
Spanische Richterin María Tardón ordnet Telefonprotokolle aus Ceuta im Verfahren zur Grenzkrise vom Juli 2026 an
Die Richterin am Nationalen Gerichtshof María Tardón hat Ceutas Präsidenten Juan Jesús Vivas angewiesen, Telefonaufzeichnungen vom 27. bis 30. Juli 2026 vorzulegen, um zu klären, ob Vertreter der Zentralregierung Warnungen ignorierten, bevor 80.000 Migranten in die Enklave gelangten.
Gerichtliche Anordnung von Telefonaufzeichnungen
Die Richterin am Nationalen Gerichtshof María Tardón hat eine gerichtliche Anordnung erlassen, die die Regierung von Ceuta verpflichtet, sämtliche Telefonprotokolle der Kommunikation mit dem Büro des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez zwischen dem 27. und 30. Juli 2026 vorzulegen. Die Anordnung, die mit größter Dringlichkeit zugestellt werden soll, zielt darauf ab, den offiziellen Austausch vor der Einreise von 80.000 Migranten in die autonome Stadt aufzuklären. Die Entscheidung folgt einer Zeugenaussage, die Ceutas Präsident Juan Jesús Vivas am 30. September 2026 abgegeben hat. Vivas sagte aus, die Regionalbehörden hätten wiederholt versucht, die Zentralregierung auf die sich entwickelnde Lage aufmerksam zu machen, ohne eine angemessene Antwort zu erhalten.
Widersprüchliche Darstellungen der Warnungen an die Moncloa
Während seiner Anhörung vor Gericht sagte Vivas aus, er habe zwischen dem 27. und 30. Juli 2026 zehnmal versucht, Sánchez zu kontaktieren, um sofortige Unterstützung zu erbitten. Laut Vivas antwortete die Zentralregierung nur auf drei dieser Versuche, wobei die Kommunikation ausschließlich über den Stabschef der Moncloa, Diego Rubio, und nicht über den Ministerpräsidenten lief. Vivas gab an, bei diesen Kontakten am 27. Juli förmlich die Ausrufung des nationalen Notstands, die Ernennung eines einzigen Befehlshabers und zusätzliche Polizeieinsätze gefordert zu haben.
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- Vivas ruft die Moncloa an und spricht mit Stabschef Diego Rubio
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- Vivas sagt vor dem Nationalen Gerichtshof als Zeuge aus
- Richterin Tardón erlässt eine Anordnung zur Anforderung der Telefonprotokolle der Regierung von Ceuta
Vertreter der Zentralregierung in Madrid bestritten Vivas' Aussage vor Gericht. Vertreter der Moncloa erklärten, sie hätten keine Aufzeichnung über zehn Anrufe, und behaupteten stattdessen, Vivas habe nur einmal – am Nachmittag des 30. Juli – um ein direktes Gespräch mit Sánchez gebeten, das noch am selben Tag stattgefunden habe. Vivas hielt daran fest, dass die Kontakte auf Ministerebene in den Ressorts Inneres, Territorialpolitik und Auswärtiges die Warnungen als routinemäßigen Migrationsdruck behandelt hätten. Er legte Pressemitteilungen und Protokolle von Sitzungen der Regionalregierung vor, um seine Darstellung zu stützen.
Geheimdienstwarnungen und Strafverfahren gegen ehemaligen Delegierten
Die gerichtliche Untersuchung umfasst auch ein separates Vorverfahren, das Richterin Tardón am 28. September 2026 gegen den ehemaligen Regierungsdelegierten in Ceuta, Miguel Ángel Pérez Triano, eröffnet hat. Auslöser der Ermittlungen ist eine Strafanzeige des Juristenverbands Abogados Cristianos, die Pérez Triano Rechtsbeugung und Störung der öffentlichen Ordnung vorwirft. Der ehemalige Stabschef Gonzalo Sanz sagte vor Gericht aus, er habe Pérez Triano am 29. Juli 2026 über Warnungen des Nationalen Nachrichtendienstes informiert. Der Geheimdienst hatte vor koordinierten Online-Kampagnen gewarnt, die zu massenhaften irregulären Grenzübertritten über den Wellenbrecher von Tarajal und die umliegenden Seerouten aufriefen. Die Anzeige soll klären, welche Verwaltungsmaßnahmen nach Erhalt dieser Geheimdienstwarnungen ergriffen wurden.
Ausweitung der Verfahren am Nationalen Gerichtshof
Die Untersuchung wurde ursprünglich nach einer Anzeige der Organisation Iustitia Europa eingeleitet, die Vergehen gegen den Staatsfrieden und die Staatssicherheit geltend machte. Abogados Cristianos hat Richterin Tardón förmlich ersucht, sowohl Ministerpräsident Pedro Sánchez als auch Innenminister Fernando Grande-Marlaska als Zeugen zur Entscheidungskette zu laden. Die juristische Vertreterin Polonia Castellanos betonte die Notwendigkeit, die Verantwortlichkeiten der Amtsträger zu prüfen.
Die Gerichte müssen bis zum Ende gehen und klären, wer was wusste, welche Entscheidungen getroffen wurden und wer dafür zur Verantwortung gezogen werden muss.
Richterin Tardón hat die Anzeige der Staatsanwaltschaft vorgelegt, um eine förmliche Einschätzung dazu einzuholen, ob Kabinettsminister befragt werden sollen. Darüber hinaus hat die Richterin die lokalen Gerichte in Ceuta ersucht, damit zusammenhängende Anzeigen von Verbänden wie Manos Limpias, Hazte Oír und Vox an den Nationalen Gerichtshof abzugeben, um die Verfahren zu bündeln.


