Sicherheit · Essen und Gelsenkirchen
Erste Zivilprozesse zum Safe-Diebstahl in Gelsenkirchen eröffnet: 650 Opfer fordern 51 Millionen Euro
Zwei Kunden verklagen die Sparkasse Gelsenkirchen auf insgesamt 440.000 Euro, weil die Bank ihren Tresor nicht ausreichend gesichert habe. Ihr Anwalt vertritt 650 Kläger, die insgesamt über 51 Millionen Euro fordern.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von newsORF.at, Der Tagesspiegel, Süddeutsche Zeitung und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Eine 83-Jährige fordert 391.000 Euro, ein 63-Jähriger knapp 49.000 Euro. Beide werfen der Bank Sicherheitsversäumnisse vor.
Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann vertritt rund 650 Kläger, deren angebliche Gesamtverluste 51 Millionen Euro übersteigen.
Die Sparkasse Gelsenkirchen erklärt, ihre Sicherheit sei angemessen gewesen, Schließfächer seien standardmäßig nur bis 10.300 Euro versichert, und sie habe keine Kenntnis vom Inhalt gehabt.
Diebe bohrten von einem Archivraum aus ein Loch in die Betonwand des Tresors, hebelten 3.100 Schließfächer auf und entkamen unentdeckt über das Feiertagswochenende 2025.
Die Polizei verfolgt Hinweise, hat die Täter aber noch nicht identifiziert. Der Gesamtschaden könnte einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen.
- 11.06.Erster Zivilprozess am Landgericht Essen eröffnet: Rita M. fordert 391.000 Euro.
- 11.06.Zweiter Zivilprozess: Joachim Alfred Wagner fordert knapp 49.000 Euro.
- Juli 2026Acht weitere Zivilverfahren sind am Landgericht Essen bis September terminiert.
Der Gerichtssaal
Die ersten beiden Zivilklagen gegen die Sparkasse Gelsenkirchen wurden am Donnerstagnachmittag vor dem Landgericht Essen eröffnet. Eine 83-jährige Frau, Rita M., fordert 391.000 Euro in bar und Schmuck, die in ihrem Schließfach gelagert worden sein sollen. Ihr Anwalt erklärte, das Geld stamme aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung und stelle ihre gesamte Altersvorsorge dar. Ein zweiter Fall, der unmittelbar danach verhandelt wurde, betrifft einen 63-jährigen Mann, der knapp 49.000 Euro für gestohlene Goldmünzen und Familienerbstücke verlangt, darunter die Eheringe seiner Großeltern.
„In meinem Schließfach befand sich meine Altersvorsorge in Gold. Und das Erbe meiner Mutter, das Familienerbe. Das tut mir sehr weh, denn es waren einige Stücke dabei, an denen mein Herz sehr hängt.“
Vorsitzender Richter Stefan Ostheide wollte beide Parteien voraussichtlich zur Vergleichsbereitschaft befragen, wie es in Zivilverfahren üblich ist. Gerichtsvertreter deuteten an, dass ein Vergleich unwahrscheinlich sei.
Die Klägerseite
Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann aus Datteln vertritt beide Kläger sowie insgesamt rund 650 Geschädigte. Die Gesamtverluste allein seiner Mandantschaft beziffert er auf 51,5 Millionen Euro. Die beiden Verfahren dienen als Musterklagen; ein günstiges Urteil könnte die Bank unter Druck setzen, die Forderungen seiner weiteren Mandanten anzuerkennen.
Kuhlmann wirft der Sparkasse schwere Sicherheitsmängel vor. Er ließ ein Sachverständigengutachten erstellen, das besagt, dass nach branchenüblichem Standard eine Videoüberwachung der Wände, Decken, des Tresorraums und sogar der Tiefgarage erforderlich gewesen wäre. Das Gutachten stellt zudem fest, dass eine Brandschutztür zum Treppenhaus vor dem Weihnachtswochenende auf Manipulation hätte überprüft werden müssen. Kuhlmann merkte an, dass die Anlage das zweitgrößte Schließfachdepot Deutschlands sei.
Die Verteidigung der Bank
Die Sparkasse Gelsenkirchen weist alle Vorwürfe zurück. Sie versichert, dass zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden seien und keine Pflichtverletzung vorliege. Die Bank verweist zudem auf eine vertragliche Versicherungssummenobergrenze: Schließfächer seien standardmäßig nur bis maximal 10.300 Euro versichert gewesen, es sei denn, ein höherer Betrag war ausdrücklich vereinbart. Die Bank gibt an, keine Kenntnis vom Inhalt der von ihr vermieteten Schließfächer gehabt zu haben, und bestreitet, dass die Kläger beweisen könnten, was ihnen gestohlen wurde.
Der Diebstahl
Während des langen Weihnachtswochenendes Ende 2025 drangen unbekannte Täter in die Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen-Buer ein. Sie gelangten über eine Tiefgarage, dann durch eine Brandschutztür in ein Treppenhaus und von dort in einen Archivraum. Von dort aus benutzten sie einen großen Kernbohrer, um sich durch eine dicke Betonwand in den Tresor zu bohren. Im Laufe mehrerer Stunden hebelten sie fast alle der rund 3.100 Schließfächer auf und flohen mit Bargeld, Gold und Schmuck.
Mitarbeiter entdeckten den Einbruch am 29. Dezember 2025, dem ersten Werktag nach den Feiertagen. In der Filiale hatte um 3:58 Uhr morgens ein Feueralarm ausgelöst, aber die eintreffenden Feuerwehrleute fanden eine verwüstete Bank statt eines Brandes vor. Die Polizei schätzte den Schaden zunächst auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, die Gesamtsumme könnte jedoch einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen. Knapp sechs Monate später gibt es keine heiße Spur zu den Tätern, von denen angenommen wird, dass sie die Aktion akribisch geplant haben. Laut der Frankfurter Allgemeinen verfolgen die Ermittler konkrete Hinweise.
Wie es weitergeht
Acht weitere Zivilverfahren im Zusammenhang mit demselben Tresor-Diebstahl sind am Essener Gericht bereits für die Zeit zwischen Juli und September terminiert. Der Rechtsstreit um Schadensersatz wird voraussichtlich Jahre dauern.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- newsORF.atRaub in Sparkasse Gelsenkirchen: Erste Zivilprozesse
- Der TagesspiegelSchadenersatz-Forderungen: Erste Zivilprozesse um Sparkassen-Einbruch gestartet
- Süddeutsche ZeitungKunden-Klagen nach Sparkassen-Einbruch: Anwalt optimistisch
- Frankfurter AllgemeineProzess nach Einbruch in Sparkasse: Kundin verlangt 391.000 Euro von der Bank
- Rita M.
- 83-jährige Klägerin, die von der Sparkasse Gelsenkirchen 391.000 Euro für Bargeld und Schmuck fordert, die aus ihrem Schließfach gestohlen wurden.
- Joachim Alfred Wagner
- 63-jähriger Kläger, der knapp 49.000 Euro für gestohlene Goldmünzen und Familienerbstücke fordert.
- Daniel Kuhlmann
- In Datteln ansässiger Rechtsanwalt, der rund 650 Opfer des Gelsenkirchener Tresor-Diebstahls vertritt. Die Gesamtforderungen übersteigen 51 Millionen Euro.
- Stefan Ostheide
- Vorsitzender Richter am Landgericht Essen, der die ersten Zivilprozesse leitet.
- Orte
- Essen, Gelsenkirchen
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