
Russland stellt Vermögenswerte von Nestlé, Auchan und Lemana Pro unter staatliche Verwaltung
Ein von Wladimir Putin unterzeichnetes Dekret überträgt die operative Kontrolle über russische Tochtergesellschaften von Nestlé, Auchan und Lemana Pro an die russische Einheit L.E.V. Management.
Präsidentielles Dekret überträgt ausländische Vermögenswerte
Der russische Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am 17. September 2026 ein Dekret, das die russischen Geschäfte des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, der französischen Supermarktkette Auchan und der Baumarktkette Lemana Pro unter vorübergehende staatliche Zwangsverwaltung stellt. Das Dekret überträgt die Verwaltungsbefugnis über die Vermögenswerte an ein russisches Unternehmen namens L.E.V. Management. Die Anordnung betrifft auch drei russische Tochtergesellschaften des französischen Logistikdienstleisters FM Logistic. Die ausländischen Mutterkonzerne behalten formal das Eigentum an den Vermögenswerten, verlieren jedoch jegliche Entscheidungs- und Betriebsbefugnis über ihre russischen Beteiligungen. Nestlé reagierte auf die Ankündigung über die Schweizer Finanznachrichtenagentur AWP.
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Struktur und Führung von L.E.V. Management
Die empfangende Einheit L.E.V. Management wurde im Oktober 2024 in Moskau registriert. Das Recherchemedium Nowaja Gaseta Europa berichtete, dass Unternehmensregister bis Ende 2025 keine Geschäftstätigkeit, eine unbekannte Eigentümerstruktur und nur einen Angestellten ausweisen. Der Geschäftsführer des Unternehmens ist Andrei Krajuschkin, dessen Name und Geburtsdatum mit denen eines Generals des Innenministeriums übereinstimmen, der zwischen 2016 und 2020 als erster stellvertretender Leiter der Migrationsdirektion tätig war.
Laut seinen Buchhaltungsunterlagen übte es zumindest bis Ende desselben Jahres keine Tätigkeit aus. Es hat nur einen Angestellten. Seine Eigentümer sind unbekannt.
Auswirkungen auf Einzelhandelsnetze und Lebensmittelproduktion
Das Dekret erfasst Schlüsseltochtergesellschaften der betroffenen Gruppen, darunter Nestlé Russland, Nestlé Kuban, Nestlé Deutschland AG und Société des Produits Nestlé. Die Geschäfte in Russland erwirtschaften etwa 2 % des globalen Umsatzes von Nestlé, und die Investmentbank JPMorgan schätzt, dass ein erzwungener Notverkauf den Gewinn pro Aktie um bis zu 4 % schmälern könnte. Für Auchan, das Dutzende von Hyper- und Supermärkten betreibt und über 33.000 Mitarbeiter in Russland beschäftigt, beschlagnahmt das Dekret Anteile, die über die französische Einheit Sogepar gehalten werden. Im Fall von Lemana Pro, ehemals Leroy Merlin, überträgt die Maßnahme einen 99,993-prozentigen Anteil, der von der in den VAE ansässigen Scenari Holding LP gehalten wird, sowie einen 0,007-prozentigen Anteil der französischen Firma Adeo. Sowohl Auchan als auch das ehemalige Leroy-Merlin-Netzwerk werden von der französischen Familie Mulliez kontrolliert, deren Sportartikelhändler Decathlon den Betrieb in Russland im März 2022 einstellte.
Petitionen und frühere staatliche Übernahmen
Dem Präsidentendekret geht eine Petition des russischen Logistikunternehmens KS Logistika vom August 2026 voraus, in der Wladimir Putin gebeten wurde, fünf Nestlé-Rechtseinheiten unter staatliche Verwaltung zu stellen, nachdem der Schweizer Konzern Investitionen und Markenexporte eingestellt hatte. Lemana Pro teilte der Nachrichtenagentur TASS mit, dass es keine vorherige Benachrichtigung über die Übertragung erhalten habe, und bat die Behörden um offizielle Klarstellungen. Im Herbst 2024 berichteten französische Medien, dass Auchan versuchte, sein Russlandgeschäft zu verkaufen, wobei zwei potenzielle Käufer identifiziert wurden, darunter die Gazprombank. Der Schritt folgt ähnlichen Maßnahmen gegen ausländische Unternehmen seit 2022, darunter die Beschlagnahmungen russischer Vermögenswerte von Danone, Carlsberg und Heineken im Jahr 2023, nach denen die Danone-Tochter an einen Neffen des tschetschenischen Führers Ramsan Kadyrow übertragen wurde.
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