
Rumänisches Parlament ernennt Interimsleiter für TVR und Radio România nach fraktionsübergreifender Abstimmung
Die Gemeinsamen Ständigen Büros des rumänischen Parlaments haben am Dienstag nach einer fraktionsübergreifenden Abstimmung die Journalistin Sorina Matei zur Interimsleiterin des TVR und Răzvan Dincă zum Interimsleiter von Radio România für jeweils 60 Tage ernannt.
Parlamentsabstimmung und Führungsernennungen
Am 8. September 2026 haben die Gemeinsamen Ständigen Büros der rumänischen Abgeordnetenkammer und des Senats Interimsleitungen für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten des Landes bestätigt. Die Journalistin Sorina Matei wurde zur Interims-Generaldirektorin des Rumänischen Fernsehens (TVR) ernannt und ersetzt Adriana Săftoiu. Im gleichen Verfahren wurde Răzvan Dincă zum Interims-Generaldirektor von Radio Rumänien (Radio România) ernannt und ersetzt Robert Schwarz. Beide Interimsernennungen haben eine Amtszeit von 60 Tagen. Die Abstimmung erfolgte, nachdem das Verfassungsgericht Rumäniens eine frühere Parlamentsentscheidung zur Leitung des TVR für ungültig erklärt hatte. Die Ernennungen wurden mit den gemeinsamen Stimmen der Sozialdemokratischen Partei (PSD), der Allianz für die Vereinigung der Rumänen (AUR) und SOS Rumänien angenommen.
Wir wussten, dass es durchgehen würde, und wir haben auch für ihren Mann beim Radio gestimmt.
Reaktion der Opposition und Kritik an der Koalition
Die Ernennungen stießen sofort auf Kritik der Nationalliberalen Partei (PNL) und der Rettet-Rumänien-Union (USR), die der PSD vorwarfen, eine politische Absprache mit der AUR getroffen zu haben. Vertreter der PNL erklärten, der TVR werde von rumänischen Steuerzahlern finanziert, und argumentierten, dass die Kontrolle über die öffentlich-rechtlichen Medien nicht zu politischer Währung werden dürfe. Die PNL-Abgeordnete Raluca Turcan stellte fest, dass die beiden Parteien innerhalb einer Woche zum zweiten Mal öffentliche Posten durch Parlamentsabstimmungen aufgeteilt hätten. Die USR warf der PSD ebenfalls vor, extremistischen Gruppierungen direkten Zugang zur Führung der Staatsmedien zu verschaffen, und verglich die Situation mit den Veränderungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter Viktor Orbán in Ungarn. Beide Oppositionsparteien argumentierten, dass die Übertragung der TVR-Führung an einen Kandidaten der AUR Risiken für staatliche Institutionen, strategische Partnerschaften und die europäische Integration berge.
Es ist keine einfache Ernennung. Es ist das Ergebnis einer politischen Vereinbarung zwischen PSD und AUR, durch die die Sozialdemokraten beschlossen haben, eine der wichtigsten Informationsinstitutionen Rumäniens einer extremistischen Partei zu überlassen.
Redaktionelle Ziele und interne Prüfungspläne
Nach ihrer Ernennung erklärte Sorina Matei in einem Interview mit Gândul, dass ihre Priorität während der zweimonatigen Interimszeit darin bestehe, journalistische Standards wiederherzustellen und die Finanzen der Institution zu bewerten. Sie stellte fest, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen häufig unter politischer Patronage und dem Eindruck von Parteieinmischung in der Öffentlichkeit gelitten habe. Matei kündigte an, eine sofortige Überprüfung der bestehenden Verträge und der Haushaltsführung beim TVR durchzuführen. Sie schloss sofortige Personalreinigungen in den Redaktionen aus und erklärte, dass sie die Arbeit etablierter Feldjournalisten, die zuvor marginalisiert worden seien, stärken wolle.
Zuallererst möchte ich, dass der Journalismus an erster Stelle steht. Mich interessiert die finanzielle Situation des Rumänischen Fernsehens, mich interessiert ausgewogene Inhalte und viel mehr Gewicht auf Journalismus zu legen. Ich möchte, dass es neutral und unparteiisch ist.
Medienbilanz und nächste Schritte
Die Ernennung zog auch Kommentare zum früheren Medienverhalten während nationaler Wahlkämpfe nach sich. Der Anwalt Gabriel Biriș kritisierte die Entscheidung am 8. September und schilderte eine von Matei moderierte Fernsehdebatte im Herbst 2012 auf România TV. Biriș argumentierte, dass die politische Berichterstattung in Rumänien oft oberflächliche Kontroversen über programmatische Diskussionen gestellt habe. Unterdessen kehrt Răzvan Dincă bei Radio România auf die Position zurück, die er bereits zwischen 2021 und 2025 innehatte. Die 60-tägigen Interimszeiten für beide Rundfunkanstalten erfordern nach Ablauf der Übergangszeit dauerhafte Parlamentsbeschlüsse.
- Sorina Matei moderiert eine Parlamentswahldebatte mit Gabriel Biriș auf România TV.
- Răzvan Dincă absolviert seine erste Amtszeit als Präsident von Radio România.
- Die Parlamentsführung genehmigt 60-tägige Interimszeiten für Sorina Matei beim TVR und Răzvan Dincă bei Radio România.

