Prozess um Silvesterrakete, die 88-Jährige in Würzburg tötete
Vor dem Amtsgericht Würzburg hat ein 42-Jähriger zugegeben, die Rakete gezündet zu haben, will aber gesehen haben, dass sie beschädigt war; eine Zeugin sagt dagegen, ein Freund von ihm habe sie abgefeuert. Die 88-jährige Bewohnerin der Wohnung starb an einer Rauchgasvergiftung.
Ein Brand in der Silvesternacht
In der Silvesternacht landete eine Rakete auf einem Balkon im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses im Würzburger Stadtteil Heuchelhof und setzte mehrere Gegenstände in Brand. Nach Angaben der Ermittler breitete sich der Rauch anschließend in die Wohnung einer 88-jährigen, in ihrer Beweglichkeit eingeschränkten Bewohnerin aus, die schlief, als er sie erreichte. Später griffen die Flammen auf die Wohnung selbst über, und Einsatzkräfte, die sie während der Löscharbeiten durchsuchten, fanden die Frau bewusstlos. Sie starb in der Nacht an einer Rauchgasvergiftung, Hilfe kam zu spät. Rund zehn Monate später kam der Fall vor das Amtsgericht Würzburg, wo der Prozess am 14. Oktober begann.
- Eine Rakete landet auf einem Balkon im Würzburger Stadtteil Heuchelhof, Gegenstände dort fangen Feuer
- Eine Zeugin sagt, ein Freund des Angeklagten habe die Rakete gezündet und auf das Haus gerichtet
- Die 88-jährige Bewohnerin stirbt an einer Rauchgasvergiftung
- Prozessbeginn vor dem Amtsgericht Würzburg
Vorwürfe und Darstellung der Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft hat einen 42-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung angeklagt, wie die Behörde in ihrer Mitteilung erklärte. Der Bayerische Rundfunk gibt sein Alter zum Zeitpunkt des Brandes mit 41 Jahren an. Nach Darstellung der Anklage wusste der Angeklagte, dass der Holzstab der Rakete gebrochen war, wodurch die Flugbahn der Rakete vorhersehbar und vermeidbar gewesen sei. Der Anklage zufolge stieg die Rakete zunächst drei bis vier Meter senkrecht auf, änderte dann die Richtung und landete auf dem Balkon, wo Gegenstände Feuer fingen. Die Ermittler identifizierten ihn anhand von Aussagen der Bewohner und einer Auswertung von in jener Nacht aufgenommenen Videos. Ihm wird vorgeworfen, die Rakete mit dem gebrochenen Stab per Hand gezündet zu haben.
Darstellung des Angeklagten und widersprechende Zeugin
In der Verhandlung räumte der Angeklagte ein, die Rakete gezündet zu haben, die er in der Hand hielt. Er sagte, es tue ihm leid, und er habe nicht gewollt, was daraus folgte. Zudem will er gesehen haben, dass die Rakete beschädigt war, bevor er sie abfeuerte. Eine anwesende Zeugin sagte jedoch vor Gericht, ein Freund des Angeklagten habe die Rakete kurz nach Mitternacht gezündet und gezielt auf das Haus gerichtet. Ein weiterer Tatverdächtiger war ebenfalls genannt worden, doch die Ermittler erklärten, seine Beteiligung lasse sich nicht hinreichend beweisen. Die beiden Darstellungen unterscheiden sich somit darin, wer die Rakete abgefeuert hat.
Terminplan des Verfahrens
Das Amtsgericht Würzburg hat bislang nur einen Verhandlungstag angesetzt, für den neun Zeugen geladen sind. Diese Angaben machte ein Sprecher des Gerichts. Der Fall wird vor einem Schöffengericht verhandelt, die Verhandlung sollte am 14. Oktober um 9.30 Uhr beginnen. Da nur ein Tag angesetzt ist, geht aus den Berichten nicht hervor, wie viele weitere Verhandlungstage folgen. Der Tod der 88-jährigen Frau wird damit erst jetzt, mehr als zehn Monate nach Silvester, gerichtlich aufgearbeitet.
