
Deutsche Schifffahrt warnt: Rhein könnte geteilt werden – Pegel Kaub sinkt auf einstellige Werte
Der Wasserstand am Pegel Kaub soll in dieser Woche auf einstellige Werte sinken, was den Güter- und Kreuzfahrtverkehr lahmlegen und den Rhein in zwei schiffbare Zonen teilen könnte, warnte der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt.
Niedrigwasser droht den Rhein zu teilen
Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) warnte am Montag, dass die Wasserstände am Pegel Kaub, einem kritischen Engpass für die Rheinschifffahrt südlich von Koblenz in einem der flachsten Abschnitte des Mittelrheins, in der laufenden Woche erstmals in den einstelligen Bereich sinken werden. Der Pegel Kaub dient als Referenzwert für die Rheinschifffahrt. Dem Rückgang geht eine anhaltende Regenlosigkeit voraus, und BDB-Hauptgeschäftsführer Jens Schwanen sagte der Rheinischen Post, dass die Entwicklung der Wasserstände nichts Gutes verheiße und die Fahrrinne in diesem Abschnitt bereits relativ flach sei.
Die gewerbliche Schifffahrt wird bei solch niedrigen Wasserständen keine Güter mehr in der Region transportieren können. Gleiches gilt für Tagesausflüge und die Kreuzfahrtschifffahrt.
Schwanen sagte, dass der Rhein dann grundsätzlich nicht mehr auf seiner gesamten Länge befahrbar wäre und in zwei Teile geteilt würde. Die Schifffahrt würde zwischen den ARA-Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen, dem nördlichen Teil des deutschen Rheins und dem westdeutschen Kanalnetz bis etwa Köln weiterlaufen. Südlich dieser Lücke würde der Verkehr auf Nebenflüssen wie Main, Mosel, Neckar und dem Main-Donau-Kanal bestehen bleiben.
Krisenreaktion der Regierung
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) berief am Donnerstag in Bonn eine Krisenkonferenz mit Vertretern der Schifffahrt und Industrie ein, um angesichts wiederholter Niedrigwasserrekorde am Rhein Lösungen zu erörtern. Optionen zur Verlagerung von Gütern auf Schiene und Straße, koordiniert von Staatssekretärin Claudia Stutz aus dem Bundesverkehrsministerium, sollten am Montag diskutiert werden.
- Bundesverkehrsminister Bilger hält Krisenkonferenz in Bonn mit Vertretern der Schifffahrt und Industrie ab
- Erste Bundesländer setzen Sonn- und Feiertagsfahrverbote für Lkw aus
- BDB warnt: Wasserstand bei Kaub soll einstellig werden; Straßen- und Schienenoptionen unter Claudia Stutz erörtert
- Baumaßnahmen an Straßen, Schiene und Wasserstraßen sollen überprüft werden
Es ist daher richtig, dass bereits an diesem Montag Optionen für den verstärkten Einsatz von Schiene und Straße unter der Koordination von Claudia Stutz, Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, besprochen werden.
Ein weiteres Treffen am Mittwoch wird über anstehende Bauprojekte an Straße, Schiene und Wasserwegen beraten. Schwanen sagte, jede Einschränkung der Infrastruktur durch verschiebbare Baustellen solle vermieden werden. Er wies darauf hin, dass das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt „Westdeutsche Kanäle“ auf dringendes Ersuchen des BDB bereits zugesagt habe, eine für Ende August geplante siebenwöchige Vollsperrung der Schleuse Wanne-Eickel am Rhein-Herne-Kanal zu verschieben. Diese Ausweichroute über den Kanal bleibe während der Krise verfügbar.
Bundesländer lockern Lkw-Beschränkungen
Um durch die niedrigen Flusspegel verursachte Transportengpässe zu entschärfen, lockerten vier Bundesländer am Wochenende die Lkw-Beschränkungen. Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, und Niedersachsen hoben die Sonn- und Feiertagsfahrverbote für Lkw bis Ende August vorläufig auf. Rheinland-Pfalz und das Saarland setzten die Verbote bis Ende September aus. In Nordrhein-Westfalen werden bestimmte Lkw-Transporte in den nächsten drei Wochen auch samstags erlaubt sein, trotz der saisonalen Reisebeschränkungen, die normalerweise an Samstagen während der Reisezeit gelten.
Bilger hatte auf der Konferenz am Donnerstag die Aussetzung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots vorgeschlagen, um während der Niedrigwasserperiode mehr Güter auf der Straße transportieren zu können. Die ersten Bundesländer setzten den Plan am Freitag um.


