Sicherheit · Essen und Gelsenkirchen

Erste Zivilprozesse zum Safe-Diebstahl in Gelsenkirchen eröffnet: 650 Opfer fordern 51 Millionen Euro

Zwei Kunden verklagen die Sparkasse Gelsenkirchen auf insgesamt 440.000 Euro, weil die Bank ihren Tresor nicht ausreichend gesichert habe. Ihr Anwalt vertritt 650 Kläger, die insgesamt über 51 Millionen Euro fordern.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von newsORF.at, Der Tagesspiegel, Süddeutsche Zeitung und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

Für MitgliederDie ersten 30 Sekunden zum Probehören. Synthetische Stimme (KI).

Kurz gefasst

Essen, Gelsenkirchen · Deutschland
Wie es dazu kam
  1. 11.06.Erster Zivilprozess am Landgericht Essen eröffnet: Rita M. fordert 391.000 Euro.
  2. 11.06.Zweiter Zivilprozess: Joachim Alfred Wagner fordert knapp 49.000 Euro.
  3. Juli 2026Acht weitere Zivilverfahren sind am Landgericht Essen bis September terminiert.

Der Gerichtssaal

Die ersten beiden Zivilklagen gegen die Sparkasse Gelsenkirchen wurden am Donnerstagnachmittag vor dem Landgericht Essen eröffnet. Eine 83-jährige Frau, Rita M., fordert 391.000 Euro in bar und Schmuck, die in ihrem Schließfach gelagert worden sein sollen. Ihr Anwalt erklärte, das Geld stamme aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung und stelle ihre gesamte Altersvorsorge dar. Ein zweiter Fall, der unmittelbar danach verhandelt wurde, betrifft einen 63-jährigen Mann, der knapp 49.000 Euro für gestohlene Goldmünzen und Familienerbstücke verlangt, darunter die Eheringe seiner Großeltern.

„In meinem Schließfach befand sich meine Altersvorsorge in Gold. Und das Erbe meiner Mutter, das Familienerbe. Das tut mir sehr weh, denn es waren einige Stücke dabei, an denen mein Herz sehr hängt.“

Joachim Alfred Wagner, 63-jähriger Kläger

Vorsitzender Richter Stefan Ostheide wollte beide Parteien voraussichtlich zur Vergleichsbereitschaft befragen, wie es in Zivilverfahren üblich ist. Gerichtsvertreter deuteten an, dass ein Vergleich unwahrscheinlich sei.

Die Klägerseite

Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann aus Datteln vertritt beide Kläger sowie insgesamt rund 650 Geschädigte. Die Gesamtverluste allein seiner Mandantschaft beziffert er auf 51,5 Millionen Euro. Die beiden Verfahren dienen als Musterklagen; ein günstiges Urteil könnte die Bank unter Druck setzen, die Forderungen seiner weiteren Mandanten anzuerkennen.

Kuhlmann wirft der Sparkasse schwere Sicherheitsmängel vor. Er ließ ein Sachverständigengutachten erstellen, das besagt, dass nach branchenüblichem Standard eine Videoüberwachung der Wände, Decken, des Tresorraums und sogar der Tiefgarage erforderlich gewesen wäre. Das Gutachten stellt zudem fest, dass eine Brandschutztür zum Treppenhaus vor dem Weihnachtswochenende auf Manipulation hätte überprüft werden müssen. Kuhlmann merkte an, dass die Anlage das zweitgrößte Schließfachdepot Deutschlands sei.

Die Verteidigung der Bank

Die Sparkasse Gelsenkirchen weist alle Vorwürfe zurück. Sie versichert, dass zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden seien und keine Pflichtverletzung vorliege. Die Bank verweist zudem auf eine vertragliche Versicherungssummenobergrenze: Schließfächer seien standardmäßig nur bis maximal 10.300 Euro versichert gewesen, es sei denn, ein höherer Betrag war ausdrücklich vereinbart. Die Bank gibt an, keine Kenntnis vom Inhalt der von ihr vermieteten Schließfächer gehabt zu haben, und bestreitet, dass die Kläger beweisen könnten, was ihnen gestohlen wurde.

Der Diebstahl

Während des langen Weihnachtswochenendes Ende 2025 drangen unbekannte Täter in die Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen-Buer ein. Sie gelangten über eine Tiefgarage, dann durch eine Brandschutztür in ein Treppenhaus und von dort in einen Archivraum. Von dort aus benutzten sie einen großen Kernbohrer, um sich durch eine dicke Betonwand in den Tresor zu bohren. Im Laufe mehrerer Stunden hebelten sie fast alle der rund 3.100 Schließfächer auf und flohen mit Bargeld, Gold und Schmuck.

Mitarbeiter entdeckten den Einbruch am 29. Dezember 2025, dem ersten Werktag nach den Feiertagen. In der Filiale hatte um 3:58 Uhr morgens ein Feueralarm ausgelöst, aber die eintreffenden Feuerwehrleute fanden eine verwüstete Bank statt eines Brandes vor. Die Polizei schätzte den Schaden zunächst auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, die Gesamtsumme könnte jedoch einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen. Knapp sechs Monate später gibt es keine heiße Spur zu den Tätern, von denen angenommen wird, dass sie die Aktion akribisch geplant haben. Laut der Frankfurter Allgemeinen verfolgen die Ermittler konkrete Hinweise.

Wie es weitergeht

Acht weitere Zivilverfahren im Zusammenhang mit demselben Tresor-Diebstahl sind am Essener Gericht bereits für die Zeit zwischen Juli und September terminiert. Der Rechtsstreit um Schadensersatz wird voraussichtlich Jahre dauern.

Fragen zu diesem Text

Quellen und Kontext

Pollar ist kostenlos und ohne Werbung im Text. Getragen wird es von seinen Mitgliedern.

Pollar unterstützen