
Rheinmetall und Hessen kündigen 270-Millionen-Euro-Verteidigungsausbau in Kassel und Calden an
Das Projekt umfasst ein 30.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum, eine Drohnentestanlage und eine erweiterte Fertigungskapazität für bis zu 500 Boxer-Schützenpanzer pro Jahr.
Ausbaupläne in Nordhessen
Rheinmetall und die hessische Landesregierung haben vereinbart, die Rüstungsproduktion und Prüfinfrastruktur in Nordhessen mit Gesamtinvestitionen von 270 Millionen Euro auszubauen. Rheinmetall-Chef Armin Papperger und Hessens Ministerpräsident Boris Rhein unterzeichneten am 27. August 2026 am Flughafen Kassel in Calden eine Absichtserklärung. Im Rahmen der Vereinbarung investiert Rheinmetall mehr als 260 Millionen Euro in sein Kasseler Produktionswerk und die Flughafenanlagen, unterstützt durch 25 Millionen Euro Landesförderung. Die geplante Infrastruktur am Standort Calden umfasst ein Logistik- und Technologiezentrum mit einer Fläche von über 30.000 Quadratmetern, das bis Ende 2027 fertiggestellt werden soll, sowie eine eigene Drohnentestanlage. Die Initiative integriert auch das Hessische Drohnenkompetenzzentrum, das mit acht Millionen Euro vom Land gefördert wird und von der TU Darmstadt betrieben wird.
Papperger skizzierte das industrielle Ziel für das erweiterte Kasseler Werk während der gemeinsamen Ankündigung.
Kassel wird das größte Panzerwerk Europas.
Produktionsziele und Projekt Arminius
Die Werkserweiterung ist darauf ausgelegt, eine jährliche Produktion von bis zu 500 Boxer-Radpanzern zu unterstützen, die Rheinmetall in einem Joint Venture mit KNDS Deutschland fertigt. Der Ausbau bereitet den Standort auf das geplante Arminius-Beschaffungsprogramm der Bundeswehr vor, das einen ersten Auftrag im Wert von 12,4 Milliarden Euro für mehr als 1.500 Boxer-Fahrzeuge vorsieht. Folge-Rahmenverträge im Umfang von 14 bis 26 Milliarden Euro könnten die Beschaffung auf mehr als 5.000 Fahrzeuge ausweiten, das potenzielle Projektvolumen auf knapp 40 Milliarden Euro bringen und den Betrieb des Werks bis 2040 sichern. Die endgültigen Vertragsdetails sollen in der zweiten Septemberwoche 2026 abgeschlossen sein, bevor am 9. Dezember 2026 eine Beschaffungsvorlage über 25 Millionen Euro an den Haushaltsausschuss des Bundestags geht.
- Erste Gespräche zur Erweiterung zwischen Rheinmetall und hessischen Vertretern auf der Münchner Sicherheitskonferenz
- Rheinmetall und Hessen unterzeichnen Absichtserklärung für die 270-Millionen-Euro-Verteidigungserweiterung
- Zieltermin für den Abschluss der Vertragsdetails für die Beschaffung des Boxer-Panzers
- Haushaltsausschuss des Bundestags soll den Beschaffungsvorschlag für den Boxer prüfen
- Voraussichtliche Inbetriebnahme des 30.000 Quadratmeter großen Logistikzentrums in Calden
Personalwachstum und regionale Auswirkungen
Die Fertigungsinitiative soll an beiden Standorten über 1.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Belegschaft am Standort Kassel, die von 1.000 Beschäftigten Anfang 2022 auf 2.200 im August 2026 gestiegen ist, soll bis Ende 2028 auf 3.000 Mitarbeiter anwachsen. Die Anlage am Flughafen Calden wird zwischen 130 und 200 Arbeitsplätze hinzufügen, so dass die regionale Gesamtbelegschaft bei rund 3.500 liegt. Konzernweit plant Rheinmetall, seine globale Belegschaft bis 2030 auf 70.000 Mitarbeiter auszubauen. Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori erläuterte bei der Präsentation die wirtschaftliche Logik hinter der inländischen Rüstungsbeschaffung.
Es ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes, dass wir die Milliarden, die jetzt ausgegeben werden müssen, im eigenen Land behalten.
- Anfang 2022
- 1000 Mitarbeiter
- August 2026
- 2200 Mitarbeiter
- Ende 2028
- 3000 Mitarbeiter
- Ziel gesamt
- 3500 Mitarbeiter
Lieferkritik und Qualitätsstreitigkeiten
Der Ausbau fällt mit externer Kritik an Lieferterminen und Ausrüstungsqualität zusammen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte zuvor Kritik an Produktionsverzögerungen beim Schweren Waffenträger Infanterie der Bundeswehr geäußert, ebenso wie berichtete Verzögerungen beim Luftfahrzeug Caracal und dem in Kassel gebauten Kodiak-Pionierpanzer. Zeitgleich brachte Berlins Innensenatorin Iris Spranger vor dem Landesparlamentsausschuss Beschwerden über mehr als 5.200 ballistische Schutzplatten vor, die 2017 geliefert wurden und vor Ablauf ihrer zehnjährigen Garantie versagten.
Spranger äußerte sich während einer Anhörung des Innenausschusses des Landtags zu dem ballistischen Versagen.
Es ist ein absolut inakzeptabler Qualitätsmangel bei einem Produkt der Firma Rheinmetall.


