
Paris schreibt Helme und Warnwesten für E-Scooter-Fahrer vor angesichts steigender Todeszahlen
Neue Regeln traten am 7. August in Paris und den inneren Vororten (Petite Couronne) in Kraft, die alle Fahrer von E-Scootern und ähnlichen motorisierten Geräten verpflichten, Helme und reflektierende Kleidung zu tragen, bei Nichteinhaltung mit Geldstrafen von bis zu 135 €.
Neue Regeln treten in Kraft
Die Pariser Präfektur gab am Samstag, den 8. August, bekannt, dass Helme und reflektierende Ausrüstung für alle Nutzer von E-Scootern, Elektro-Einrädern, Segways und Hoverboards auf öffentlichen Straßen in Paris und den inneren Vororten (Petite Couronne) nun Pflicht sind. Die Regeln traten am Freitag, den 7. August, in Kraft. Fahrer, die ohne zugelassenen Helm erwischt werden, müssen mit einem Bußgeld von 135 € rechnen, während fehlende Warnweste oder Retroreflektoren mit 35 € bestraft werden. Die Verordnung gilt jederzeit auf öffentlichen Straßen.
Die Verordnungen sind eine Reaktion auf einen von der Polizei als besorgniserregend bezeichneten Anstieg schwerer und tödlicher Unfälle mit motorisierten Mobilitätsgeräten. Laut Zahlen der französischen Verkehrssicherheitsbehörde, die von der Pariser Polizei zitiert werden, wurden 2025 79 "ungeschützte Verkehrsteilnehmer" getötet, gegenüber 45 im Vorjahr, wobei ein erheblicher Anteil der Unfälle schwere oder tödliche Kopfverletzungen verursachte. Rund 1.100 E-Scooter-Nutzer wurden 2025 schwer verletzt, ein Anstieg von 33 % gegenüber 2024. Ein separater Bericht von Franceinfo nannte 86 Nutzer solcher Geräte, die in den letzten 12 Monaten getötet wurden, fast 40 % mehr als ein Jahr zuvor.
- 2024
- 45 Tote
- 2025
- 79 Tote
Fahrerreaktionen sind geteilt
An der Rue de Rivoli, einer für Fahrräder und E-Scooter reservierten Straße, stieß die Maßnahme auf gemischte Resonanz. Denis, ein Polizeibeamter, der mit seinen beiden Töchtern unterwegs war, befürwortete die Vorschrift aus seiner doppelten Perspektive als Beamter und Elternteil.
Die Gefahren des Fahrrad- oder Scooter-Verkehrs sind real. Die Helmpflicht ist meiner Ansicht nach eine Notwendigkeit, um Krankenhausaufenthalte mit oft dramatischen Folgen zu vermeiden.
Andere waren weniger begeistert. Louisa sagte, sie finde das Fahren ohne Helm angenehmer, räumte aber ein, dass die Regel sinnvoll sei. William sagte, er werde sich vor allem zur Vermeidung von Bußgeldern daran halten und betonte, er habe noch nie einen Unfall gehabt und halte sich für vorsichtig. Abdallah, ein 18-Jähriger aus Katar, sagte, er habe nicht vor, einen Helm zu tragen, und verwies auf Unbehagen und Sorge um seine Frisur. Ein Nutzer sagte gegenüber Franceinfo, die Regel sei nicht durchsetzbar, und prophezeite, dass sich niemand daran halten werde und die Polizei den ganzen Tag Bußgelder verteilen werde.
Verbot von Leih-Scootern und private Nutzung
Paris verbot 2023 Leih-E-Scooter nach einem stadtweiten Referendum, bei dem 90 % der Wähler für das Verbot stimmten, obwohl nur 8 % der Wahlberechtigten teilnahmen. Private E-Scooter waren nicht betroffen und werden weiterhin häufig genutzt. Laut EU hat Frankreich den höchsten privaten E-Scooter-Bestand in Europa mit 2,5 Millionen Besitzern (Stand 2023). Die bestehenden Pariser Regeln verbieten bereits das Fahren für unter 14-Jährige, untersagen die Mitnahme von Passagieren und legen eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h fest.
Forderungen nach einer nationalen Regelung
Mehrere französische Départements, darunter Seine-et-Marne, Alpes-Maritimes und Vaucluse, schreiben bereits Helme und Warnwesten vor. Pierre Lagache, Vizepräsident der Ligue contre la violence routière, forderte eine einheitliche nationale Regelung anstelle von vereinzelten lokalen Initiativen.
Eine wirksame Regel ist eine, die den meisten bekannt ist und für alle im gesamten Staatsgebiet gleich ist. Daher ist es wichtig, dass der Staat die Kontrolle über dieses Thema der Scooter-Sicherheit zurückgewinnt und eine Verordnung erlässt, die besser zum Schutz der Nutzer beiträgt.
Der Minister für Verkehrssicherheit bestätigte gegenüber France Télévisions, dass Gespräche im Gange sind, um Helme in ganz Frankreich vorzuschreiben.
Europäischer Kontext
Auch andere europäische Städte haben die Regeln für E-Scooter verschärft. Madrid verbot 2024 Leih-E-Scooter, und Brüssel kündigte im Juni 2026 an, diesem Beispiel zu folgen. Irland gab im Juli bekannt, das Mindestalter für die Nutzung von E-Scootern anzuheben und Helme sowie Warnwesten ab Ende August vorzuschreiben. In Deutschland registrierte die Polizei 2025 knapp 16.500 E-Scooter-Unfälle, ein Anstieg von rund 38 % gegenüber dem Vorjahr, so das Statistische Bundesamt.
- Paris verbietet Leih-E-Scooter per Referendum (90 % dafür, 8 % Wahlbeteiligung)
- Madrid verbietet Leih-E-Scooter
- Brüssel kündigt Verbot von Leih-E-Scootern an
- Irland kündigt Mindestalter und Helmpflicht an
- Helm- und Warnwestenpflicht in Paris tritt in Kraft
- Pariser Polizei gibt neue Regeln offiziell bekannt


