
SRF-Journalist kehrt auf den Bildschirm zurück, während Ex-Trainer Fischer dem Sender vorwirft, eine vertrauliche Abmachung gebrochen zu haben
Pascal Schmitz trat am Dienstag in «Schweiz aktuell» auf – am selben Tag veröffentlichte Patrick Fischer ein 35-minütiges Video, in dem er dem Journalisten und SRF vorwirft, eine mündliche «Off-the-Record»-Vereinbarung über sein gefälschtes Covid-Zertifikat gebrochen zu haben.
Die Rückkehr
Pascal Schmitz kehrte am Dienstagabend ins Schweizer Fernsehen zurück und war als Aussenreporter für die SRF-Sendung «Schweiz aktuell» im Einsatz. Der Beitrag befasste sich mit der Verkehrssicherheit von Kindern, die Fahrradfahren lernen. Laut SRF hatte Schmitz bereits Mitte Mai nach einer Auszeit vom Bildschirm Ende April wieder in der Redaktion mitgearbeitet. Eine Moderatorenrolle im Studio ist für Ende Juni geplant, wobei der Sender anmerkte, dass jederzeit Änderungen möglich sind.
Schmitz' Abwesenheit folgte auf einen Bericht der «Weltwoche», der Facebook-Posts von vor mehr als 15 Jahren mit rassistischen, beleidigenden und teilweise sexistischen Äusserungen ans Licht brachte. Die Beiträge wurden offenbar kurz nach Bekanntwerden der Geschichte gelöscht, und Schmitz entschuldigte sich später «in aller Form» für die Kommentare. Er trat auch als Stadionsprecher der Rapperswil-Jona Lakers zurück, eine Rolle, die er 14 Jahre lang innegehabt hatte.
Fischers Vorwürfe
Am selben Tag, an dem Schmitz wieder auf dem Bildschirm erschien, veröffentlichte der ehemalige Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer ein 35-minütiges YouTube-Interview mit dem Kommunikationsberater und ehemaligen Journalisten Peter Röthlisberger. Fischer behauptete, die SRF habe eine mündliche «Off-the-Record»-Vereinbarung gebrochen, die während eines Mittagessens in seinem Haus in Altstetten getroffen worden sei, bei dem er offenbarte, ein gefälschtes Covid-19-Zertifikat gekauft zu haben.
Ich habe die Situation falsch eingeschätzt. Ich war zu offen – das war ein Fehler.
Fischer behauptete, der SIHF-Medienchef Finn Sulzer habe am Tisch deutlich gesagt, dass das Gespräch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei, und Schmitz habe dies mündlich bestätigt. Er fügte hinzu, Schmitz habe am folgenden Tag eine E-Mail geschickt, in der er die «Off-the-Record»-Vereinbarung anerkannt habe.
Die umstrittene E-Mail
Während des Interviews verlas Röthlisberger einen Auszug aus einer E-Mail, die Schmitz an Sulzer geschickt hatte: «Ich schreibe dir bezüglich unseres 'off-the-record'-Gesprächs am Mittagstisch in Altstetten. Mir ist die Bedeutung einer 'off-the-record'-Vereinbarung sehr bewusst, und ich nehme dies ernst.» Fischer und Röthlisberger verlasen den Rest der Nachricht nicht.
Die SRF antwortete, dass die vollständige E-Mail eine andere Geschichte erzähle. Laut dem Sender habe Sulzer erst nach dem Mittagessen versucht, eine «Off-the-Record»-Bedingung zu erwirken. Schmitz' Antwort habe lediglich die Formulierung des Verbandes aufgegriffen, ohne eine vorherige Vereinbarung zu bestätigen. Die SRF fügte hinzu, dass Schmitz in derselben E-Mail klargestellt habe, dass er Fischers Aussagen nicht einfach ignorieren könne, und dass er beabsichtige, sowohl Fischer als auch dem Verband in Absprache mit der Redaktion die Möglichkeit zur Stellungnahme zu geben.
Eine 'Off-the-Record'-Vereinbarung muss im Voraus, ausdrücklich und gegenseitig getroffen werden – das ist ein anerkanntes journalistisches Prinzip. Das war hier nicht der Fall.
Die SRF wies auch darauf hin, dass die Enthüllung während eines Drehtages für eine Porträt-Dokumentation in einem eindeutig professionellen Umfeld mit dem Medienchef und einem Kameramann stattgefunden habe, nicht in einem vorher vereinbarten vertraulichen Gespräch.
Untersuchung des Verbands
Am Dienstag bestätigte der Schweizer Eishockeyverband (SIHF) gegenüber watson, dass eine administrative Untersuchung der Affäre laufe. Die Überprüfung ziele darauf ab, die relevanten Prozesse und Verantwortlichkeiten zu klären. Der Verband lehnte es jedoch ab, Zwischenergebnisse, Details zu befragten Personen oder einen Zeitplan für den Abschluss zu nennen. Er erklärte zudem, dass die Ergebnisse auch nach Abschluss der Untersuchung nicht veröffentlicht würden. Relevante Erkenntnisse würden an Swiss Sport Integrity weitergeleitet.
Fischers Haltung
Fischer räumte ein, dass er mit dem Kauf eines gefälschten Zertifikats seiner Vorbildfunktion als Nationaltrainer nicht gerecht geworden sei, betonte aber, dass er als Privatperson seinen Pflichten nachgekommen sei. Er wurde wegen Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe von 38.190 Schweizer Franken verurteilt und verlor schliesslich seinen Job. In dem Interview bedauerte er nicht die Straftat selbst, sondern dass er der SRF und Schmitz vertraut habe – eine Haltung, die in den Schweizer Medien wegen mangelnder Selbstreflexion kritisiert wurde.
- Fischer kauft gefälschtes Covid-Zertifikat, um an den Olympischen Spielen in Peking und anderen Turnieren teilzunehmen.
- Fischer offenbart die Fälschung dem SRF-Journalisten Pascal Schmitz während eines Mittagessens in seinem Haus in Altstetten.
- SIHF-Medienchef Finn Sulzer mailt Schmitz und verlangt rückwirkend «Off-the-Record»-Status; Schmitz antwortet unter Bezugnahme auf das Ersuchen.
- SRF veröffentlicht die Geschichte über Fischers gefälschtes Zertifikat; Fischer verliert seinen Job als Nationaltrainer.
- SRF zieht Schmitz nach einem «Weltwoche»-Bericht über alte Social-Media-Beiträge aus dem Sendebetrieb ab.
- Schmitz kehrt Mitte Mai zur SRF-Redaktion zurück.
- Fischer veröffentlicht ein 35-minütiges YouTube-Interview, in dem er der SRF vorwirft, die «Off-the-Record»-Abmachung gebrochen zu haben.
- Schmitz tritt als Aussenreporter in «Schweiz aktuell» auf; die SRF weist Fischers Vorwürfe zurück.


