
Frankreich ordnet Prozess gegen 14 Personen wegen Ärmelkanal-Unglücks 2021 mit 31 toten Migranten an
Vierzehn Personen aus Schleusernetzwerken müssen sich vor Gericht für das Kentern im Ärmelkanal 2021 verantworten, bei dem 31 Migranten starben – der tödlichste Vorfall auf dieser Route.
Die französischen Behörden haben einen Strafprozess gegen 14 Personen im Zusammenhang mit dem Ertrinken von 31 Migranten im November 2021 bei dem Versuch, den Ärmelkanal zu überqueren, angeordnet. Die Entscheidung, die am 16. Juni 2026 von der nationalen Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität (Pnaco) bestätigt wurde, richtet sich gegen Mitglieder zweier Schleusernetzwerke, eines afghanischen und eines irakisch-kurdischen, die angeblich zusammengearbeitet haben, um von irregulären Überfahrten in das Vereinigte Königreich zu profitieren.
Anklagepunkte und Verdächtige
Den Angeklagten werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung, Beihilfe zum illegalen Aufenthalt als Teil einer organisierten Gruppe sowie Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die meisten wurden in Afghanistan oder im Irak geboren. Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft spielte jeder eine Rolle in der Schleuseroperation: Einige fungierten als Überfahrtsorganisatoren, andere als Fahrer oder stellten Unterkünfte zur Verfügung. Die meisten bestreiten ihre Verantwortung, und einige irakisch-kurdische Angeklagte behaupten, selbst nur Migranten gewesen zu sein.
Diese Entscheidung ist ein erster Schritt zur juristischen Aufarbeitung dieses dramatischen Schiffbruchs.
Matthieu Chirez, ein Anwalt, der 113 Zivilparteien vertritt, begrüßte den Prozess. Er fügte hinzu, dass die Verhandlung den Angehörigen der Opfer die Möglichkeit geben werde, auszusagen.
Separate Ermittlungen gegen französisches Personal
Parallel dazu laufen die Ermittlungen gegen französisches Militär- und Küstenwachenpersonal weiter. Mindestens sieben Angehörige der Streitkräfte – fünf Mitarbeiter des Überwachungs- und Rettungszentrums CROSS Gris-Nez und zwei Seeleute des Patrouillenboots Le Flamant – wurden wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Dieser Teil des Falles wurde aus verfahrenstechnischen Gründen abgetrennt.
Kontext im Ärmelkanal
Mehr als 6.000 Migranten wurden 2025 im Ärmelkanal aus Seenot gerettet, wie aus einem von Ouest France zitierten Bericht hervorgeht. Das Unglück von 2021 bleibt das tödlichste auf dieser Route bis heute.


