
Rentenkommission empfiehlt Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung und Abschaffung der 'Rente mit 63'
Eine von der Regierung eingesetzte Kommission hat empfohlen, das deutsche Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln, die Frührente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen und eine kapitalgedeckte Säule aufzubauen – was vor der offiziellen Übergabe sowohl scharfe Kritik als auch Lob hervorruft.
Kernempfehlungen der Kommission
Die Rentenkommission unter dem Vorsitz der Verwaltungswissenschaftlerin Constanze Janda und des früheren Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, tagte rund 150 Stunden. Ihre Mitglieder erzielten einen breiten Konsens über eine Reihe von Vorschlägen, die den Lebensstandard im Alter insbesondere für kleine und mittlere Einkommen durch eine Mischung aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge sichern sollen. Die umstrittensten Maßnahmen umfassen eine schrittweise Anhebung des Rentenalters entsprechend der Lebenserwartung in den kommenden Jahrzehnten, die Abschaffung der sogenannten „Rente mit 63“ (der Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente zu gehen) sowie die Einführung einer beitragsfinanzierten Kapitalsäule, die nach Ansicht der Kommission für jüngere Jahrgänge höhere Renten ermöglichen würde als nach geltendem Recht. Darüber hinaus empfiehlt die Kommission, Beamte, Selbstständige und Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Die Experten sollen ihren Abschlussbericht voraussichtlich am Dienstag, dem 23. Juni, der Merz-Regierung im Kanzleramt übergeben.
Politische Reaktionen
Die Vorschläge haben die politische Meinung bereits gespalten. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR), lobte die Empfehlungen und stellte fest, dass viele mit dem SVR-Rat von 2023 übereinstimmen. Sie hob die Kopplung an die Lebenserwartung, die Rücknahme der „Rente mit 63“, die kapitalgedeckte Komponente und die Einbeziehung weiterer Gruppen als besonders sinnvoll hervor. Hubert Hüppe, Vorsitzender der CDU-nahen Senioren-Union, drängte auf eine schnelle Umsetzung und bezeichnete das Paket als „ausgewogen und moderat“.
Die Regierung sollte den Vorschlägen im Grunde folgen. Streit wäre jetzt schlecht für alle – für Rentner, junge Leute und besonders für die Demokratie.
Widerspruch kam umgehend von links. Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer sagte der Funke Mediengruppe, die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung sei „sozial ungerecht und geht zu Lasten derer, die gerade erst ein Leben voller harter Arbeit beginnen“. Er bezeichnete den Kern des Pakets als inakzeptabel. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sören Pellmann, ging in einem Interview mit dem Tagesspiegel noch weiter und warf der Kommission vor, die von der Merz-Regierung bestellten Kürzungen zu liefern.
Mit der Anhebung des Rentenalters und der Abschaffung der Rente für langjährig Versicherte liefert die Rentenkommission die von der Merz-Regierung bestellten Ergebnisse: Rentenkürzungen.
Pellmann argumentierte, die kapitalgedeckte Komponente mache das Rentenniveau von steigenden Mieten, Pflegekosten und den Aktienkursen von Rüstungskonzernen abhängig, und bezeichnete das gesamte Maßnahmenpaket als unnötig und inakzeptabel.
Gewerkschaftlicher Widerstand
Auch Gewerkschaften und Sozialverbände äußerten starke Vorbehalte. Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner warnte davor, dass die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Versicherungsjahren in der Metall- und Elektroindustrie auf heftigen Widerstand stoßen werde, denn „diese Vorschläge ignorieren die Arbeits- und Lebenssituation vieler Beschäftigter in unseren Betrieben“. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) und die Gewerkschaft Verdi zeigten sich ebenfalls enttäuscht über die Richtung der Kommissionsarbeit.
Nächste Schritte
Die schwarz-rote Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz will bis zur Sommerpause ein breites Reformpaket schnüren, das den Arbeitsmarkt, die Renten, die Einkommensteuer und den Bürokratieabbau umfasst. Der Bericht der Kommission wird nun in diese Verhandlungen einfließen, wobei die starken Positionen auf beiden Seiten einen schwierigen Gesetzgebungsweg erwarten lassen.


