
Miniatur-Rostmilben bedrohen deutsche Tomatenkulturen – Forscher setzen auf Raubmilben als biologische Lösung
Tomatenrostmilben, mit bloßem Auge unsichtbar und zu explosionsartiger Vermehrung fähig, verwüsten Gewächshaus- und Freilandkulturen in Baden-Württemberg. Da wirksame biologische Bekämpfungsmittel fehlen, testen Wissenschaftler nun zwei heimische Raubmilbenarten als potenzielles biologisches Schutzschild.
Die unsichtbare Bedrohung
Tomatenrostmilben (Aculops lycopersici) messen als adulte Tiere nur 0,16 Millimeter – ohne Mikroskop sind sie nicht zu erkennen. Trotz ihrer Größe stellen sie eine enorme Gefahr dar: Unter günstigen Bedingungen können sich aus 100 Milben innerhalb von vier Wochen 50.000 entwickeln. Die Schädlinge befallen zunächst Blattstiele und Stängel, saugen sie aus, bis sie braun werden. Bei starkem Befall verfärben sich die Blätter bronzefarben bis rostrot, bevor sie vollständig welken. Unreife Früchte werden braun und korkig, ganze Pflanzen können absterben.
Sie mögen heiße, trockene Umgebungen.
Sobald sichtbare Symptome auftreten, sind die Tomaten bereits unverkäuflich – Vorbeugung ist die einzig sinnvolle Strategie. Die Milben befallen auch andere Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Auberginen und Zierpflanzen wie die Engelstrompete.
Ein wachsendes Problem in Deutschland
Rostmilben waren in Deutschland früher nur gelegentlich zu finden. Laut dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in Karlsruhe treten sie seit 1999 immer wieder in Gewächshaustomatenbeständen Baden-Württembergs auf und bedrohen manchmal ganze Ernten. Seit 2018 werden die Milben auch im Freilandanbau nachgewiesen. Neben der Tomatenminierfliege gilt die Rostmilbe inzwischen als der bedeutendste tierische Schädling an Tomaten.
Das Dilemma des Ökolandbaus
Konventionelle Anbauer können auf chemische Pestizide zurückgreifen, doch Biolandwirten stehen keine wirksamen Mittel zur Verfügung. Schwefelbehandlungen gegen Mehltau schaden den Milben zwar als Nebeneffekt, töten aber auch Nützlinge ab und erfordern mehrere Anwendungen. Nikola Lenz, Beraterin beim Demeter-Anbauverband, erklärt, dass befallene Einzelpflanzen entfernt und vor Ort in Plastiksäcken versiegelt werden können, um eine Ausbreitung zu verhindern.
Bei Rostmilben muss man proaktiv vorgehen.
Raubmilben betreten die Bühne
Von 2022 bis 2025 konzentrierten sich Experten im Projekt „Kretschab“ auf zwei Raubmilbenarten, die zuvor weitgehend übersehen wurden. Diese Arten kommen natürlicherweise in Deutschland vor, vertragen trockenere Luft besser als andere Raubmilben und wurden bereits dabei beobachtet, wie sie von Rostmilben befallene Gewächshäuser besiedeln. Größeren Raubmilben fällt es oft schwer, sich auf den feinen Härchen der Tomatenpflanzen fortzubewegen – diese beiden Arten könnten hier besser geeignet sein.
Jetzt müssen wir sehen, ob sich das in größerem Maßstab anwenden lässt.
Firmen, die Nützlinge vertreiben, haben diese speziellen Raubmilben noch nicht im Sortiment – doch die Forschung könnte das ändern.
Baden-Württembergs Tomatenlandschaft
Im Jahr 2025 wurden Tomaten in Baden-Württemberg auf 67 Hektar unter begehbaren Hochschutzabdeckungen angebaut, der Ertrag lag bei knapp über 11.000 Tonnen, so das Statistische Landesamt. Zum Vergleich: 2015 waren es 73 Hektar und rund 9.600 Tonnen. Das Land importierte 2015 zudem knapp 152.000 Tonnen Tomaten; vorläufige Zahlen für 2025 zeigen Importe von über 97.000 Tonnen, hauptsächlich aus Spanien, den Niederlanden und Belgien.
- Produktion 2015
- 9600 tonnes
- Produktion 2025
- 11000 tonnes
- Importe 2015
- 152000 tonnes
- Importe 2025
- 97000 tonnes


