizierten ein Fluchtauto mit Kennzeichen aus dem Kanton Jura, sodass die Ermittler mithilfe von Videoaufnahmen mehr als 100 mögliche Fahrzeuge eingrenzen konnten. In der Nacht zum Montag fuhr der 43-jährige Schweizer Tatverdächtige direkt zur Kantonspolizei in Delémont und stellte sich den Beamten. Im Fahrzeug fanden die Polizisten drei auf den Namen des Verdächtigen registrierte Waffen: zwei Pistolen und ein AK-74-Kalaschnikow-Sturmgewehr. Erste forensische Tests an Patronenhülsen von der Rennbahn ergaben eine Übereinstimmung mit den im Kofferraum sichergestellten Waffen.
- Todesfälle
- 1 Personen
- Verletzte
- 6 Personen
Ermittlungen und fehlendes ideologisches Motiv
Die Kantonsbehörden präsentierten ihre ersten Erkenntnisse am Mittwochnachmittag an einer Medienkonferenz und stuften das Ereignis als wahllose Amoktat eines Einzeltäters ein. Der Verdächtige gestand bei seiner Kapitulation die Verantwortung, machte aber von seinem Aussageverweigerungsrecht während der formellen Vernehmung Gebrauch. Der leitende Staatsanwalt Christoph Rüedi merkte an, dass der Verdächtige von anhaltenden psychischen Problemen gesprochen habe.
Wir haben keine bestätigten Erkenntnisse zu seinem Motiv.
Polizeikommandant Michael Leupold erklärte, der Verdächtige habe alle drei Waffen vor 20 Jahren legal erworben und registriert, nach damaligen Regulierungsstandards. Der Verdächtige hatte keine Vorstrafen ausser geringfügigen Verkehrsdelikten und hatte seinen Schweizer Armeedienst als Koch absolviert, wobei er 2013 formell aus der Wehrpflicht entlassen wurde und sein Armeegewehr zurückgab. Die Ermittler fanden keine Hinweise auf eine Verbindung des Verdächtigen zu rechtsextremem, linksextremem oder islamistischem Extremismus.
Reaktion der Gemeinschaft und geplante Veranstaltungen
Der Betreiber der Rennbahn, der Aargauische Rennverein, gab am Mittwoch bekannt, dass das geplante Pferderennen am Sonntag nach Absprache mit der Kantonspolizei mit angepassten Sicherheitsmassnahmen stattfinden werde. Die Krebsliga Aargau hingegen sagte einen für Donnerstag geplanten Charity-Lauf am selben Ort ab. Am Mittwochnachmittag befanden sich noch zwei verletzte Opfer in lokalen Spitälern in Behandlung. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führt die strafrechtlichen Ermittlungen, während der Verdächtige in Haft bleibt.