DLRG-Freiwillige trainieren in trübem Neckarwasser – Veteran spricht über seelische Belastung
Freiwillige Taucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft versammelten sich in Ludwigsburg zu Übungen im Neckar. Mit Signalleinen navigierten sie bei nahezu Nullsicht während Unterwasser-Suchoperationen.
Übungen am Neckar
Freiwillige Rettungsteams der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) werden regelmäßig in Flüssen und Seen Südwestdeutschlands eingesetzt, um Vermisste zu suchen. Bei einer Übung nahe Ludwigsburg traf eine örtliche DLRG-Gruppe mit Einsatzfahrzeugen an einer Neckar-Stelle ein, um Suchabläufe zu proben. Die ehrenamtlichen Taucher zogen am Ufer Neoprenanzüge an, befestigten Brustgurte für Signalleinen und montierten ihre Pressluftflaschen. Achim Maier, mit 57 Jahren der dienstälteste Rettungstaucher im Landkreis Ludwigsburg, besprach letzte Einsatzdetails mit der Frau, die vom Ufer aus seine Signalleine halten sollte, bevor er in den Fluss stieg. Über den reinen Badeaufsichtsdienst hinaus stützt sich die DLRG auf diese freiwilligen Taucheinheiten, um Vermisste zu suchen – ob lebend oder tot.
Navigation und Taktiken bei Nullsicht
Das Arbeiten im Neckar bedeutet eine erhebliche psychische Belastung, denn das Flusswasser ist kalt, dunkel und lässt Taucher nicht erkennen, was sich direkt über, unter oder neben ihnen befindet. Unterwasser-Sucher sehen jenseits ihrer Tauchbrille rein gar nichts und müssen sich durch Tasten auf unbekannten Flussbetten orientieren. Spezielle Szenarien wie das Tauchen unter Eis erhöhen die Gefahr zusätzlich, weil ein Auftauchen nur durch das einzelne Einstiegsloch an der Oberfläche möglich ist. Zur Orientierung und Sicherheit bleibt der Taucher über eine Signalleine mit einem Helfer am Ufer verbunden; über Züge an der Leine werden Einsatzinformationen ausgetauscht.
Wir haben bis zur Brille klare Sicht und ab da wird es trüb. Das heißt, wir stochern im Nebel herum.
Psychische Belastung und Realität der Bergungen
Sucheinsätze werden oft zu Bergungen von Leichen, weil die Zeit, die vergeht, bis Helfer alarmiert werden und ins Wasser gehen können, die Chance auf eine erfolgreiche Rettung stark einschränkt. Die Taucher müssen sich mental darauf einstellen, dass lange Suchzeiten meist bedeuten, einen Toten zu bergen statt ein Leben zu retten. Zwar versuchen die Taucher, eine innere Schutzschicht aufzubauen, um diese Erlebnisse zu verarbeiten, doch der Umgang mit Todesfällen bleibt schwierig. Besonders Einsätze zur Suche nach vermissten Kindern stellen die größte emotionale Herausforderung für die Einsatzkräfte dar.
Man kann sich eine Schutzhaut zulegen, damit man es mit sich selbst verarbeiten kann. Das ja, aber an eine Leiche gewöhnt man sich nicht.
Nachbesprechung und Einsatzmentalität
Nach belastenden Einsätzen führen die DLRG-Mannschaften strukturierte Gespräche, um die Erlebnisse aufzuarbeiten. Maier betonte, dass die Teammitglieder aktiv miteinander ins Gespräch kommen, um die emotionalen Folgen zu verarbeiten, und sich dabei auf die gemeinsame Zusammenarbeit in der Einheit stützen. Trotz der wiederkehrenden Notwendigkeit, unter schwierigen Flussbedingungen Verstorbene zu suchen und zu bergen, bewahren die Ludwigsburger Taucher bei jedem Alarm eine aktive Rettungsorientierung.
Wir gehen immer vom besten Fall aus, dass die Person noch überlebt hat. Das nehmen wir an, bis wir das Gegenteil bewiesen haben.


