
Sorgerechtsstreit führt zu Schießerei in deutscher Mutter-Kind-Einrichtung, sechs Tote
Die Polizei hat einen 45-jährigen Mann nach einer Schießerei in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade (Deutschland) festgenommen, bei der sechs Angestellte getötet und mehrere weitere verletzt wurden. Die Tat ging auf einen familiären Sorgerechtsstreit um die drei Monate alte Tochter des Verdächtigen zurück.
Vor Ort
Kurz nach 12:10 Uhr Ortszeit am Montag, dem 29. Juni 2026, meldeten Notrufe Schüsse in einer Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankerstraße in Stade, einer 48.000 Einwohner zählenden Stadt bei Hamburg. Fünf Opfer – vier Frauen und ein Mann – starben am Tatort. Ein sechstes Opfer, ebenfalls ein Mann, erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Alle sechs waren Angestellte der Einrichtung. Die drei Monate alte Tochter des Verdächtigen und die Mutter des Kindes befanden sich während des Angriffs im Gebäude, konnten jedoch unverletzt entkommen. Mehrere weitere Personen wurden verletzt, einige davon schwer, und die Polizei warnte, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen könnte.
Motiv: der Sorgerechtsstreit
Die Ermittler brachten die Schießerei schnell mit einem familiären Streit um das Sorgerecht in Verbindung.
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens beschrieb die Tat als „aus familiären Gründen“ und als „einen mit äußerster Kälte ausgeführten Gewaltakt, ohne politische oder wirtschaftliche Motive“. Die Behörden erklärten, dass kein politischer oder extremistischer Hintergrund vorlag.Der Mann hatte am Montag einen vereinbarten Termin mit mehreren der Opfer, um das Sorgerecht für seine drei Monate alte Tochter zu besprechen.
Tatverdächtiger und die Flucht
Bei dem mutmaßlichen Schützen handelt es sich um einen 45-jährigen deutschen Staatsbürger türkischer Abstammung, geboren in Deutschland und wohnhaft in Hannover. Er war der Polizei wegen früherer Drohungen bekannt, galt aber nicht als besonders gefährlich und besaß keine Waffenbesitzkarte. Nach der Schießerei floh er in einem Auto, das von einer Frau gefahren wurde. Zeugen berichteten Focus Online, dass ein Polizeibeamter „Halt! Stehenbleiben!“ rief, das Fahrzeug jedoch weiterfuhr, woraufhin die Beamten mindestens 10 bis 15 Schüsse abfeuerten. Das Auto wurde schließlich an einer Straßensperre auf einer Landstraße gestoppt. Ein Video von Bild zeigt bewaffnete Polizisten, die die beiden Insassen aus dem Fahrzeug zerren und ihnen Handschellen anlegen. Eine dritte Person wurde später festgenommen, deren Beteiligung wird jedoch noch untersucht.
Reaktion von Gemeinschaft und Polizei
Die Polizei sperrte das Gebiet ab, setzte Hubschrauber ein und versicherte der Öffentlichkeit, dass keine weitere Gefahr bestehe. Kinder in einer nahegelegenen Kindertagesstätte und Grundschule seien nicht gefährdet gewesen, so Stadtbeamte. Krisenberater und Psychologen wurden entsandt, um die Betroffenen zu unterstützen. Die Wohlfahrtseinrichtung befindet sich in der Nähe der örtlichen Polizeiwache.Eine Erhöhung der Todeszahl kann nicht ausgeschlossen werden, da einige der Verletzten sich in einem ernsten Zustand befinden.
Kontext
Massenerschießungen sind in Deutschland nach wie vor selten, obwohl das Land aufsehenerregende Fälle wie den Angriff auf die Zeugen-Jehovas-Halle in Hamburg 2023 und das Münchner Amoklauf 2016 erlebt hat. Der Vorfall in Stade deutet mit seinem häuslichen Motivprofil nicht auf eine breitere Terrorbedrohung hin.


