
Rentenkommission übergibt 33 Vorschläge – Merz und Bas versprechen vollständige Umsetzung
Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas haben sich am Dienstag verpflichtet, alle 33 Empfehlungen der Rentenkommission in vollem Umfang umzusetzen. Sie bezeichneten das Paket als „Gesamtkunstwerk“, das nur als Ganzes funktionieren könne.
Ein Paket als „Gesamtkunstwerk“ präsentiert
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) traten gemeinsam im Kanzleramt auf, um die 33 Empfehlungen der Rentenkommission entgegenzunehmen, die nach mehr als 150 Arbeitssitzungen seit Januar übergeben wurden. Merz erklärte, die Maßnahmen griffen ineinander und balancierten sich gegenseitig aus.
Alle Elemente dieses Reformpakets müssen nun zügig umgesetzt werden. Sie bilden ein Gesamtkonzept, das nur als Ganzes funktioniert.
Bas fügte hinzu, es werde „keine Rosinenpickerei“ geben, und bezeichnete den Bericht als „Gesamtkunstwerk“. Die 13 Mitglieder der Kommission, eine Mischung aus Politikern und externen Experten, erzielten bei allen Vorschlägen ein einstimmiges Votum.
Die Kernvorschläge
Das Paket zielt darauf ab, ein System zu stabilisieren, das derzeit fast 128 Milliarden Euro an Bundeszuschüssen verbraucht – etwa ein Viertel des Bundeshaushalts. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört die Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters über 67 hinaus an die Lebenserwartung, was die Kommission auf 67,5 Jahre im Jahr 2041 und auf 68 Jahre im Jahr 2051 berechnet. Die „Rente mit 63“ für Personen mit 45 Beitragsjahren soll abgeschafft werden, und ein vorzeitiger Renteneintritt soll selbst mit Abschlägen nicht vor dem 64. Lebensjahr möglich sein.
Eine neue kapitalgedeckte Säule (Kapitalrente) soll eingeführt werden, finanziert durch eine Beitragserhöhung von bis zu zwei Prozentpunkten, die je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen wird. Der „Nachhaltigkeitsfaktor“, der die jährlichen Rentenanpassungen dämpft, soll ab 2031 wieder aktiviert werden. Der Beitragszahlerkreis soll auf Selbstständige und Politiker ausgeweitet werden, jedoch vorerst nicht auf Beamte. Ziel ist eine Nettoersatzquote von mindestens 70 Prozent nach Steuern, die gesetzliche, betriebliche und private Renten kombiniert.
Widerstand aus den eigenen Koalitionsreihen
Trotz der öffentlichen Geschlossenheit regte sich Widerstand in den eigenen Reihen der SPD. Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, sagte dem Tagesspiegel:
Ich bin nicht der Meinung des Kanzlers, dass diese Vorschläge eins zu eins übernommen werden müssen.
Sie argumentierte, dass die Länder und Sozialpartner nicht in die Arbeit der Kommission eingebunden gewesen seien und dass solch weitreichende Entscheidungen nicht „über ihre Köpfe hinweg“ getroffen werden könnten. Sie forderte zudem, dass neu eingestellte Beamte in das gesetzliche System einbezogen werden müssten, und verteidigte den Grundsatz, dass 45 Beitragsjahre weiterhin eine abschlagsfreie Rente ermöglichen sollten.
Die Grünen fordern eine feste Untergrenze
Die grüne Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann begrüßte viele Empfehlungen, forderte jedoch, dass das Rentenniveau für das gesetzliche System bei 48 Prozent festgeschrieben werde.
Das Rentenniveau muss bei 48 Prozent bleiben und stabilisiert werden. Alles andere würde zu noch größerer Altersarmut führen.
Sie wies darauf hin, dass die durchschnittliche gesetzliche Rente für Frauen in Deutschland nur 980 Euro pro Monat beträgt und viele Menschen in Ostdeutschland ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind. Die Grünen hatten zuvor eigene Vorschläge zur Neugestaltung der Frühverrentungsregeln vorgelegt und unterstützen einen kapitalgedeckten Zuschlag.
Sozialverbände gespalten
Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) bezeichnete die geplante Verschärfung des Renteneintrittsalters als „völlig inakzeptabel“ und argumentierte, sie ignoriere die Lebensrealität vieler Beschäftigter und vertiefe die Ungleichheit, da die Lebenserwartung mit dem Einkommen korreliere. Der Paritätische Gesamtverband lobte die Einbeziehung von Selbstständigen und Abgeordneten, kritisierte jedoch das Fehlen konkreter Maßnahmen gegen Altersarmut. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa hingegen befürwortete das Paket:
Nur mit einer breiten, aus einem Guss gegossenen Reformagenda kann unsere Rentenversicherung ihr Leistungsversprechen auch morgen und übermorgen halten.
Auch die Deutsche Bischofskonferenz äußerte laut Tagesspiegel Zustimmung.
Wie es weitergeht
Der Koalitionsausschuss tagt am 1. Juli, wo Bas eine „politische Selbstverpflichtung“ zum Gesamtpaket erwartet. Erste gesetzgeberische Entscheidungen sind für den Herbst geplant. Ob die Regierung die von Merz und Bas vorgegebene Disziplin wahren kann, hängt davon ab, ob die internen Kritiker in der SPD und die Grünen an Bord geholt werden können, ohne den Plan zu verwässern.
- Rentenkommission beginnt ihre Arbeit
- Kommission übergibt 33 Empfehlungen
- Koalitionsausschuss erwartet politische Selbstverpflichtung
- Erste gesetzgeberische Entscheidungen für den Herbst erwartet


