
Rekord: 230 Migranten überqueren Ärmelkanal in einem einzigen Boot und übertreffen Juli-Höchstwert von 165
Rekordverdächtige 230 Migranten, darunter mehr als 20 Kinder, überquerten in der Nacht vom 9. auf den 10. August in einem einzigen Boot den Ärmelkanal von Frankreich aus, wie die Rettungsorganisation SNSM berichtete. Damit wurde der bisherige Höchstwert von 165 aus dem Juli übertroffen.
Rekordüberquerung im Ärmelkanal
In der Nacht von Sonntag, dem 9. August, auf Montag, den 10. August, überquerten 230 Migranten von der französischen Küste aus in einem einzigen Boot den Ärmelkanal und stellten damit einen neuen Rekord für die Zahl der auf einem einzigen Schiff transportierten Personen auf. Die SNSM (französische Seenotrettungsgesellschaft) in Berck-sur-Mer führte eine von ihr als "hors norme" (außergewöhnlich) bezeichnete Hilfsaktion für das Boot durch. Nach Angaben der Organisation befanden sich mehr als 20 Kinder unter den 230 an Bord gezählten Menschen. Die SNSM bezeichnete das Ereignis als "einen neuen und traurigen Rekord für die Zahl der Menschen, die auf diesen prekären Booten transportiert werden". Die Zahl wurde auch von der BBC und der britischen Nachrichtenagentur PA gemeldet. Das britische Innenministerium reagierte auf Anfrage der AFP zunächst nicht.
Eskalierende Kapazität der Schleuserboote
Der neue Rekord übertrifft den bisherigen Höchstwert von 165 aus dem Juli, als 165 Menschen in einem einzigen provisorischen Boot die Überfahrt wagten. Zuvor hatte der Rekord bei etwa 150 gelegen. Jean-Marc Lamblin, Leiter der SNSM-Station in Berck-sur-Mer, sagte der AFP, seine Teams hätten das Boot bis in britische Gewässer begleitet, bevor sie von Rettungsteams von der anderen Seite des Kanals abgelöst wurden. Er merkte an, dass seine Teams in den letzten drei Monaten zunehmend mehr 15-Meter-Boote beobachtet hätten, die die Überfahrt versuchten. Die wachsende Größe der Schiffe stelle eine neue Strategie der Schleuser dar, die zunehmend größere Boote einsetzten, auf die Gefahr der Menschen an Bord hin, wie Franceinfo berichtete.
Seit drei Monaten sehen wir immer mehr 15-Meter-Boote vorbeifahren. Wir haben den Rekord von 150 kürzlich übertroffen, wir dachten nicht, dass es mehr geben könnte, aber es gibt wirklich keine Grenze mehr.
- Bisheriger Rekord
- 150 Personen
- Juli 2026
- 165 Personen
- 9.-10. Aug. 2026
- 230 Personen
Jüngste Vorfälle und Küstenüberwachung
Am 4. August wurden mehr als 170 Migranten vor Boulogne-sur-Mer gerettet, nachdem ihr Boot auf hoher See Feuer gefangen hatte. Der Vorfall reihte sich ein in eine Serie gefährlicher Überfahrten, die Forderungen nach einer verstärkten Überwachung der französischen Küste laut werden ließen. Ouest France berichtete über wachsende Besorgnis über Schiffbrüche und Todesfälle von Migranten entlang der Küsten von Seine-Maritime, wo die Überwachung verstärkt worden war. Die beiden Vorfälle ereigneten sich innerhalb von fünf Tagen, beide entlang der nordfranzösischen Küste.
- Neues Abkommen zwischen Paris und London zur Bekämpfung des Kanalschmuggels
- Rekord von 165 Personen in einem einzigen Boot
- Über 170 Migranten vor Boulogne-sur-Mer nach Bootsbrand gerettet
- 230 Migranten überqueren Kanal in einem einzigen Boot – neuer Rekord
Politische Reaktionen und bilaterale Antwort
Ein Sprecher des britischen Premierministers Andy Burnham verurteilte "entsetzliche" Bilder, die "die Realität hinter diesen rücksichtslosen Schleuserbanden zeigen, die bereit sind, Menschenleben für Profit zu riskieren". Aufeinanderfolgende britische Regierungen haben alle versprochen, diese heimlichen Überfahrten zu unterbinden, ein Thema, das in der britischen Politik äußerst aufgeladen ist. Das Thema hat in den letzten zwei Jahren maßgeblich zum Aufstieg von Nigel Farages einwanderungsfeindlicher Partei Reform UK beigetragen, während die Überfahrten trotz wiederholter Regierungszusagen, sie zu beenden, fortgesetzt wurden. Nach Angaben der britischen Behörden haben seit Anfang 2026 14.819 Menschen den Kanal in kleinen Booten überquert. Im April wurde zwischen Paris und London ein neues Abkommen zur Bekämpfung dieses Menschenhandels geschlossen, das die bestehende Zusammenarbeit zwischen den beiden Regierungen in Bezug auf die Kanalsicherheit ergänzt. Die Rekordüberquerung von 230 Menschen in einem einzigen Boot erfolgte etwas mehr als vier Monate nach der Unterzeichnung dieses bilateralen Abkommens.


