
Rund 3.500 Menschen bei propalästinensischem Marsch durch das Berliner Regierungsviertel
Die Polizei bezifferte die Menge am Samstag bei einer Demonstration gegenüber dem Kanzleramt auf etwa 3.500 Menschen. Die Linke-Politikerin Vanessa Emde hatte zur Teilnahme aufgerufen, während der Kundgebung wurde ein Redner in Gewahrsam genommen.
Der Marsch durch das Regierungsviertel
Mehrere Tausend Menschen haben am Samstagnachmittag an einer propalästinensischen und israelfeindlichen Demonstration im Berliner Regierungsviertel teilgenommen. Sie versammelten sich gegenüber dem Kanzleramt unter dem Titel "United4Palestine - No Peace on Stolen Land" (deutsch: "Vereint für Palästina - Kein Frieden auf gestohlenem Land"), für den die Veranstalter 3.000 Teilnehmer angemeldet hatten. Die Polizei schätzte die Menge ab 15 Uhr zunächst auf etwa 2.000 Menschen und bezifferte sie später auf rund 3.500. Auf Transparenten stand "Staatsräson Völkermord" und "Schluss mit Besatzungsterror", zudem waren zahlreiche palästinensische Flaggen zu sehen. Zu hören waren Rufe wie "Free Palestine, free Palestine", "Fuck you Israel" und "Palästina darf sich wehren mit Steinen und Gewehren".
Die Reden am Auftaktort zogen sich weit über den Plan hinaus, der Marsch durch das Regierungsviertel setzte sich erst am späten Nachmittag in Bewegung. Die Route wurde geändert: Statt zum Potsdamer Platz ging es in Richtung Alexanderplatz. Ein Polizeisprecher sagte dem Tagesspiegel gegen 16:30 Uhr, die Versammlung sei bis dahin störungsfrei verlaufen.
- Versammlung beginnt am Spreebogenpark, nach Polizeischätzung etwa 2.000 Menschen
- Polizeisprecher erklärt, die Versammlung sei bis dahin störungsfrei verlaufen
- Marsch durch das Regierungsviertel beginnt, Route geändert vom Potsdamer Platz zum Alexanderplatz
Reden und ein in Gewahrsam genommener Redner
Eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten mit israelischen Flaggen rief "Free Berlin from Hamas!" Zu Beginn der Kundgebung am Kanzleramt bezeichnete ein Redner den "Aufstand" gegen die "illegale Besatzung" Palästinas als "legitim". Laut Tagesspiegel wird er einer islamistischen Organisation mit Wurzeln in der Türkei zugerechnet, deren Führung direkte Kontakte zur Hamas unterhält. Die Polizei nahm ihn in Gewahrsam, um seine Identität festzustellen. Seit zehn Jahren tritt er bei Palästina-Veranstaltungen auf, unter anderem 2017 in Berlin an der Seite von Majed al-Zeer. Das Bundesinnenministerium stuft al-Zeer, der derzeit als untergetaucht gilt, als wichtigsten Verbindungsmann der Hamas in Deutschland und Europa ein; gegen ihn liegt eine Ausschreibung zur Festnahme vor.
Ein auf X veröffentlichtes Video des Bild-Reporters Iman Sefati zeigte Teilnehmer, die "Yalla yallah Intifada" skandierten. Die Pressestelle der Polizei erklärte, bis 16:30 Uhr keine Kenntnis von derartigen Rufen zu haben.
Emde und die Debatte über ihre Positionen
Vanessa Emde, die bei der Berliner Landtagswahl am 20. September ein Direktmandat in Neukölln gewann, hatte zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen; laut Bild nahm sie auch teil. In einem Instagram-Beitrag schrieb sie:
Solidarität ist kein Verbrechen. Freiheit für Palästina. Wir sehen uns auf der Straße. Jetzt mehr denn je.
Im selben Beitrag warnte sie vor dem, was sie als Bedrohungen für Menschen in Berlin beschrieb:
Wenn Hass, Einschüchterung, Polizeiknüppel und Abschiebungen in Berlin drohen, wenn Menschen für Gerechtigkeit und Freiheit aufstehen, dann wehren wir uns gemeinsam.
Kritiker werfen Emde vor, nicht hinter dem Existenzrecht Israels zu stehen; manche ordnen ihre israelfeindlichen Positionen als antisemitisch ein. Der Streit ist brisant angesichts der Sondierungsgespräche zwischen Linke, Grünen und SPD, die am Donnerstag begonnen haben und am Samstag fortgesetzt werden.
Das vergangene Jahr und der Sicherheitseinsatz dieser Woche
Am 7. Oktober 2023 griff die Hamas Israel an und tötete mehr als 1.000 Menschen. Die anschließende israelische Gegenoffensive hat Zehntausende getötet. Seitdem kommt es in Berlin immer wieder zu Protesten. Eine Demonstration mit ähnlichem Titel zog im Oktober 2025 etwa 14.000 Menschen an; damals kam es zu körperlichen Angriffen, antisemitischen Schildern und Parolen sowie rund 30 Festnahmen. Bei einer israelkritischen Demonstration am Mittwochabend der Vorwoche kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei und Festnahmen.
Für Samstag waren in der Innenstadt zudem mehrere kleinere Demonstrationen angemeldet, die Israel unterstützen und sich gegen islamistischen Terror wenden. Die Berliner Polizei setzte etwa 1.400 Beamte ein, darunter Einheiten aus anderen Bundesländern und der Bundespolizei.
- Demonstration Oktober 2025
- 14000 Teilnehmer
- Demonstration Oktober 2026 (Polizei)
- 3500 Teilnehmer

