
CDU-Fraktionschef Heuer verteidigt Foto mit AfD-Kandidat vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Ein Foto, das CDU-Fraktionschef Guido Heuer und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bei einem Wahlforum in Halberstadt zeigt, hat nur drei Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Debatte ausgelöst.
Eine einzige Aufnahme von einem Vorwahlforum in Halberstadt beherrscht den Start des sachsen-anhaltischen Wahlkampfs. Das Foto, zuerst veröffentlicht von der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung, zeigt CDU-Fraktionschef Guido Heuer, der sich zu AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beugt, beide Männer halten dasselbe Mikrofon und wirken entspannt. Das Bild verbreitete sich schnell in den sozialen Medien und warf Fragen zur Brandmauer der CDU gegenüber der rechtsextremen Partei auf.
Was das Bild zeigt
Aufgenommen am Donnerstagabend bei einem Wahlforum des Liberalen Mittelstands, zeigt die Fotografie Heuer, wie er seinen Arm auf Siegmunds Schulter legt, während die beiden ein Mikrofon teilen. Siegmund, 24 Jahre jünger als Heuer, ist sichtlich amüsiert. Heuer sagte dem Tagesspiegel, der Platz neben Siegmund sei der letzte freie gewesen, und er habe eingegriffen, als Siegmund eine falsche Aussage machte, und das Mikrofon ergriffen. „Das war Konfrontation, keine Kumpanei“, betonte Heuer gegenüber der dpa.
Reaktionen aus der CDU
Heuer wiederholte seine Darstellung gegenüber mehreren Medien. „Wir hatten zwei Mikrofone und Herr Siegmund hat falsche Tatsachen behauptet“, sagte er der OAZ und nannte die Begegnung „klare Konfrontation, keine Verbrüderung“. Er bekräftigte auch seine Abneigung gegen den Begriff „Brandmauer“ und bevorzugte die ältere CDU-Linie „Abgrenzen, aber nicht ausgrenzen“. Eine Koalition mit der AfD oder der Linken, so sagte er, bleibe ausgeschlossen.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze spielte das Foto herunter. „Man sollte es nicht überbewerten“, sagte er am Samstag vor dem CDU-Landesparteitag in Dessau zur dpa. Heuer habe lediglich nach einem Mikrofon gegriffen, so Schulze.
Schulzes Wahlwarnung
In seiner Rede auf dem Dessauer Parteitag sprach Schulze eine indirekte Warnung vor einem möglichen Wahlerfolg der AfD bei der Landtagswahl am 6. September aus. „Wir müssen anschlussfähig bleiben. Ich will nicht, dass meine Heimat, unsere Heimat, Ihre Heimat zu einer Insel wird, mit der niemand mehr etwas zu tun haben will“, sagte er in einer 47-minütigen Rede. Die Aufgabe der CDU sei es, zu einen statt zu spalten, und das Land müsse weltoffen sein, während man Probleme gemeinsam anpacke.
Die Partei sollte am Samstag ihr Wahlprogramm verabschieden. Schulze sprach sich für mehr praktische Lerntage in Schulen, mehr Wirtschaftsbildung an Gymnasien und eine schlankere, schnellere öffentliche Verwaltung aus.
- Bei einem Wahlforum in Halberstadt werden CDU-Fraktionschef Heuer und AfD-Spitzenkandidat Siegmund gemeinsam an einem Mikrofon fotografiert, beide wirken entspannt.
- Heuer sagt dpa und Tagesspiegel, der Moment sei Konfrontation, keine Verbrüderung gewesen. Schulze sagt, das Foto solle nicht überbewertet werden. Auf dem CDU-Landesparteitag warnt Schulze vor Isolation.
Umfragen und Szenarien nach der Wahl
Weniger als drei Monate vor der Wahl liegt die AfD in Umfragen bei rund 40 %, weit vor der CDU mit etwa 25 %. Der Verfassungsschutz stuft die AfD in Sachsen-Anhalt seit 2023 als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ ein. Spekulationen über eine mögliche Zusammenarbeit der beiden Parteien nach der Wahl halten an, obwohl Schulze dies wiederholt ausgeschlossen hat.
Heuer schloss eine Koalition mit der AfD oder der Linken zwar aus, hielt eine CDU-Minderheitsregierung jedoch für denkbar. „Alles Weitere wird nach der Wahl entschieden“, sagte er dem Tagesspiegel. Siegmund seinerseits greift die CDU weiter an und strebt eine alleinige AfD-Regierung an. „Wir können unser Land nicht mit denen retten, die es in diese Situation gebracht haben“, postete er auf X.

