
Gina H. sechs Stunden im Rostocker Prozess zum Mord an dem achtjährigen Fabian befragt
Vorsitzender Richter Holger Schütt befragte die Angeklagte Gina H. fast sechs Stunden lang am Landgericht Rostock zu Widersprüchen in ihren Angaben zu Bewegungen und Internetrecherchen nach der Tötung des achtjährigen Fabian im Oktober 2025.
Gina H., 30, beantwortete am 10. September 2026 fast sechs Stunden lang Fragen des Gerichts am Landgericht Rostock zur Tötung des achtjährigen Fabian. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, das Kind am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und zu einem Teich nahe Klein Upahl, etwa 13 bis 15 Kilometer entfernt, gefahren zu haben. Dort soll sie sechs Messerstiche zugefügt, seinen Körper mit Feuerzeugbenzin übergossen und angezündet haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie den Jungen als Hindernis für die Wiederbelebung ihrer vierjährigen Beziehung zu seinem Vater Matthias R. ansah, die im August 2025 endete. Gina H. bestreitet die Vorwürfe.
Vorsitzender Richter Holger Schütt eröffnete die Befragung mit Bezug auf die 95-seitige Erklärung, die die Angeklagte Ende August 2026 nach monatelangem Schweigen seit Prozessbeginn Ende April vor Gericht verlesen hatte.
Es geht nicht darum, Sie auseinanderzunehmen.
Widersprüche bei Bewegungen und Sprachnachrichten
Richter Schütt konfrontierte die Angeklagte mit Widersprüchen zwischen ihren früheren Angaben und aufgezeichneten Beweisen vom 10. Oktober 2025. Überwachungsaufnahmen zeigten, wie sie eine Geldbörse in einem Lebensmittelgeschäft benutzte, obwohl sie zuvor angegeben hatte, diese bei früheren Erledigungen nicht dabeigehabt zu haben. Schütt hinterfragte auch ihre Anwesenheit im Wald bei Klein Upahl am Morgen des Verschwindens sowie die Fahrt auf Wegen, die an dem Teich vorbeiführen, an dem die Leiche gefunden wurde.
Das Gericht untersuchte Sprachnachrichten, die am Tag von Fabians Verschwinden gesendet wurden und in denen Gina H. einem Bekannten mitteilte, das Kind sei wegen Bauchschmerzen zu Hause geblieben. Als der Richter anmerkte, dass die Telefonaufzeichnungen zeigten, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit dem Vater gesprochen hatte, änderte sie ihre Aussage und behauptete, online von der Krankheit erfahren zu haben. Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter, bemerkte, dass sich die Angeklagte während der Sitzung in Schwierigkeiten geredet habe. Verteidiger Andreas Ohm hielt dagegen, dass Widersprüche in ihrer Aussage keinen Schuldbeweis darstellten.
- Gina H. und Matthias R. beenden ihre vierjährige Beziehung
- Der achtjährige Fabian verschwindet aus Güstrow und wird bei Klein Upahl getötet
- Gina H. sucht im Internet, ob Wildschweine menschliche Überreste fressen
- Mordprozess gegen Gina H. am Landgericht Rostock eröffnet
- Angeklagte verliest eine 95-seitige schriftliche Erklärung vor Gericht
- Richter Holger Schütt befragt Gina H. in einer sechsstündigen Verhandlungssitzung
- Geplanter Termin für die Wiederaufnahme des Verfahrens
Online-Recherchen und Suchort
Das Gericht prüfte Gina H.s Internetrecherchen vom 11. Oktober 2025, einen Tag nach Fabians Verschwinden. Aufzeichnungen zeigen, dass sie suchte, ob Wildschweine tote Menschen fressen. Gina H. sagte aus, sie habe das Thema nachgeschlagen, um eine Behauptung zu überprüfen, die während eines Gesprächs mit einem Bekannten, Christian D., aufgekommen war, der meinte, Tiere könnten sich an Leichen vergreifen.
Schütt drängte die Angeklagte auch, warum sie vorgeschlagen hatte, ein landwirtschaftliches Feld in Klein Upahl zu durchsuchen, wo Fabians Überreste schließlich entdeckt wurden. Gina H. erklärte, sie habe mit Christian D. ein Video von Raffaela J., einer Freundin von Fabians Mutter, angesehen und festgestellt, dass bereits umfangreiche Suchaktionen der Freiwilligen an anderen Stellen im Gange waren.
Die Leute haben überall nach ihm gesucht.
Beziehungsgeschichte und Verfahrensablauf
Die Befragung erstreckte sich auch auf das Zusammenleben der Angeklagten mit Matthias R. Gina H. beschrieb anhaltende Beziehungskonflikte und erklärte, dass das Paar aufgrund schwerer Schlafstörungen anderthalb Jahre lang in getrennten Schlafzimmern geschlafen habe. Sie sagte aus, dass körperliche Intimität in dieser Zeit selten geworden sei, nur noch sporadisch vorkam.
Manchmal einmal im Monat. Manchmal auch zwei, drei Monate gar nicht. Das ist schon sehr selten.
Gina H. sagte auch aus, dass sie nie die Wohnung betreten habe, in der Fabian mit seiner Mutter lebte, und dass sie bei der Abholung im Fahrzeug auf der Straße gewartet habe. Der Mordprozess soll am 15. September 2026 am Landgericht Rostock fortgesetzt werden.

