
Emotionale Szenen bei Prozessauftakt in Zweibrücken nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter Serkan Çalar
Der Prozess gegen Ioanni V., dem der Tod des DB-Zugbegleiters Serkan Çalar im Februar vorgeworfen wird, begann am Mittwoch in Zweibrücken mit einer Entschuldigung des Angeklagten und der Vorführung eines Videos des Angriffs vor Gericht.
Der Angriff
Am 2. Februar 2026 kontrollierte der 36-jährige Zugbegleiter Serkan Çalar im Regionalzug RE 4131 von Landstuhl nach Homburg die Fahrscheine, als er einen Passagier aufforderte, seinen Fahrschein zu zeigen. Der Fahrgast, Ioanni V., 26, hatte keinen Fahrschein und weigerte sich, sich auszuweisen. Als er aufgefordert wurde, den Zug zu verlassen, soll er gesagt haben: „Ich bin Boxer. Ich bin Kämpfer“ und schlug Çalar mehrfach gegen Kopf und Brust. Çalar verlor das Bewusstsein und starb zwei Tage später im Krankenhaus an einer Hirnblutung.
Der Angeklagte und die Anklage
Die Staatsanwaltschaft beantragte einen Mordvorwurf, das Gericht in Zweibrücken ließ diesen jedoch nicht zu, da es an Beweisen für einen Tötungsvorsatz mangelte. Ioanni V. wird stattdessen wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt, was drei bis 15 Jahre Haft vorsieht. Am ersten Tag räumte er den Angriff auf Çalar ein, sagte aber, er habe ihn nicht töten wollen. Er erklärte dem Gericht, dass er seit 2021 psychische Probleme habe und regelmäßig Marihuana rauche. Über seinen Anwalt drückte er Reue aus.
Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich alles ändern.
Erster Prozesstag
Der Prozess begann am Mittwoch am Landgericht Zweibrücken mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen und begrenzten Sitzplätzen für 50 Personen, 20 davon für die Presse reserviert. Die persönliche Einlassung des Angeklagten dauerte etwa anderthalb Stunden. Die Familie des Opfers hielt während der gesamten Verhandlung großformatige Fotos von Çalar hoch. Sein Bruder Eray Çalar sagte vor dem Verfahren, dass kein Urteil Serkan zurückbringen könne, aber man zeigen wolle, dass er anwesend sei.
Seine Seele ist hier.
Video-Beweise und Tumult im Gerichtssaal
Das Gericht zeigte daraufhin das stumme Überwachungsvideo des Angriffs. Es zeigte die schnellen, harten Schläge gegen Çalars Kinn, Brust und Kopf und wie er bewusstlos zusammenbrach. Während der Vorführung schrie ein Zuschauer eine Beleidigung, mehrere Familienmitglieder schluchzten und verließen den Raum. Der Vorsitzende Richter ordnete die Entfernung des störrischen Zuschauers an, verhängte ein Ordnungsgeld und schloss ihn vom Prozess aus. Ein Gerichtsbediensteter drohte damit, einen Schlagstock einzusetzen, um die Ordnung wiederherzustellen.
Sicherheitsdebatte und weiterer Kontext
Der Fall erregte bundesweite Aufmerksamkeit für die Sicherheit von Bahnmitarbeitern. Viele Kollegen von Çalar nahmen am Prozess teil. Laut Regierungsangaben, die vor Gericht zitiert wurden, gab es im Jahr 2025 etwa 2.690 registrierte Angriffe auf Deutsche-Bahn-Mitarbeiter, ein Anstieg von rund elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Rechtsanwalt des Nebenklägers, Yalçin Tekinoglu, sagte, der Prozess solle ein Zeichen gegen Gewalt setzen, insbesondere gegenüber Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. Der Prozess soll noch sieben weitere Sitzungstage bis Anfang Juli umfassen.


