
Russland eröffnet dreitägige Parlamentswahl – Kremlkritiker und Anti-Kriegs-Kandidaten ausgeschlossen
Am Freitag öffneten in ganz Russland die Wahllokale für eine dreitägige Parlamentswahl, bei der die 450 Sitze der Staatsduma neu vergeben werden. Rund 113 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen.
Abstimmung beginnt in elf Zeitzonen
Am Freitag, dem 18. September 2026, öffneten im russischen Fernen Osten die Wahllokale und läuteten eine dreitägige Parlamentswahl ein. Rund 113 Millionen Bürger sind berechtigt, ihre Stimme für alle 450 Sitze der Staatsduma, dem Unterhaus des russischen Parlaments, abzugeben. Die Abstimmung endet am Sonntag um 18:00 GMT, erste Auszählungen werden unmittelbar nach Schließung der Wahllokale erwartet. Diese Wahl ist die erste Parlamentswahl seit dem Beginn der groß angelegten Invasion der Ukraine durch Moskau im Februar 2022. Um die Verwaltungsreichweite zu erweitern, haben die russischen Behörden auch in besetzten und annektierten Gebieten der Ostukraine Wahlinfrastruktur eingerichtet.
- Wahllokale im russischen Fernen Osten öffnen für drei Tage Abstimmung
- Abstimmung endet in allen Wahllokalen um 18:00 GMT
- Wahlbeamte geben vorläufige Ergebnisse bekannt
Repression gegen kommunistische und Anti-Kriegs-Persönlichkeiten
Zehn registrierte politische Parteien stehen auf dem Stimmzettel, wobei alle zugelassenen Formationen Präsident Wladimir Putin und den Militärfeldzug in der Ukraine unterstützen. Auf dem Stimmzettel stehen die regierende Partei Einiges Russland sowie die Kommunistische Partei der Russischen Föderation (KPRF), die nationalistische Liberaldemokratische Partei Russlands (LDPR), Gerechtes Russland und Neue Leute. Während die KPRF mit 56 Sitzen die zweitgrößte Parlamentsfraktion stellt, haben die Behörden ihre nicht linientreuen Persönlichkeiten eingeschränkt. Disziplinarmaßnahmen gegen kritische Kommunisten folgen früheren Präzedenzfällen, darunter die Entfernung des ehemaligen Moskauer Parteichefs Valeri Raschkin im Jahr 2021, nachdem er Straßenproteste gegen angeblichen Wahlbetrug angeführt hatte. Andrei Tsukanov, Mitglied des Exekutivkomitees der Linken Front, der zuvor 2022 von Kommunalwahlen ausgeschlossen worden war, schilderte die derzeitige Durchsetzungskampagne.
Wir Kommunisten werden seit etwa einem halben Jahr sehr schwer verfolgt. Gegen uns wurden in vielen Regionen, insbesondere in den roten Provinzen, massenhaft Straf- und Verwaltungsverfahren eingeleitet.
Anti-Kriegs-Fraktionen sind vollständig von der Wahl ausgeschlossen. Die liberale Partei Jabloko wurde kurz vor der Wahl von der Teilnahme ausgeschlossen, und ihr führender Funktionär Lew Schlosberg wurde wegen Verurteilung des Krieges inhaftiert. Jabloko behielt bis zum 11. September 2026 103 seiner 137 Einzelwahlkreiskandidaten, danach wurden mehrere weitere Kandidaten disqualifiziert oder mit der Einberufung an die Front bedroht.
Wahlverfahren und öffentliche Stimmung
Nach dem russischen Wahlrecht wird die Hälfte der 450 Sitze über proportionale Parteilisten vergeben, während die anderen 225 Sitze in Einzelwahlkreisen vergeben werden. Jüngste Grenzziehungen haben besetzte ukrainische Gebiete in diese Einzelwahlkreise integriert, was strukturelle Vorteile für Einiges Russland schafft, das seit den frühen 2000er Jahren die Parlamentsgeschäfte kontrolliert. José Ángel López, Professor für Völkerrecht an der Universidad Pontificia Comillas ICADE, beschrieb die politische Funktion der Wahl.
Die Wahlen dienen als Meinungsumfrage, um den Puls der russischen Gesellschaft zu fühlen, und um Putin unter einer Maskerade angeblicher Demokratie an der Macht zu halten, was dem Regime vor dem russischen Volk eine gewisse Legitimität verleiht.
Trotz des Fehlens von Anti-Kriegs-Alternativen auf dem Stimmzettel spiegeln Umfragen eine weit verbreitete Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung wider. Eine Umfrage des Lewada-Zentrums ergab, dass 59 % der Russen ein sofortiges Ende der Militäroperationen und die Aufnahme von Friedensgesprächen befürworten, obwohl der Kreml weiterhin jeden Waffenstillstandsvorschlag ablehnt.


