
Russland nimmt japanischen Journalisten der Hokkaido Shimbun auf Sachalin wegen Spionagevorwurfs fest
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB teilt mit, er habe einen japanischen Korrespondenten der Hokkaido Shimbun in der Region Sachalin unter dem Verdacht der Spionage für den japanischen Geheimdienst festgenommen. Der Mann wurde nach Moskau geflogen und in Untersuchungshaft genommen.
Festnahme auf Sachalin
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB teilte am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, mit, er habe einen Japaner festgenommen, der als Korrespondent für die Zeitung Hokkaido Shimbun in der Region Sachalin im russischen Fernen Osten tätig war. Der Mann sei beim russischen Außenministerium akkreditiert gewesen und habe aus dem Büro der Zeitung in Juschno-Sachalinsk gearbeitet, erklärte die Behörde. Dem FSB zufolge stand er im Verdacht, Informationen über die Verteidigungsfähigkeit Russlands gesammelt und gespeichert zu haben, um sie an einen japanischen Geheimdienst weiterzugeben und gegen die Sicherheit der Russischen Föderation einzusetzen. Der FSB erklärte, er sei am Vorabend seiner geplanten Ausreise aus Russland festgenommen worden. Die Erklärung wurde von den Nachrichtenagenturen Interfax und TASS verbreitet.
Haft und Vorwürfe
Nach der Festnahme wurde er nach Moskau geflogen und in Haft genommen. Ermittler des FSB eröffneten ein Strafverfahren nach Artikel 276 des russischen Strafgesetzbuchs, der Spionagevorschrift. Ein Bezirksgericht in Lefortowo ordnete Untersuchungshaft an – eine Maßnahme, die kein Urteil darstellt. Der FSB gab seine Identität nicht bekannt und nannte ihn in seiner Erklärung nicht. Weitere Ermittlungsschritte sollten folgen, berichteten die russischen Agenturen, die die Mitteilung verbreiteten.
Streit um die Kurilen
Der Fall fällt in eine Zeit verschlechterter Beziehungen zwischen Moskau und Tokio, seit Wladimir Putin im August erstmals die Kurilen besuchte. Japan bezeichnete diesen Besuch als inakzeptabel und erhebt Anspruch auf einen Teil des Archipels. Russland nennt die Inseln Südliche Kurilen, Japan bezeichnet sie als Nördliche Territorien. Es handelt sich um Iturup (Etorofu), Kunaschir (Kunaschiri), Schikotan und die Habomai-Gruppe, die administrativ zur Region Sachalin gehören. Japan erklärt, sie fielen weiterhin unter die Präfektur Hokkaido und würden von Russland illegal besetzt. Tokio verzögert seit Jahrzehnten den Abschluss eines Friedensvertrags und strebt die Souveränität über die Inseln an, wobei es sich auf einen bilateralen Vertrag vom 7. Februar 1855 beruft, während der Kreml sich auf Abkommen stützt, die am Ende des Zweiten Weltkriegs geschlossen wurden.
Weiterer sicherheitspolitischer Kontext
Japan hat seine Haltung gegenüber Russland verschärft, seit Moskau 2022 seinen groß angelegten Angriff auf die Ukraine begann. Russland und China haben sich zuletzt angenähert, und ihre Marine- und Luftstreitkräfte führen gemeinsame Übungen in Gebieten nahe Japan durch. Diese Übungen führen dazu, dass japanische Kampfflugzeuge hunderte Male im Jahr aufsteigen müssen. Die Festnahme wurde am selben Tag bekannt gegeben, an dem russische Behörden den Fall als Geheimdienstoperation mit Bezug zu einem japanischen Dienst bezeichneten. Bislang stützt sich die Darstellung des Falls auf die FSB-Erklärung, wie sie von den Agenturen verbreitet wurde.


