
Rumänische Sozialdemokraten verklagen Übergangsregierung wegen strategischer Entscheidungen
Die Partei erklärt, die Exekutive habe ihre verfassungsrechtlichen Grenzen überschritten, indem sie eine Biodiversitätsstrategie im Wert von 972,4 Millionen Euro und andere langfristige Maßnahmen verabschiedet habe, nachdem sie vom Parlament entlassen worden war.
Klage eingereicht
Die PSD gab am 27. Juli bekannt, dass sie beim Bukarester Berufungsgericht Klage eingereicht und eine Anzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft gegen die von Interimsministerpräsident Ilie Bolojan geführte Regierung erstattet hat. Die Partei argumentiert, dass die Exekutive nach ihrer Entlassung durch das Parlament auf die laufende Verwaltung beschränkt sei, aber dennoch weiterhin strategische Entscheidungen mit langfristigen Auswirkungen getroffen habe.
Eine entlassene Regierung hat zukünftige Maßnahmen gebilligt, ohne ein Mandat für die Gegenwart zu haben.
Die von Parteichef Sorin Grindeanu geführten Sozialdemokraten bezeichneten die Schritte als flagranten Verfassungsbruch. Sie betonten, dass sich das geschäftsführende Kabinett auf die laufenden Angelegenheiten beschränken müsse und dass die Interimsmandate mehrerer Minister die verfassungsrechtliche 45-Tage-Frist überschritten hätten.
Umstrittene Entscheidungen
Zu den angefochtenen Akten gehört die Nationale Strategie zur Erhaltung der Biodiversität 2026–2030 und der dazugehörige Aktionsplan. Die Strategie ist ein Meilenstein im rumänischen Aufbau- und Resilienzplan (PNRR) und wird auf 972,4 Millionen Euro geschätzt. Die PSD behauptet, dass das Dokument direkte Auswirkungen auf große Infrastrukturprojekte haben könnte: den Autobahnbau, die Erdgasförderung im Schwarzen Meer durch das Neptun Deep-Projekt sowie die Fertigstellung oder den Bau neuer Wasserkraftwerke.
Die Partei ficht die Entscheidungen an, die während einer Regierungssitzung am 23. Juli getroffen wurden, sowie acht weitere ähnliche Dekrete, die ihrer Meinung nach einem klaren Muster der Überschreitung rechtlicher Grenzen und der Missachtung negativer Stellungnahmen folgen.
Verfassungsrechtliche Argumente
Die PSD besteht darauf, dass ein entlassenes Kabinett nach einem parlamentarischen Misstrauensvotum streng auf Akte der laufenden Verwaltung beschränkt ist. Die Partei erklärt in ihrer Stellungnahme, dass es sich dabei nicht um eine rechtliche Auslegung oder politische Meinung, sondern um eine explizite Verfassungsnorm handele. Die Sozialdemokraten werfen Interimsministerpräsident Bolojan vor, die Grenzen missbräuchlich auszulegen und weiterhin so zu handeln, als habe er ein volles Mandat.
Kein Zeitfenster dient als Schutzschild gegen Haftung.
Die PSD stellt außerdem fest, dass sie konsequent Maßnahmen zur Erfüllung der PNRR-Verpflichtungen und zur Absorption von EU-Mitteln unterstützt habe, auch während der aktuellen außerordentlichen Parlamentssitzung, dies jedoch keine Verstöße gegen die Verfassung entschuldigen könne.
Nächste Schritte
Am 28. Juli wird die Partei beim Bukarester Berufungsgericht beantragen, die Vollziehung bereits im Amtsblatt veröffentlichter Entscheidungen auszusetzen. Noch nicht veröffentlichte Akten werden unmittelbar nach ihrem Erscheinen angefochten. Die Anzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft fordert die Staatsanwälte auf, zu prüfen, ob die Annahme und Umsetzung der Entscheidungen strafrechtliche Konsequenzen haben.
- Regierung verabschiedet Biodiversitätsstrategie und acht weitere langfristige Entscheidungen
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