
Niederländisches Schienennetz durch koordinierte Sabotage an dreißig Orten gestört
Am Dienstagmorgen befestigten Täter Rohre an Bahngleisen in Mittel-, Ost- und Nordniederlande, lösten automatische Sicherheitsstoppsignale aus und brachten Regional- und internationale Züge zum Stillstand.
Vorsätzliche Gleisbehinderungen
ProRail entdeckte am Dienstagmorgen an 30 Standorten Rohre, die an Bahngleisen befestigt waren, konzentriert hauptsächlich in ländlichen Gebieten der Mittel-, Ost- und Nordniederlande. Erste Feldberichte deuteten auf Behinderungen an rund 20 Standorten hin, wobei Ermittler mindestens sieben Orte untersuchten, bevor ProRail die höhere Gesamtzahl bestätigte. Das automatisierte Sicherheitssystem der Schieneninfrastruktur interpretierte die Fremdkörper auf den Schienen als besetzte Gleisabschnitte. Diese Sicherheitsreaktion schaltete automatisch alle Signale auf den betroffenen Strecken auf Rot und verhinderte Zugbewegungen im gesamten Netz. In einem Fall kollidierte ein Zug mit einem an den Schienen befestigten Rohr, doch ProRail-Sprecherin Joke van der Cruysen bestätigte, dass niemand verletzt wurde. Nachdem Notfallteams die ersten Standorte geräumt hatten, entdeckte die Polizei, dass Täter erneut Material auf mehrere Gleise gelegt hatten.
Der Bahnbetreiber bestätigte in einer offiziellen Erklärung die vorsätzliche Natur der Vorfälle.
An mehreren Stellen auf den Gleisen wurden Gegenstände gefunden, die dort absichtlich platziert wurden.
Netzlähmung und internationale Störungen
Die Behinderungen führten während des morgendlichen Berufsverkehrs zu weitreichenden Zugausfällen im ganzen Land. Der Zugverkehr kam rund um Zwolle zum Erliegen, mit vollständigen Stilllegungen auf den Strecken zwischen Utrecht und Gouda sowie zwischen Apeldoorn und Deventer. ProRail stellte fest, dass die Bahnsteige an betroffenen Bahnhöfen während des Stillstands etwas voller als üblich waren. Die Störungen reichten über das Inlandsnetz hinaus bis nach Deutschland und zwangen die Deutsche Bahn, den ICE-Linie 77 zwischen Amsterdam und Berlin am Grenzort Rheine zu kappen, wo Ersatzbusse eingerichtet wurden. Auch das Straßennetz war betroffen, da Sicherheitsverriegelungen mehrere Bahnübergänge geschlossen hielten, und die Behörden meldeten verdächtige Brände entlang mehrerer Autobahnen. Bis Mittag normalisierte sich der Zugverkehr weitgehend.
- Rohre entdeckt, die an Gleisen in Mittel- und Nordniederlande befestigt waren, lösen Stoppsignale aus.
- Zugverkehr kommt an wichtigen Knotenpunkten wie Zwolle und Utrecht zum Erliegen, während ein ICE-Zug aus Berlin in Rheine endet.
- ProRail räumt Behinderungen und bestätigt, dass der Zugverkehr weitgehend zum Normalbetrieb zurückkehrt.
- Premierminister Rob Jetten verurteilt die Sabotage, während Sicherheitsbehörden mögliche Ursprünge untersuchen.
Regierungsreaktion und Sicherheitsermittlungen
Die niederländischen Behörden leiteten eine gemeinsame Untersuchung unter Beteiligung der nationalen Polizei, der Staatsanwaltschaft und des Allgemeinen Nachrichten- und Sicherheitsdienstes (AIVD) ein. Premierminister Rob Jetten verurteilte die Sabotage und bezeichnete die Aktionen als lebensbedrohlich und darauf abzielend, die Gesellschaft zu destabilisieren. Jetten erklärte, er könne das Ereignis noch nicht als Terrorismus einstufen, bevor die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen habe. Sprecher des Nationalen Koordinators für Sicherheit und Terrorismusbekämpfung (NCTV) wollten sich ebenfalls nicht zu einem terroristischen Motiv äußern. Der AIVD bestätigte, dass Geheimdienstmitarbeiter die Polizei dabei unterstützen, die Herkunft der Aktionen zu ermitteln.
Politischer Kontext und laufende Ermittlungen
Die Sabotage fiel mit der jährlichen Thronrede von König Willem-Alexander zusammen, die die Eröffnung des Parlamentsjahres und die Vorstellung des Staatshaushalts 2027 markiert. Diese Haushaltsvorschläge hatten in den letzten Monaten Widerstand von Gewerkschaften und landwirtschaftlichen Verbänden hervorgerufen, wobei Bauern am selben Tag Demonstrationen in Den Haag organisierten. ProRail und die Strafverfolgungsbehörden erklärten, dass die genauen Motive und Identitäten der Täter weiterhin unbekannt seien und die Ermittlungen andauerten, wie die Materialien gleichzeitig an so vielen Orten angebracht werden konnten. Die Verkehrsbehörden überwachen weiterhin die Bahnstrecken in den mittleren und nördlichen Provinzen auf weitere Behinderungen.
