
Nach Sturmschäden: JR's monumentale Höhle öffnet auf Paris' ältester Brücke als Hommage an Christo
Der französische Künstler, bekannt als 'Frankreichs Banksy', verwandelt die Pont Neuf in eine 120 Meter lange immersive Grotte, komplett mit Windgeräuschen von Daft-Punk-Mitglied Thomas Bangalter und dem Duft von feuchtem Stein.
Verspätete Enthüllung
Zehn Tage nach dem geplanten Eröffnungstermin gab die mit Stoff verhüllte Brücke am Montagabend endlich ihren inneren Durchgang frei. Ein Sturm am 3. Juni hatte die bedruckte Leinwand zerrissen und JR's Team gezwungen, die beschädigten Teile zur Reparatur in eine Werkstatt in der Bretagne zu bringen. Am Montag, dem 15. Juni, um 18 Uhr verkündete der Künstler in den sozialen Medien, dass die Höhle geöffnet sei, und überraschte damit sogar seine eigene Presseverteilerliste.
Was die Installation bietet
Auf 120 Metern entlang des Brückendecks spannen 80 aufgeblasene Bögen einen Tunnel aus zerklüftetem, fotorealistischem Gestein. Der bedruckte Stoff reproduziert Lutetischen Kalkstein, denselben Stein, der aus dem Pariser Becken für den Bau der Pont Neuf, von Notre Dame und des Louvre gebrochen wurde. Die visuelle Illusion wird durch eine kontinuierliche, vollständig analoge Klangkomposition von Thomas Bangalter, ehemals von Daft Punk, verstärkt, die über 40 hinter der Leinwand versteckte Lautsprecher abgespielt wird, sowie durch einen subtilen Geruch von feuchter Erde, der von einem professionellen Parfümeur kreiert wurde. Ein QR-Code im Durchgang ermöglicht es Besuchern, Fledermäuse oder Schatten an den Wänden erscheinen zu lassen, obwohl frühe Kritiken dieses Feature als den schwächsten Teil des Erlebnisses bezeichneten.
- Baubeginn der Installation auf der Pont Neuf
- Sturm beschädigt den Stoff, reißt Abschnitte, die in der Bretagne repariert werden müssen
- Ursprünglich geplanter Eröffnungstag, aufgrund der Schäden verschoben
- JR gibt in den sozialen Medien bekannt, dass die Höhle geöffnet ist; die Öffentlichkeit betritt sie am Abend
- Letzter Tag der kostenlosen öffentlichen Ausstellung
Eine Hommage an Christo und Jeanne-Claude
Das Projekt ist eine ausdrückliche Hommage an Christo und Jeanne-Claude, die dieselbe Brücke 1985 mit 41.800 Quadratmetern goldsandfarbenem Polyamid-Stoff verhüllten. Auch dieses frühere Werk stieß zunächst auf gemischte Pressekritik, bevor es Millionen von Besuchern anzog. JR, dessen frühere optische Täuschungen die Pyramide des Louvre verschwinden ließen und riesige Porträts entlang des Grenzzauns zwischen den USA und Mexiko platzierten, sagte, seine Installationen hätten oft mehr Chancen zu scheitern als zu gelingen, aber sie trügen eine handgemachte Zerbrechlichkeit in sich, die die Menschen wieder mit sich selbst verbinde.
In einer Welt, in der die Technologie immer weiter fortschreitet, bringt uns diese Zerbrechlichkeit zu uns selbst zurück.
Erste Eindrücke
Zu den frühen Besuchern am Dienstagmorgen gehörten Feuerwehrleute, die ihren Jogginglauf unterbrachen, eine Schulklasse auf einem vollen Besichtigungsprogramm und ein Mann, der erfolgreich seinen Hund hineintrug. Mehrere Besucher beschrieben den Tunnel als geheimnisvoll und immersiv, obwohl eine junge Frau sich über die künstlerische Absicht unsicher war und ein älterer Zuschauer das Innere hübscher als das Äußere fand. Ein kleiner Junge rannte hindurch und rief, sie seien in einem Drachen.
Praktische Hinweise
Der Eintritt ist frei, und die Installation bleibt bis zum 28. Juni geöffnet. Die aufblasbare Struktur, deren Stoff ein guter Isolator ist, kommt zu einer Zeit, in der Paris unter einer Hitzewelle leidet. Das Kopfsteinpflaster der Brücke und die weißen Fahrbahnmarkierungen bleiben unter den Füßen sichtbar – eine bewusste Erinnerung daran, dass man immer noch mitten in einer geschäftigen Stadt die Seine überquert.


