
In Hamburg beginnt Prozess gegen iranische Spione wegen Mordplänen an jüdischen Gemeindeführern in Deutschland
Ein 54-jähriger Däne afghanischer Herkunft und ein mutmaßlicher Komplize stehen seit Freitag in Hamburg vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, für Irans Quds-Brigaden spioniert und jüdische sowie israelfreundliche Ziele für Mord- und Brandanschläge ausgekundschaftet zu haben.
Der Prozess gegen zwei Männer, die beschuldigt werden, Anschläge auf hochrangige jüdische Vertreter und einen Koscherladen in Berlin vorbereitet zu haben, begann am Freitag vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagten auf direkte Anweisung der iranischen Eliteeinheit al-Quds-Brigaden handelten, der Auslandsabteilung der Islamischen Revolutionsgarden.
Die Anklage
Ali S., ein 54-jähriger dänischer Staatsbürger afghanischer Herkunft, wird der geheimdienstlichen Agententätigkeit sowie der versuchten Beihilfe zu Mord und schwerer Brandstiftung angeklagt. Sein Mitangeklagter Tawab M., ein 42-jähriger, in Afghanistan geborener Mann, wird der versuchten Beteiligung an einem Mord beschuldigt. Der Hauptverdächtige soll seinen Auftrag Anfang 2025 von Offizieren der Quds-Force erhalten haben.
Das Verfahren zeigt nicht nur, dass Iran weiterhin ein bedeutender Akteur in der Spionage ist, sondern auch, dass die iranischen Revolutionsgarden Deutschland zunehmend als Bühne für staatsterroristische Anschläge betrachten.
Erkundungen in Berlin
Laut einem vom Gericht verlesenen Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz folgten deutsche Verfassungsschützer Ali S. bei einem Besuch in Berlin im Juni 2025. Sie nahmen ihn auf der A7 kurz nach der Einreise aus Dänemark auf und fuhren ihn in einem Auto mit dänischen Kennzeichen in die Hauptstadt. Dort besuchte er die Büros der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, einen Koscherladen und den Sitz des Deutschen Ethikrates, dem Josef Schuster angehört. An jedem Ort beobachteten die Beamten, wie er mit seinem Mobiltelefon Gebäude und deren Umgebung fotografierte.
Ziele und Rekrutierung
Die Anklage wirft Ali S. vor, er sei beauftragt worden, Informationen über Josef Schuster, Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Volker Beck, Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, zu sammeln. Daraufhin habe er Tawab M. angesprochen, um ihn für einen Anschlag auf Beck zu rekrutieren oder jemand anderen zu finden, der bereit sei, diesen auszuführen. Für einen geplanten Brandanschlag auf einen Berliner Koscherladen fragte er seine Tochter, ob sie eine Somalierin oder Palästinenserin kenne, die Geld brauche und bereit sei, nach Deutschland zu fliegen. Die versprochene Zahlung: 30.000 dänische Kronen (etwa 4.000 Euro).
- Ali S. erhält angeblich Aufträge von den al-Quds-Brigaden, Informationen über Schuster und Beck zu sammeln.
- Ali S. reist nach Berlin, wird vom deutschen Verfassungsschutz verfolgt und fotografiert Zielorte, darunter die Deutsch-Israelische Gesellschaft und einen Koscherladen.
- Ali S. berichtet angeblich über den Fortschritt an Kontaktpersonen in Teheran und kehrt dann über Afghanistan nach Dänemark zurück.
- Dänische Polizei verhaftet Ali S. in Aarhus; er wird innerhalb von Wochen nach Deutschland ausgeliefert.
- Mutmaßlicher Komplize Tawab M. wird in Dänemark festgenommen und anschließend nach Deutschland ausgeliefert.
- Prozess beginnt vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg.
Festnahmen und Auslieferung
Die dänische Polizei nahm Ali S. in Aarhus vor fast genau einem Jahr fest. Er wurde Wochen später nach Deutschland ausgeliefert und einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt. Tawab M. wurde ebenfalls in Dänemark festgenommen, im November 2025, und anschließend an die deutschen Behörden übergeben. Beide Männer befinden sich in Deutschland in Untersuchungshaft.
Reaktionen und politischer Kontext
Volker Beck, ehemaliger Grünen-Bundestagsabgeordneter von 1994 bis 2017, verfolgte den Prozess als Zuschauer und hat beantragt, als Nebenkläger zugelassen zu werden. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte, der erste Hinweis sei von einem befreundeten ausländischen Nachrichtendienst gekommen und Deutschland habe mit mehreren ausländischen Diensten zusammengearbeitet. Eine Quelle bestätigte der dpa, dass der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad beteiligt war.
Wir haben in dieser Sache mit mehreren ausländischen Diensten zusammengearbeitet.
Die iranische Botschaft in Berlin wies die Vorwürfe als „unbegründete und gefährliche Behauptungen“ zurück und bezeichnete sie als Teil einer Kampagne, um von Israels Krieg gegen Iran abzulenken. Israel hatte am 13. Juni 2025 Militärschläge gegen Iran gestartet.


