- 15.10.CSIS veröffentlicht Analyse der Annäherung
- 17.10.Satelliten am Samstag laut Langbroek ein bis zwei Kilometer voneinander entfernt
- 18.10.Am Sonntag laut Langbroek wenige hundert Meter Abstand, während ein anderer Bahnverfolger 26 Meter meldet
Trackingdaten zeigen eine enge Annäherung
Der russische Militärsatellit Kosmos-2612 ist bis auf 26 Meter an ICEYE-X36 herangekommen, einen kommerziellen Radar-Satelliten des finnischen Unternehmens ICEYE, der ursprünglich in den Vereinigten Staaten registriert war. Nach Angaben des Überwachungsdienstes Orbital Radar sind die beiden Flugkörper 26 Meter voneinander entfernt, während jede Annäherung unter einem Kilometer als kritisch gilt. Ihre Relativgeschwindigkeit zueinander wurde mit null angegeben. Das Radar kann den Boden bei Nacht und durch dichte Wolken abbilden, was es für die Verfolgung von Truppenbewegungen und Militärfahrzeugen nützlich macht. Die Ukraine nutzt die Daten des Satelliten, und das Unternehmen hat auch Regierungskunden in den USA mit Satellitendaten beliefert.
Wie sich die Annäherung entwickelte
Marco Langbroek, Satellitenexperte an der TU Delft, verfolgt die Bewegungen und sagt, die Annäherung habe sich über Wochen aufgebaut. Einer am 15. Oktober veröffentlichten Analyse des Center for Strategic and International Studies (CSIS) zufolge führte Kosmos-2612 Ende September eine Reihe von Manövern durch, um sich in die Bahnebene von ICEYE-X36 einzufügen. Am 12. Oktober habe der russische Satellit Berichten zufolge eine Geschwindigkeitskorrektur von etwa 27,9 Metern pro Sekunde vorgenommen und sich auf einer Umlaufbahn in rund 555 Kilometern Höhe eingependelt. Langbroek bezifferte den Abstand am Samstag, 17. Oktober, auf ein bis zwei Kilometer und am Sonntag, 18. Oktober, auf wenige hundert Meter; genauer könne er ihn nicht messen. Kosmos-2612 wurde im April 2026 zusammen mit fünf weiteren russischen Satelliten gestartet.
In einem Blogbeitrag warnte Langbroek, die Lage sei besorgniserregend.
„Im Weltraum spielt sich ein beunruhigendes Katz-und-Maus-Spiel ab.“
Russland ist schon früher auf andere Satelliten zugeflogen, doch frühere Annäherungen betrafen Kommunikationssatelliten, die möglicherweise zum Abhören ausgespäht wurden.
Warum der Satellit für die Ukraine wichtig ist
Der ukrainische Militärgeheimdienst schreibt den Bildern und Informationen des Satelliten zu, dass mehr als 7.000 russische Fahrzeuge an der Front zerstört werden konnten. Iceye, 2014 in Finnland gegründet, zählt die Rüstungsunternehmen Rheinmetall und Saab zu seinen Kunden und schloss nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine Vereinbarungen über die Lieferung von Satellitendaten. Trishkin sagt, es sei nicht bekannt, ob Kiew speziell von ICEYE-X36 Aufklärungsdaten erhält. Berichten zufolge hat Russland gewarnt, jeder für die Ukraine im Krieg nützliche Satellit sei ein legitimes Ziel.
Was als Nächstes passieren könnte
Von Golem befragte Experten nennen mehrere Szenarien: Kosmos-2612 könnte ICEYE-X36 folgen, um dessen Signale zu stören und ihn außer Betrieb zu setzen, oder versuchen, ihn mit Lasern zu beschädigen. Eine dritte Möglichkeit ist schlichte Ausspähung. Blick merkt an, dass noch nie ein feindlicher Satellit während eines Krieges abgeschossen wurde, obwohl Russland, China und die Vereinigten Staaten bei Militärtests Satelliten zerstört haben. Trishkin hält es für möglich, dass Moskau die Betreiber von ICEYE dazu zwingen will, die Umlaufbahn häufig zu korrigieren, was Treibstoff kostet und die Lebensdauer des Satelliten verkürzt. Langbroek bezeichnet den besten Fall als Provokation und den schlimmsten als Versuch, den Satelliten außer Gefecht zu setzen.
„Jetzt sieht es wirklich eher nach einer Vorbereitung darauf aus, einen feindlichen Satelliten tatsächlich abzuschalten.“
Langbroek fragt zudem, ob dies der erste echte Angriff auf einen Satelliten sein könnte, und warnt, dass es bei einem plötzlichen Ausfall von ICEYE-X36 schwer wäre, Kosmos-2612 eindeutig dafür verantwortlich zu machen. Auch andere Bahnverfolger halten das Manöver für absichtlich. Iceye hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht auf die Berichte reagiert, und Langbroek erwartet, dass die kommenden Stunden und Tage zeigen werden, was Russland beabsichtigt.