
Schülerverhalten wird zur größten Belastung für Lehrer – Trend verstärkt sich, zeigt Umfrage
Der Anteil der Lehrer, die das Schülerverhalten als ihre größte berufliche Herausforderung sehen, ist laut dem am Dienstag veröffentlichten Schulbarometer 2026 auf 46 Prozent gestiegen – gegenüber 35 Prozent im Jahr 2024. Trotz der Belastung bleibt die allgemeine Arbeitszufriedenheit stabil bei 83 Prozent.
Schülerverhalten wird dominierendes Problem
Die Zunahme von Disziplinproblemen im Klassenzimmer ist kein Randphänomen mehr. 46 Prozent der Lehrer nennen das Schülerverhalten inzwischen als ihre größte berufliche Herausforderung, so die Ausgabe 2026 des Deutschen Schulbarometers, herausgegeben von der Robert Bosch Stiftung. Der Wert ist stark gestiegen: 2024 lag er bei 35 Prozent, 2025 erreichte er 42 Prozent. Die von Forsa zwischen dem 11. November und 2. Dezember 2025 durchgeführte Befragung von 1.547 Lehrkräften an allgemein- und berufsbildenden Schulen hat eine Fehlertoleranz von drei Prozentpunkten.
- 2024
- 35 %
- 2025
- 42 %
- 2026
- 46 %
Das Muster ist in bestimmten Schulformen ausgeprägter. Lehrer an Haupt-, Real- und Gesamtschulen (55 Prozent) sowie an Berufsschulen (53 Prozent) berichten weitaus häufiger von diesem Druck als ihre Kollegen an Gymnasien oder Grundschulen. Die Bildungsexpertin der Stiftung, Katharina Thoren, brachte die Ergebnisse mit einer begleitenden Schülerbefragung vom März in Verbindung, die einen erneuten Anstieg der psychischen Belastung bei Jugendlichen zeigte – den ersten derartigen Anstieg seit der Pandemie.
Ein genauerer Blick auf die Belastungen der Lehrer
Der Begriff „Schülerverhalten“ verbirgt eine vielschichtige Problemlage. Bei der Spezifizierung nennen 25 Prozent der Lehrer problematisches Sozialverhalten, 13 Prozent mangelnde Motivation und Lernbereitschaft und 7 Prozent psychische Probleme. Konzentrationsschwierigkeiten, Aggression, Gewalt, Mobbing und problematische Mediennutzung liegen jeweils bei 5 Prozent. Die zweit- und drittgrößten Gesamtbelastungen sind Heterogenität im Klassenzimmer (34 Prozent) und hohe Arbeitsbelastung verbunden mit Zeitdruck (27 Prozent).
- Schülerverhalten
- 46 %
- Heterogenität im Klassenzimmer
- 34 %
- Arbeitsbelastung/Zeitmangel
- 27 %
Gymnasiallehrer nennen häufiger Konzentrationsprobleme, während Lehrer an nichtakademischen weiterführenden Schulen vermehrt über Aggression, Gewalt und Mobbing berichten. Mehrere Befragte und die Stiftung selbst sehen den Einfluss sozialer Medien und breiterer gesellschaftlicher Krisen als beitragende Faktoren.
Arbeitszufriedenheit bleibt hoch, aber Ausstiegsabsichten lauern
Trotz der täglichen Reibungen geben 83 Prozent der Lehrer an, mit ihrem Beruf zufrieden zu sein, und fast 90 Prozent stimmen zumindest „eher“ zu, dass sie gerne an ihrer Schule arbeiten. Drei Viertel würden ihre Einrichtung als guten Arbeitsplatz empfehlen. Doch eine beachtliche Minderheit ist unruhig: 28 Prozent würden den Beruf aufgeben, wenn sich eine sinnvolle Alternative böte. Die Autoren merken an, dass die Werte in den letzten Jahren bemerkenswert stabil geblieben sind, obwohl die Wahrnehmung des Schülerverhaltens sich verschlechtert hat.
Lehrer fordern mehr Fortbildung und multiprofessionelle Teams
Die Umfrage offenbart einen großen Bedarf an beruflicher Weiterentwicklung. 47 Prozent der Lehrer geben an, weitere Fortbildung im Umgang mit psychisch belasteten Schülern zu benötigen, und 82 Prozent wünschen sich mehr Kenntnisse zur Förderung von Soft Skills wie Empathie, Teamfähigkeit, Eigenständigkeit und kritischem Denken. Thoren warnt, dass Fortbildung allein nicht ausreiche.
Damit sich die Lehrer voll und ganz auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können: guten Unterricht zu geben.
Sie argumentiert, dass Schulen dringend multiprofessionelle Teams mit Sozialarbeitern, Schulpsychologen und IT-Spezialisten benötigen. Mehr als ein Drittel der Lehrer fühlt sich mit diesen neuen Anforderungen allein gelassen.
KI gewinnt im Klassenzimmer an Boden
Neben den Verhaltensproblemen dokumentiert die Umfrage einen leisen technologischen Wandel. Der Anteil der Lehrer, die mehrmals pro Woche mit künstlicher Intelligenz arbeiten, hat sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt und liegt nun bei 25 Prozent. KI wird am häufigsten zur Erstellung von Aufgaben (64 Prozent) und zur Unterrichtsplanung (58 Prozent) genutzt.


