Prozess um 'Bar España'-Fake in Castellón eröffnet, Staatsanwaltschaft fordert bis zu siebeneinhalb Jahre
Der Prozess gegen sechs Personen, denen die Verbreitung des 'Bar España'-Fakes vorgeworfen wird, hat am Freitag, dem 16. Oktober, in Castellón begonnen – fast zwei Stunden nach dem geplanten Beginn. Die Verhandlungstage sind bis zum 26. Oktober angesetzt.
Der Prozess beginnt verspätet
Der Prozess gegen sechs Personen, denen die Verbreitung des Bar España-Fakes vorgeworfen wird, hat am Freitag, dem 16. Oktober, in Saal 3 der Strafkammer des Tribunal de Instancia de Castellón begonnen. Die Sitzung hätte um 9:00 Uhr beginnen sollen, doch ein flächendeckender Ausfall des regionalen Justiznetzes, das auf der Plattform Webex läuft, verzögerte sie um fast zwei Stunden. Die Vorbefragungen der Parteien dauerten anschließend mehr als drei Stunden, und die Richterin verlegte die Aussage des ersten der sechs Angeklagten, der per Videokonferenz aussagen sollte, auf Dienstag, den 20. Oktober. Nur drei der sieben Angeklagten saßen auf der Anklagebank, die übrigen verfolgten die Verhandlung aus der Ferne – nicht ohne Probleme. Ein Angeklagter, der aufgefordert wurde, seine Webcam einzuschalten, erklärte der Richterin, er habe gerade gefrühstückt und wolle nicht beim Essen gesehen werden.
- Prozessbeginn in Castellón, fast zwei Stunden nach dem geplanten Start um 9:00 Uhr
- Aussage des ersten der sechs Angeklagten, verschoben von der Eröffnungssitzung
- Geplantes Ende der Verhandlungstage in Castellón
Worum es in dem Verfahren geht
Der Fake, der seit rund drei Jahrzehnten kursiert, schrieb Politikern, Amtsträgern und anderen öffentlichen Personen ein Kindesmissbrauchsnetzwerk zu. Er nahm seinen Ausgang bei Reinaldo Colás, einem Friseur aus Benicarló, der 2017 starb, nachdem ein Gericht in seiner Missbrauchsbeschuldigung gegen den Partner seiner Ex-Frau keine Straftat festgestellt hatte. Danach führte er eine Kampagne gegen die mit dem Fall befasste Richterin, mit manipulierten Videos, die in seinem Salon aufgenommen wurden, und rückte sie ins Zentrum eines angeblichen Rings mit satanischen Ritualen mit Sitz im Bar España. Um den Skandal zu vergrößern, setzte er einer falschen Kundenliste Namen hinzu, darunter Carlos Fabra, Francisco Camps und Mónica Oltra. Der Fake ging so weit, die Mädchen von Alcàsser als Opfer des erfundenen Rings darzustellen.
Den sechs Angeklagten sowie dem Redakteur eines Digitalmediums, der als zivilrechtlich Haftender geführt wird, werden Straftaten gegen die moralische Integrität sowie Injurien und Verleumdungen unter Publizität zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft fordert für die sechs Angeklagten bis zu siebeneinhalb Jahre Haft. Mehr als 30 Zeugen sollen aussagen, darunter mehrere politische Amtsträger, die öffentliche Ämter in der Generalitat Valenciana und der Diputación de Castellón innehatten. Das Gericht hat bis zum 26. Oktober sechs Sitzungen pro Tag angesetzt.
Verteidigung greift das Verfahren an
Die Verteidiger beantragten die Nichtigerklärung des Verfahrens aus mehreren Gründen, darunter die Verletzung von Grundrechten, die Nichtverfolgung von Straftaten, Verfahrensbetrug und rechtswidrige Festnahmen. Sie stellten zudem die Beweiskette einiger Beweismittel infrage, brachten eine mögliche Verjährung der Taten zur Sprache und warfen die Frage auf, ob die Staatsanwaltschaft überhaupt zur Vertretung der Opfer befugt ist. Laut ABC wies die Richterin alle Nichtigkeitsanträge zurück. Javier Fernández Torres, der sich selbst verteidigt, kritisierte die Gerichte dafür, dass sie Colás' ursprüngliche Anzeigen nicht untersucht hätten. Staatsanwalt Javier Carceller erklärte, er werde ungeachtet dessen weiter vorgehen, und fragte, was geschehen wäre, hätte die Staatsanwaltschaft nicht gehandelt, und ob Falschnachrichten über den Fall noch immer online kursieren würden.
Angeklagte zeigen Reue
Die Anwälte zweier Angeklagter erklärten vor Gericht, alle Angeklagten widerriefen und bedauerten aufrichtig, Falschinformationen verbreitet zu haben. Juan Lankamp Riaza entschuldigte sich beim Verlassen der ersten Sitzung gegenüber Journalisten:
Ich wusste nicht, welche Tragweite das haben würde. Ich entschuldige mich für die Schwere der Tatsachen.
Die Verteidigung erklärte, Lankamp Riaza sei bereits in einem Zivilverfahren gemeinsam mit Pilar Baselga wegen der Verletzung des Rechts auf Ehre für haftbar erklärt worden. Sie erklärte zudem, eine Angeklagte sei vor dem Prozess gestorben und der Fall habe ihre Gesundheit beeinträchtigt. Der Anwalt von Ramón Valero Consuegra, bekannt als 'Un técnico preocupado', verwies auf einen Bericht, dem zufolge Fake-Inhalte seit 2016 nach einer Hausdurchsuchung von seiner Website entfernt worden seien. Carceller bezweifelte die Aufrichtigkeit dieses Widerrufs und sagte, er müsse persönlich erfolgen:
Wenn er widerrufen will, soll er kommen, und wir hören ihn gern hier im Gerichtssaal.
Wie es weitergeht
Das Gericht hat die Aussage des ersten Angeklagten auf Dienstag, den 20. Oktober, verschoben, sodass bislang kein Angeklagter im Gerichtssaal ausgesagt hat. Mehr als 30 Zeugen werden erwartet, darunter ehemalige regionale und provinziale Politiker, die der Fake ohne Belege nannte. Die Sitzungen dauern bis zum 26. Oktober. Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf bis zu siebeneinhalb Jahre und die Reuebekundungen der Angeklagten werden in diesem Verhandlungszeitraum geprüft.