
Sächsische Kulturschaffende protestieren in Dresden gegen geplante Kürzungen bei Theatern und Orchestern
Rund 1.000 Beschäftigte von Theatern und Orchestern versammelten sich am 5. Oktober 2026 vor der Dresdner Semperoper, um gegen die Pläne des Landes zu protestieren, die institutionelle Kulturförderung im Jahr 2028 um bis zu 10,1 Prozent zu kürzen.
Kundgebung vor der Dresdner Semperoper
Rund 1.000 Beschäftigte von Theatern, Orchestern und Kultureinrichtungen aus ganz Sachsen versammelten sich am 5. Oktober 2026 vor der Semperoper in Dresden, um gegen geplante Sparmaßnahmen des Landes zu protestieren. Die Demonstration wurde vom Landesverband Sachsen des Deutschen Bühnenvereins unter dem Motto "Kultur braucht Zukunft! Sachsen braucht Kultur" einberufen. Die Demonstrierenden brachten ihre Ablehnung während der gesamten Veranstaltung durch Reden und künstlerische Darbietungen zum Ausdruck. Obwohl die örtlichen Polizeibehörden keine offizielle Zahl der Teilnehmenden veröffentlichten, wurde die Zahl von rund 1.000 Demonstrierenden von der Deutschen Presse-Agentur und dem Theater Plauen-Zwickau gemeldet. Vertreter des Theaters Plauen-Zwickau bestätigten, dass etwa 100 eigene Beschäftigte nach Dresden gereist waren, um sich der Versammlung anzuschließen.
Geplante Kürzungen im Doppelhaushalt
Auslöser der Demonstration waren Sparpläne, die für den sächsischen Doppelhaushalt 2027 und 2028 erwogen werden. Während die Landesregierung das genaue Ausmaß der Kürzungen nicht offiziell bestätigt hat, nannte die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Maicher, die zu erwartenden Zahlen für die kommunalen Einrichtungen. Laut Maicher plant die Landesregierung, die institutionelle Förderung kommunaler Theater und Orchester im Jahr 2027 um durchschnittlich 6,3 Prozent und im Jahr 2028 um 10,1 Prozent zu senken, gemessen an den Ausgaben des Jahres 2026. Auch andere regionale Einrichtungen, darunter die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, sollen im kommenden Zweijahreshaushalt finanzielle Einschnitte hinnehmen.
- 2027
- 6.3 %
- 2028
- 10.1 %
Kostendruck im Betrieb und Positionen der Gewerkschaften
Gewerkschaften und Oppositionsabgeordnete im Sächsischen Landtag schlossen sich dem Protest an und wiesen darauf hin, dass die Spielstätten bereits unter starkem finanziellen Druck stehen. Der Deutsche Bühnenverein stellte fest, dass die Häuser mit kumulierten Kostensteigerungen in mehreren Bereichen zu kämpfen haben, darunter Energiepreise, Fremdleistungen und höhere Tarifabschlüsse. Der Verband warnte, dass die Einrichtungen ihre Betriebskosten nicht beliebig senken können, ohne den Spielplan einzuschränken und die künstlerische Gesamtkapazität zu verringern. Der Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Bittner betonte, dass angemessene Landeszuweisungen notwendig seien, um wettbewerbsfähige Löhne und faire Honorare für Künstlerinnen und Künstler sowie Produktionsbeschäftigte zu sichern.
Nur so kann die Leistungsfähigkeit der sächsischen Theater auch in Zukunft gesichert werden.
Politische Kritik und Forderungen nach Finanzierung
Maicher verurteilte die geplanten Budgetkürzungen als unverantwortlich und erklärte, die Landesregierung berücksichtige nicht die unvermeidbaren Steigerungen der Personalkosten, während sie versuche, die Landesförderung unter das Niveau von 2026 zu drücken. Sie skizzierte die weiteren kulturellen Folgen der geplanten Kürzungen für die Gemeinden in ganz Sachsen.
Das bedeutet: nicht nur weniger Inszenierungen, sondern auch Abwanderung von Beschäftigten, weniger Orte der Begegnung, der Wertebildung und der Kreativität.
Der Landesverband des Deutschen Bühnenvereins fordert eine verlässliche, langfristige Finanzierung für kommunale Theater, Orchester und freie Kulturgruppen. Die Organisation rief die Abgeordneten dazu auf, die institutionelle Förderung mindestens auf dem Niveau von 2026 zu halten und die Mittel an die realen Kostensteigerungen anzupassen. Das Theater Plauen-Zwickau erklärte in einer Pressemitteilung, stabile Rahmenbedingungen seien unerlässlich, um kulturelle Vielfalt sowohl in den größeren Städten als auch in den Randregionen zu gewährleisten.


