
Roms Staatsanwälte prüfen Ranucci-E-Mails im Lavitola-Kohlenstoffprojekt in Simbabwe
Die römischen Staatsanwälte prüfen den E-Mail-Austausch zwischen dem Journalisten Sigfrido Ranucci und Valter Lavitola sowie ein gelöschtes Interview einer simbabwischen Zeitung über Kohlenstoffzertifikate-Geschäfte.
Beweise in Rom geprüft
Die römischen Staatsanwälte, die den Bombenanschlag vom 16. Oktober 2025 auf das Haus des Journalisten Sigfrido Ranucci in Campo Ascolano untersuchen, prüfen neue Dokumente zu Geschäftsbeziehungen in Afrika. Das untersuchte Material umfasst eine E-Mail vom 29. Juni 2026, die Ranucci an den Geschäftsmann Valter Lavitola sandte, der wegen des Verdachts, den Bombenanschlag auf den Journalisten angeordnet zu haben, in Haft sitzt. Die Nachricht enthielt den Inhalt eines Interviews, das Ranucci mit Kenneth Nyangani, einem Reporter der simbabwischen Zeitung The Standard, geführt hatte. In der Mitteilung erklärte Ranucci eingangs, dass er Korruption in Simbabwe untersuche, und bat Lavitola um weitere Informationen zu einer Person, die als mutmaßlicher Betrüger beschrieben wurde. Der römische Staatsanwalt Edoardo De Sanctis und Carabinieri-Beamte der Ermittlungseinheit Via In Selci prüfen, ob ein separater Ermittlungszweig zu diesen geschäftlichen Verbindungen eröffnet werden soll.
Das simbabwische Interview
The Standard veröffentlichte den Artikel am 5. Juli 2026 auf Englisch. Darin wurde eine Untersuchung italienischer Unternehmer im simbabwischen Sektor der Kohlenstoffzertifikate skizziert, die behaupteten, ein lokaler Partner habe sie betrogen. Nyangani bestätigte, dass er das Interview per Videocall geführt habe, nachdem Lavitola den Kontakt vorgeschlagen hatte. Im veröffentlichten Text erklärte Ranucci, er habe mit einem Beamten der italienischen Botschaft in Simbabwe über die Angelegenheit gesprochen. Nach einer polizeilichen Durchsuchung von Lavitolas Wohnung und anschließender Medienberichterstattung entfernte The Standard den Artikel von seiner Website.
Es war Valter Lavitola, der vorschlug, mit ihm zu sprechen.
Geschäftsinteressen in Simbabwe
Lavitola verfolgte Energie- und Umweltinvestitionen in Simbabwe über Future Awaits Holdings, ein Unternehmen, das Lizenzen zur Erzeugung von Kohlenstoffzertifikaten auf 96.000 Hektar anstrebte. Zu seinen italienischen Partnern in diesem Vorhaben gehörten die Urban-Vision-Führungskräfte Gianluca De Marchi und Fabio Mazzoni sowie der lokale Partner Benjamin Chimutengo, der die Geschäfte vor Ort in Simbabwe leitete. Das Geschäft sah sich im Mai 2025 mit regulatorischen Hürden konfrontiert, als die simbabwischen Behörden strengere Anti-Geldwäsche-Auflagen einführten. Die Beziehungen brachen am 29. Oktober 2025 zusammen, zwei Wochen nach der Bombenexplosion vor Ranuccis Haustor, als die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Kreston Zimbabwe die Beendigung ihrer Zusammenarbeit mit Future Awaits Holdings bekannt gab.
- Simbabwe führt strengere Anti-Geldwäsche-Regeln ein, die Future Awaits Holdings betreffen
- Bombenanschlag auf Sigfrido Ranucci in seinem Wohnhaus in Campo Ascolano
- Kreston Zimbabwe beendet Zusammenarbeit mit Future Awaits Holdings
- Sigfrido Ranucci mailt Valter Lavitola und kündigt ein Interview über Korruption in Simbabwe an
- The Standard veröffentlicht Ranucci-Interview, bevor es später entfernt wird
Hintergrund und Reaktion der Verteidigung
Lavitola und Ranucci standen jahrelang in Kontakt, wobei Lavitola zunächst als journalistische Quelle fungierte, bevor sich die Beziehung weiterentwickelte. Lavitola hatte zuvor Haftstrafen wegen Verurteilungen im Zusammenhang mit den Avanti-Zeitungsfonds, politischer Bestechung und versuchter Erpressung unter Beteiligung des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi verbüßt. Als Reaktion auf die jüngsten Erkenntnisse verteidigte Ranucci die Korrespondenz und erklärte, das Redaktionsteam von Report habe zuvor bereits über Kohlenstoffzertifikatsmärkte berichtet und halte weitere Nachforschungen für eine übliche journalistische Tätigkeit. Über seinen Verteidiger Roberto De Vita erklärte Ranucci, die Sammlung von Hintergrundinformationen zu internationalen Geschäftsvorhaben liege im Rahmen der üblichen Berichterstattung. Auf direkte Fragen von Sendern zu den durchgesickerten E-Mails, die seine Kommunikation mit Lavitola detaillieren, blieb Ranucci dabei, dass der Austausch routinemäßig gewesen sei.
Ich habe nichts zu bestreiten.
Staatsanwalt Edoardo De Sanctis und die Ermittler der Carabinieri setzen die Prüfung der Kommunikation zwischen Ranucci, Lavitola und dem Mitarbeiter Gomes Tavares fort, um festzustellen, ob diese geschäftlichen Streitigkeiten in Simbabwe die Umstände des Anschlags von 2025 beeinflusst haben.


