Kurz gefasst
Die September-Verkäufe reduzierten den Bestand um rund 6,2 Tonnen auf 72,8 Millionen Feinunzen, den niedrigsten Stand seit Ende 2019 – laut Zentralbankdaten vom 20. Oktober.
Die Haushaltslücke für 2026 wird auf 7,3 Billionen Rubel veranschlagt, doppelt so hoch wie die ursprüngliche Schätzung, während die Einnahmen aus Öl und Gas sinken.
Nur 1998 wurde schneller verkauft, als während der Finanzkrise innerhalb von drei Monaten 3,8 Millionen Feinunzen (etwa 118 Tonnen) abgestoßen wurden.
Rzeczpospolita nennt China als Hauptkunden, während naTemat berichtet, das Gold erreiche China über Hongkong.
- Dezember 2025Die Zentralbank beginnt die aktuelle Welle von Goldverkäufen
- September 2026Die Reserven sinken im September um rund 6,2 Tonnen auf 72,8 Millionen Feinunzen
- 20.10.Die Zentralbank veröffentlicht ihre Reservezahlen für September
Reserven auf dem tiefsten Stand seit 2019
Die Bank Rossii veröffentlichte am Dienstag, dem 20. Oktober, ihre September-Zahlen. Danach sanken die Goldreserven um weitere 200.000 Feinunzen, rund 6,2 Tonnen. Der Gesamtbestand fiel auf 72,8 Millionen Feinunzen, den niedrigsten Stand seit Ende 2019. Die Verkäufe begannen im Dezember 2025, seither sind die Reserven nach Zentralbankdaten, die The Moscow Times zitiert, um etwa 2 Millionen Feinunzen gesunken, rund 62 Tonnen. Die Angaben zum Zeitraum der Verkaufsserie gehen auseinander: Rzeczpospolita zählt neun Monate in Folge, naTemat und Il Messaggero kommen auf zehn.
Die Haushaltslücke steht hinter den Verkäufen
Das Defizit dieses Jahres wird nach Zahlen, die Ziare.com, Il Messaggero und naTemat berichten, auf 7,3 Billionen Rubel veranschlagt, doppelt so hoch wie die ursprüngliche Schätzung. Die Einnahmen aus Öl und Gas sinken, und naTemat berichtet, Sanktionen und Angriffe auf Raffinerien hätten den Zufluss von Petrodollars gedrosselt. Die Militärausgaben zehren die Staatskasse auf, und laut naTemat kann Russland sich auf den internationalen Märkten kein Geld leihen. Ziare.com und Rzeczpospolita beschreiben die Zentralbank als Nachvollzieherin früherer Transaktionen des Finanzministeriums, die auf Vermögenswerte des Nationalen Wohlfahrtsfonds zurückgriffen, darunter Gold. Die Dollarbeträge des Defizits unterscheiden sich je nach Medium: 88,1 Mrd. Dollar bei Ziare.com, 81,1 Mrd. Dollar bei Il Messaggero.
Der Vergleich mit 1998
Nach IWF-Statistiken, die Ziare.com zitiert, hat Russland in der jüngeren Geschichte nur einmal schneller Gold verkauft, nämlich 1998, während einer Finanzkrise, die mit dem Staatsbankrott endete. Damals verkaufte die Zentralbank innerhalb von drei Monaten 3,8 Millionen Feinunzen, etwa 118 Tonnen. Ein Teil dieser Barren wurde bis Jahresende zurückgekauft, sodass der Netto-Rückgang 1998 bei rund 50 Tonnen lag – weniger als im aktuellen Fall. Nach jener Krise baute der Kreml seine Bestände wieder auf, die sich seit den späten 1990er Jahren mehr als verfünffachten. Anfang 2022, vor dem Überfall auf die Ukraine in vollem Umfang, hielt Russland etwa 74 Millionen Feinunzen, rund 2.300 Tonnen, die fünftgrößte Goldreserve der Welt.
Käufer und Wege
Rzeczpospolita nennt China als Hauptabnehmer des Goldes, während naTemat berichtet, das Metall gelange über Hongkong auf stillen Wegen nach China. Reuters, zitiert von Ziare.com, bezeichnet die Bank Rossii als größten Goldverkäufer unter den Zentralbanken weltweit. Rzeczpospolita zufolge dürften auch die hohen Weltmarktpreise für Gold den Entschluss zu verstärkten Verkäufen begünstigt haben. Gemessen an 1998 liegt der aktuelle Rückgang der Reserven seit Dezember 2025 bei etwa 62 Tonnen – mehr als der Netto-Rückgang von 1998, aber weniger als die 118 Tonnen, die in den drei Monaten des Jahres 1998 verkauft wurden.
- Verkäufe 1998 (drei Monate)
- 118 Tonnen
- Netto-Rückgang der Reserven 1998
- 50 Tonnen
- Rückgang der Reserven, Dezember 2025 bis September 2026
- 62 Tonnen
Daten aus dem Artikeltext