Deutsche Kommunalfinanzen verschlechtern sich: 70 % melden negative Aussichten, Investitionsstau erreicht 231 Mrd. €
Eine KfW-Umfrage zeigt, dass 70 % der Gemeindekassen ihre Finanzen für 2025 als negativ bewerteten, die Ausgaben schneller steigen als die Einnahmen und der Investitionsstau auf 231 Mrd. € angewachsen ist.
Finanzen unter Druck
Die finanzielle Situation der deutschen Gemeinden hat sich 2025 erneut verschlechtert, so der am Mittwoch veröffentlichte KfW-Kommunalpanel 2026. Die jährliche Umfrage der Förderbank ergab, dass 70 Prozent der Gemeindekassen ihre finanzielle Lage als negativ bewerteten. Nur 12 Prozent beschrieben sie als „gut“ oder „sehr gut“. Der Anteil pessimistischer Einschätzungen ist stetig gestiegen, ein Zeichen für die strukturelle Belastung der Kommunalhaushalte. Die Ergebnisse für 2025 setzen den Trend sich verschlechternder Bewertungen fort, wobei die Haushaltsungleichgewichte im zweiten Jahr in Folge zunehmen.
Ausgaben übersteigen Einnahmen
Die Ausgaben aller Gemeinden stiegen 2025 um 5,6 Prozent, während die Einnahmen nur um 4,1 Prozent zulegten. In Nordrhein-Westfalen war die Diskrepanz sogar noch größer: Die Ausgaben stiegen um 7,8 Prozent, während das Einnahmenwachstum in etwa dem Bundesdurchschnitt entsprach. Die wachsende Kluft bedeutet, dass viele Kommunen notwendige Instandhaltungen und neue Projekte nicht aus laufenden Einnahmen finanzieren können.
- Ausgaben Bund
- 5.6 %
- Einnahmen Bund
- 4.1 %
- Ausgaben NRW
- 7.8 %
- Einnahmen NRW
- 4.1 %
Rekord-Investitionsstau
Der Investitionsstau für notwendige Infrastrukturinvestitionen erreichte mit 231 Mrd. € einen neuen Höchststand, ein Anstieg um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Straßen, Schulgebäude und Sportstätten gehören zu den Bereichen, in denen Modernisierungen aufgeschoben wurden. Der jährlich vom KfW-Panel erfasste Stau liegt auf dem höchsten Stand seit Beginn der Erfassung, angetrieben durch jahrelange Ausgabenlücken.
Sonderfonds weckt Hoffnungen
Ein im März 2025 verabschiedeter Sonderfonds für Infrastruktur und Klimaneutralität soll den Druck mindern. Die Gemeinden planen für 2026 Investitionen in Höhe von 50 Mrd. €, fast 15 Prozent mehr als 2025. Der größte Anteil (27 Prozent) ist für Schulen vorgesehen, gefolgt von Straßen- und Verkehrsinfrastruktur (23 Prozent) sowie Feuerwehr und Katastrophenschutz (10 Prozent). Allein Nordrhein-Westfalen soll aus dem Fonds in den nächsten zwölf Jahren rund 21 Mrd. € erhalten.
Es scheint plausibel, den starken Anstieg der geplanten Investitionen auf die Erwartungen der Gemeinden an den Sonderfonds zurückzuführen.
- Schulen
- 27 %
- Straßen & Verkehr
- 23 %
- Feuerwehr & Katastrophenschutz
- 10 %
Der Sonderfonds ist der erste Bundesmechanismus dieser Größenordnung, der in den letzten Jahren speziell für die kommunale Infrastruktur vorgesehen wurde. Ob der geplante Investitionsschub tatsächlich eintritt, hängt von der Verwaltungskapazität und der Projektbereitschaft auf lokaler Ebene ab.


